Eine Familie mit Gott im Zentrum

Kategorie: Artikel
Thema: Andacht , Familie

Warum sollten christliche Familien auch als gottesfürchtige Familien bekannt sein?

Ich möchte einige Prinzipien aufzeigen, weshalb ihr in euren Häusern Gott ins Zentrum stellen solltet. Könnte ich doch so angenehme Worte finden, um euch zu überzeugen! Habt ein wenig Geduld mit mir, dann will ich euch zeigen, was im Namen Gottes zu sagen ist, was eurer Überlegung wert ist.

Wenn Gott ins Zentrum eurer Familie kommt, wird Er mitten unter euch wohnen 

Unser Gott hat bezüglich Seines Volkes gesagt: »Dies ist für immer Meine Ruhestatt, hier will Ich wohnen; denn Ich habe sie begehrt« (Ps. 132,14). Es ist sehr wünschenswert, die gnadenreiche Gegenwart Gottes bei uns in unseren Familien zu haben, denn Er hat versprochen: »Wo zwei oder drei in Meinem Namen versammelt sind, da bin Ich in ihrer Mitte« (Mt. 18,20). Das war es auch, was sich David so sehr wünschte: »Wann wirst Du zu mir kommen?« (Ps. 101,2).

Für David wäre sein Palast, sein Hof, wie ein Gefängnis gewesen, wie ein Kerker, wenn Gott nicht in seinem Haus hätte wohnen wollen. Ist das nicht auch das Sehnen eurer Herzen? Ihr, die ihr eine Familie habt, möchtet ihr nicht, dass Gott mitten unter euch wohnt? Fleht Ihn an, bittet Ihn um Sein Wohlwollen und umwirbt Ihn um Seine bleibende Gegenwart. Er Selbst möchte gerne mitten unter Seinem Volk wohnen und Seine Gunst und Gnade jeden Morgen neu schenken. Wenn Er in eure Mitte kommt, so kommt Er friedfertig und bringt einen Segen mit, den Er auf den Wohnungen der Gerechtigkeit ruhen lässt (Hes. 44,30). Er wird einen Segen verheißen, der auf nicht weniger hinauslaufen soll als auf »Leben bis in Ewigkeit« (Ps. 133,3).

Dieses Wohlgefallen und dieser Segen werden eure Beziehungen angenehm, eure Unternehmungen erfolgreich machen; eure Freuden werden sich vermehren, und dadurch werden für euch alle Dinge rein gemacht. Das wird eure familiären Annehmlichkeiten verdoppeln und eure familiären Leiden halbieren. Dadurch werden eure »Zelte« in Tempel und eure »Hütten« in Paläste verwandelt, so dass man dazu sagen kann: »Schön erhebt sich, die Freude der ganzen Erde, der Berg Zion« (Ps. 48,3) bzw. jedes Haus, in dem Gott im Zentrum ist.

Der Weg allerdings, um Gottes Wohlgefallen für euch und eure Häuser zu finden, besteht darin, sie zu Seiner Zufriedenheit einzurichten. So lud die gute Schunamitin den Propheten Elisa in ein Obergemach ein, das sie für ihn bereitet hatte, indem sie ihn dort mit einem Bett, einem Tisch, einem Stuhl und einer Lampe beherbergte (2.Kön. 4,8-11).

Wollt ihr eure Häuser so einrichten, wie es Gott wohlgefällt? Es wird von euch nicht erwartet, dass ihr sie so ausstattet wie ehemals Seine Stiftshütte, für die man »blauen und roten Purpur und Karmesin [und] weißes Leinen« verwenden musste (2.Mo. 25,4). Aber richtet Ihm einen »Thron« und einen »Altar« auf und haltet beides instand, damit die ganze Familie Ihm von dem »Altar« aus Ehre erweist und Er von dem »Thron« aus euch und euren Kindern das Gesetz und Evangelium kundtut. Dann könnt ihr Seines Wohlgefallens und Seines Segens gewiss sein und euch von Tag zu Tag über Seinen Trost trösten. Gott wird auf einem Weg der Gnade mit euch sein, während ihr auf dem Weg der Pflicht bei Ihm seid. Wenn ihr Ihn sucht, wird Er von euch gefunden werden. Über eurem »Zelt« wird der vertraute Umgang mit Gott walten, wie es bei Hiob der Fall war (Hi. 29,4) und wie es bei den Gerechten ist (Ps. 25,14; Spr. 3,32-33).

Wenn Gott im Zentrum eurer Familie ist, wird euer Haus zu einem »Heiligtum«. 

Der Herr Selbst wird für euch wie ein Heiligtum sein (Hes. 11,16). Das Mittel zur Erfüllung dieser Verheißung in euren Häusern besteht darin, die Gottesfurcht in euren Häusern aufrechtzuerhalten. Dann werdet ihr ruhig und sicher leben wie auf einer hohen Burg, die von schützenden Felsen umgeben ist (nach Jes. 33,16).

Das Gesetz Gottes betrachtet das Haus eines Mannes als seine Burg, und das Evangelium Christi macht es tatsächlich dazu. Wenn Gottes Gnade die Herrlichkeit im Zentrum dieses Hauses bildet, wird Seine Fürsorge »eine feurige Mauer um es her sein« (Sach. 2,9).

Satan irritierte es, dass Gott den frommen Hiob, sein Haus und alles, was er besaß, ringsum eingehegt hatte, so dass er keine einzige Lücke finden konnte, durch die er bei ihm eindringen konnte (Hi. 1,10).

Jedes Haus, in dem der Herr wohnt, wird beschützt werden wie die Stiftshütte in der Wüste; denn Gott hat verheißen, darüber »bei Tag eine Wolke und Rauch [zu] schaffen und den Glanz einer Feuerflamme bei Nacht, denn über der ganzen Herrlichkeit wird ein Schutzdach sein« (Jes. 4,5). Wenn wir auf diese Weise unser »ganzes Leben lang [im Haus des HERRN]« wohnen, indem wir unsere Häuser zu Seinen Wohnungen machen, dann wird Er uns »in Seiner Hütte …  [und] im Schutz Seines Zeltes [verbergen]« (Ps. 27,4-5).

Wo auch immer Familien mit Gott im Zentrum lagern, werden sich die Engel Gottes um sie herum lagern und ihre »Zelte dort aufschlagen«, wo sie die ihren aufbauen. Wir denken kaum daran, wie sehr wir es dem Dienst der guten Engel verdanken, dass unsere Familien vor der Niedertracht der bösen Engel bewahrt werden, die unablässig den gerechten Menschen Schaden zuzufügen versuchen. Es gibt sowohl den Schrecken der Nacht als auch Pfeile, die bei Tag fliegen, vor denen sich nur diejenigen bergen können, die unter dem Schatten des Allmächtigen bleiben (Ps. 91,1-5).

Wenn ihr eure Häuser mit dem bestmöglichen Versicherungsvertrag versichern wollt, dann verwandelt sie in »Gotteshäuser«. Auf diese Weise werden sie unter den besonderen Schutz Dessen gestellt, welcher »der Hüter Israels« ist, der weder »schläft noch schlummert« (Ps. 121,4). Und wenn ihnen irgendein Schaden zugefügt wird, wird es in Gnade und Herrlichkeit wieder gutgemacht. Der Weg der Pflicht ist ohne Zweifel der sicherste Weg.  

Betende Familien werden vor mehr Übeln bewahrt, als ihnen selbst bewusst ist. Sie erkennen nicht immer den Unterschied, den Gottes Gnade zwischen ihnen und anderen macht. Doch Gott gefällt es, solchen Unterschied manchmal bemerkbar zu machen, wie in der Geschichte, die glaubhaft berichtet wurde: In der Schweiz gibt es im Kanton Bern ein gewisses Dorf, das aus neunzig Häusern besteht und das im Jahr 1584 durch ein Erdbeben völlig zerstört wurde – bis auf ein Haus. Dort wohnte ein gottesfürchtiger Mann, der zu jener Zeit gerade mit seiner Familie gemeinsam zum Herrn betete. Diese Verheißung ist dem ganzen Samen des glaubenden Abraham sicher (Röm. 4,16): »Fürchte dich nicht, … Ich bin dein Schild …« (1.Mo. 15,1).

Der weise Salomo hat es so ausgedrückt: »Wer … auf Mich hört, der wird sicher wohnen; er kann ohne Sorge sein und muss kein Unheil fürchten« (Spr. 1,33). Das bedeutet: Wer auch immer auf Gott hört, ganz gleich, wo er wohnt – er wird in sicherer Weise wohnen und ruhig sein vor allem wahrhaft Bösen selbst und vor der erschreckenden und quälenden Furcht vor dem Bösen. Nichts kann dem schaden, nichts braucht den zu erschrecken, den Gott beschützt.

Wenn ihr Gott nicht im Zentrum eurer Familie habt, dann ist zu befürchten, dass Satan dort einen Thron haben wird

Wenn in euren Familien nicht die Gottesfurcht vorherrscht, werden dort Sünde und Bosheit herrschen. »Ich … [weiß,] wo du wohnst«, sagt Christus zu dem Engel der Gemeinde von Pergamus, »da, wo der Thron des Satans ist« (Off. 2,13). Das war deren Drangsal. 

Es gibt viele, deren Sünde darin besteht, dass sie wegen ihrer Gottlosigkeit und Unmoral dem Satan in ihrem Haus einen Sitz gewähren, und dieser Sitz ist ein Thron. Wie kann das verhindert werden? Nun, der sicherste Weg, das zu verhindern, besteht wohl darin, dass Gott durch Sein Wort ins Zentrum der Familie gelangt. 

Martin Luther sagte: »Wo Gott eine Kirche baut, da baut der Teufel eine Kapelle daneben.« Eher der Wahrheit entsprechend sollte es lauten: »Wo Gott keine Gemeinde baut (oder: in welchem Haus Gott nicht wohnt), da wird der Teufel seine Kapelle bauen.« Wenn der unreine Geist das Haus in diesem Sinn leer vorfindet – leer vom Geist Gottes, obwohl es »gesäubert und geschmückt [ist]. Dann … nimmt [er] sieben andere Geister mit sich, die bösartiger sind als er, und sie ziehen ein und wohnen dort« (Mt. 12,44-45).

Schreckliche Geschichten sind über Häuser erzählt worden, die vom Teufel geplagt wurden, und über die Angst der Leute, die in solchen Häusern wohnen. Das sind Häuser, in denen Aufruhr und Trunkenheit herrschen, Häuser, deren Sprache aus Schwören und Fluchen besteht, oder wo schlimmere Bosheiten wie Stolz, Arglist, Habsucht und Betrug die Oberhand haben. Von diesen Häusern kann man dann wahrlich urteilen, dass sie vom Teufel geplagt sind. Das sind die trostlosesten Häuser, in denen ein Mensch wohnen kann, und Behausungen böser Geister.

Die Art und Weise, Sünde von unserem Haus fernzuhalten, besteht nun darin, die Gottesfurcht im Haus hochzuhalten. Sie wird das wirksamste Gegenmittel gegen das Gift Satans sein. Als Abraham hinsichtlich des Hauses Abimelechs dachte, dass es an diesem Ort keine Gottesfurcht gebe, kam er zu dem Schluss: »Darum werden sie mich wegen meiner Frau umbringen!« (1.Mo. 20,11). Wo es keine Gottesfurcht gibt, wo man nicht die Bibel liest, nicht betet, keine Familienandacht hält und keine geistlichen Lieder singt – was kann man da anderes erwarten als Böses?! Wo Gottlosigkeit herrscht, da wird es auch Unmoral, Streit und Zank, Unzufriedenheit und alles Böse geben. Diejenigen, die das ernstliche Gebet zurückhalten, machen die Gottesfurcht zunichte (Hi. 15,4). Wenn aber wahre Anbetung ihren Platz in der Familie hat, dann kann man hoffen, dass das Laster dort keinen Platz findet. Es liegt viel Wahrheit in dem Ausspruch des guten John Dod (1549-1645): »Entweder bringt das Beten einen Menschen dazu, das Sündigen aufzugeben, oder das Sündigen bringt einen Menschen dazu, das Beten aufzugeben.«

Deshalb bleibt noch eine Hoffnung für solche, in deren Häusern Chaos herrscht, die jedoch Gott um Gnade bitten, dass Er bei ihnen einkehren möge. Dort wird es zunächst zwar Kämpfe zwischen Christus und Belial geben, und die Beleidigungen durch Sünde und Satan werden dreist und bedrohlich sein; doch ihr dürft trotzdem hoffen, dass der Feind an Boden verliert, solange Christus das Schlachtfeld verteidigt und ihr die Waffen Seiner Kriegsführung einsetzt.

Wenn Gott im Zentrum eurer Familie ist, wird es bei euch an Trost nicht mangeln 

Nichts ist wohltuender für eine begnadete Seele, als ununterbrochene Gemeinschaft mit einem gnädigen Gott zu haben. Dies ist das Einzige, was sie begehrt: dass sie »bleiben darf im Haus des HERRN« (Ps. 27,4). Hier befindet sie sich in ihrem Element. Das ist ihre Ruhe für immer.

Wenn unsere Häuser somit Häuser sind, in denen der Herr wohnt und regiert, werden wir aus diesem Grund unser Heim lieben und unsere tägliche Familienandacht für die schönste und höchste unserer täglichen Freuden betrachten. Was sind Salomos Gärten und Parkanlagen und Wasserteiche und die anderen Vergnügungen der Menschen (Pred. 2,5.6.8) im Vergleich zu diesen Freuden, in Gemeinschaft mit unserem Herrn und der Familie zu sein?

Wenn Gott also ins Zentrum eurer Familie kommt, wird es dazu führen, dass sich die familiären Beziehungen für euch angenehm gestalten, indem die Gottesfurcht die Liebe fördert, Streitigkeiten verhindert und hitzige Auseinandersetzungen, die jederzeit aufbrechen können, im Keim erstickt. Eine Familie, die in der Furcht Gottes lebt und sich täglich zur Familienandacht vereint, hat wirklich wahre Freude.

Wenn die Einigkeit in der Familie durch die Gegenwart des Herrn zustande kommt, dann ist dies wie der Tau, der auf die Berge Zions, auf die heiligen Berge, herabfließt (Ps. 133,3). Die Gemeinschaft einer gottesfürchtigen Familie ist ohne Zweifel die angenehmste Gemeinschaft hier auf Erden. Dies ist die lebendigste Darstellung und der schönste Vorgeschmack auf die kommenden Freuden im Reich Gottes – für solche, die durch Christus gerecht gemacht wurden –, welche die große Hoffnung wahrer Christen in dieser unvollkommenen Welt sind.

Das Familienleben in der Furcht Gottes zu gestalten, wird die Angelegenheiten der Familie zum Erfolg führen; und wenn auch nicht alles unserem Sinn entspricht, so können wir doch im Glauben voraussehen, dass es gewiss zu unserem Besten dienen wird. Wenn sich diese »Freundlichkeit des Herrn, unseres Gottes, … über uns« und unseren Familien befindet, wird sie »das Werk unserer Hände [für uns fördern], ja, das Werk unserer Hände [wird sie] fördern!« (Ps. 90,17). Sie wird unsere Herzen damit trösten, dass alles, was geschieht, vom Herrn kontrolliert und gelenkt wird.

Wir sollten nicht meinen, dass unser Berg (Ps. 30,8) so fest stehe, dass er nicht bewegt werden könne. Als Christen müssen wir mit »Bedrängnis im Fleisch« (1.Kor. 7,28) rechnen. Diese Betrübnis kann gerade aus dem kommen, woraus wir unseren größten Trost schöpfen – aus unseren Häusern. Wenn Gott sie in Seiner Souveränität zu Häusern der Trauer macht (Pred. 7,2-4), dann wird es uns zum Trost sein, sie als Häuser des Gebets zu haben, und zwar schon, bevor die Trübsal kommt.

Wenn Krankheit, Trauer und Tod in eure Familie gelangen (und früher oder später wird dies geschehen), dann ist es gut, dass ihr als Familie darin geübt seid, täglich Gott zu suchen im Gebet. Denn wenn ihr mit diesem guten Werk erst dann beginnt, wenn das Leid euch dazu zwingt, wird es euch reichlich schwerfallen, besonderen Trost zu finden. Diejenigen aber, die unablässig beten, wenn es ihnen gut geht, können auch dann trostreich beten, wenn sie in Not sind.


Ein Auszug aus dem gleichnamigen Buch von Matthew Henry

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