Matthew Henry

»Wenn das Familienleben in der Gottesfurcht Frucht trägt, indem in der Familie immer mehr der Charakter Christi erkennbar wird, wird es eine Auswirkung haben, nicht nur auf die Ortsgemeinde, sondern auch auf unsere Umgebung und sogar auf unser Land. Das ist es, was wir hoffentlich alle von Herzen wünschen: dass sich in unserem Land wahres Christentum und ernsthafte Gottesfurcht in ihrer Kraft durchsetzen und erblühen möge.«

Am 19. Mai 1662 erließ König Charles II. die Uniformitätsakte, um die Kirche von England zum obersten Gesetz im Land zu machen. Die Uniformitätsakte verlangte unter anderem, dass alle Prediger und Diakone von einem Bischof der anglikanischen Kirche ordiniert werden sollten, und dass sie sich alle an die gesamte Gottesdienst-
ordnung der anglikanischen Kirche halten sollten. 

Philip Henry predigte damals in der anglikanischen Kirche in Worthenbury. Er liebte den Herrn und hatte sich der Treue zur Heiligen Schrift verpflichtet. Er hatte auch erkannt, dass es für Ortsgemeinden enorm wichtig ist, unabhängig zu sein und von Ältesten und nicht von Bischöfen geleitet zu werden. Doch jetzt war die Kirche das Gesetz, und sie stellte ihre Ordnung über die Schrift. Was sollten die vielen Prediger und Gläubigen jetzt tun, die den Herrn liebten und Ihm in der Weise dienen wollten, wie Sein Wort es gebietet? 

Sie wussten, was es bedeutete, sich diesem Gesetz zu widersetzen; aber ihren Herrn verleugnen? – Nein, darauf konnten und wollten sie sich nicht einlassen! Das war für sie keine Option.

Als die Uniformitätsakte am 24. August 1662 in Kraft trat, wurde Pastor Philip Henry endgültig aus der anglikanischen Kirche entlassen und bekam ein Predigtverbot.

Nur wenige Wochen später, am 18. Oktober 1662, wurde Philips und Katharines Sohn Matthew geboren. Sein Geburtsort Broad Oak war der Stammsitz der Adelsfamilie seiner Mutter. Da das Erbe ihrer Familie ihr zufallen würde, hatten Philip und Katharine trotz seiner Entlassung keine finanziellen Sorgen – im Gegensatz zu zahlreichen anderen Predigern, die nach ihrer Entlassung weder ein Haus noch Einkommen besaßen.

Philip nahm den Auftrag Gottes als Hausvater sehr ernst; er führte für alle Familienmitglieder und Hausangestellten einen wöchentlichen Bibelunterricht ein und legte großen Wert darauf, mit seinem ganzen Haus den Sonntag zu heiligen. Er war ein gewissenhafter Verwalter des Gutes seiner Schwieger-
eltern und wurde ein guter Landwirt; doch den größten Teil seiner Zeit verbrachte er mit dem Studieren und Predigen des Wortes und mit dem Unterrichten seiner Kinder – wenn sie auch noch sehr klein waren. Es war Nonkonformisten1 strengstens verboten, sich öffentlich zu versammeln, geschweige denn zu predigen. Philip Henry drohte die Gefängnisstrafe, wenn herauskäme, dass er sich dem widersetzte – doch er blieb dem Herrn und seiner Berufung treu. Seine Gottesfurcht, die sich in jedem Lebensbereich zeigte, hinterließ bei seinem Sohn Matthew einen bleibenden Eindruck. 

Gott wirkte durch Sein Wort an dem Herzen des Jungen. Im Alter von etwa 10 Jahren begann er, die Wahrheit des Evangeliums zu verstehen, besonders als er seinen Vater über Psalm 51,19 predigen hörte: »Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein zerbrochener Geist; ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst Du, o Gott, nicht verachten.« Daraufhin begann Matthew, den Herrn von Herzen zu suchen. 

 

Seine Ausbildung

Im Jahr 1680 begann Matthew Henry sein Theologiestudium vorerst bei Dr. Thomas Doolittle; doch am meisten lernte er von seinem Vater. Bei ihm konnte er sowohl studieren als auch dessen Dienst als Hirte, Prediger und Lehrer mitverfolgen. Matthew Henry hatte den Wunsch, sich wie der Vater dem vollzeitigen Dienst an der Gemeinde Christi zu widmen. Im Jahr 1685 begann Matthew in London Jura zu studieren; doch nach einem Jahr verließ er die Anwaltskammer und kehrte zurück nach Broad Oak. 

 

Der Beginn des Dienstes

In seinem Heimatort ergriff er als junger Mann jede Gelegenheit zum Predigen. Diese Zeit war eine praktische Übung für den Dienst, den er fernerhin zu tun wünschte. Der Herr gebrauchte Matthew als Werkzeug, um den Menschen Gottes Wort mit Vollmacht zu predigen und Sünder zu erretten. Die Nachricht über Gottes Wirken durch diese Verkündigung verbreitete sich bald, und so wurde er öfters eingeladen, vor einer Gruppe von Christen zu predigen, die nicht mehr zur anglikanischen Kirche gehörten, sondern sich in Privathäusern versammelten. Im Januar 1687 bat die Gemeinde in Chester Henry, ihr Pastor zu werden. Er erkannte es ganz klar als Gottes gnädige Vorsehung und nahm die Stelle an.

Gleich zu Beginn seines Dienstes in der Gemeinde stellte Matthew Henry klar, dass er plante, die Bibel der Reihe nach auszulegen. Am Sonntagmorgen legte er nach und nach das Alte Testament aus, am Nachmittag das Neue Testament. Am Samstagabend fand zusätzlich der Bibelunterricht für Kinder statt. Über einen Zeitraum von etwa 20 Jahren predigte er das Alte Testament durch, und über einen Zeitraum von schätzungsweise 12 Jahren das Neue Testament. Diese Treue in der Auslegung lieferte die exegetischen Informationen für seine Kommentarreihe, für die er so bekannt ist.

Zwei Monate, nachdem er seinen Dienst in Chester aufgenommen hatte, heiratete Matthew Katherine. Was er bei seinem Vater gelernt hatte, wandte er nun mit Gottesfurcht und Hingabe an den Herrn im eigenen Heim an. Es war eine glückliche und liebevolle Ehe, die aber 18 Monate später ein plötzliches Ende nahm, als Katherine kurz nach der Geburt ihrer Tochter im Februar 1689 an Pocken starb. Im Gedenken an seine verstorbene Frau nannte Matthew das Kind nach dessen Mutter.

Am 8. Juli 1690 heiratete Matthew Henry ein zweites Mal. Seine Braut Mary kam aus einem gottesfürchtigen Elternhaus. Gott schenkte Matthew und Mary Henry neun weitere Kinder; sie mussten aber auch drei ihrer Kinder sehr früh zu Grabe tragen.

Matthew Henry war nicht nur ein treuer und leidenschaftlicher Prediger, sondern auch ein treuer Hausvater, der mit seinem ganzen Haus täglich Familienandachten hielt.

Sechsundzwanzig Jahre lang blieb Matthew Henry bei der Gemeinde in Chester. Während dieser Zeit wuchs sie auf etwa 350 Mitglieder an. Henry erhielt oft Briefe, in denen er gebeten wurde, umzuziehen und in anderen Gemeinden zu dienen; aber erst 1712 nahm er einen Ruf an die Kapelle in Hackney, London, an. 

Seine schwache Gesundheit machte ihm sehr zu schaffen; das hinderte ihn aber nicht daran, weiterhin mit Eifer zu dienen. In London predigte er am Sonntag oft dreimal und unter der Woche praktisch jeden Tag, weil es in der Nähe mehrere Gemeinden gab, die ihn um Hilfe bei der Belehrung baten. Darüber hinaus setzte er sich auch für die Unterweisung der Kinder ein. 

Am 31. Mai 1714 reiste Henry nach Chester, um seine frühere Gemeinde und Freunde zu besuchen. Ein Bruder aus der Gemeinde zeigte sich besorgt, weil Matthew offensichtlich krank war. Als er sich nach einigen Wochen auf die Rückreise machte, hielt er in Nantwich, um dort zu predigen, und plante für den nächsten Tag, nach London weiterzureisen. Doch in der Nacht ging es ihm zunehmend schlechter. Am Morgen des 22. Juni 1714 erlitt er einen Schlaganfall und verstarb. 

In den Tagen vor seinem Tod hatte er zu einem Freund gesagt: »Ein Leben, das im Dienst des Herrn und in der Gemeinschaft mit Ihm verbracht wird, ist das angenehmste Leben, das jemand in dieser Welt führen kann.« Henry arbeitete in aller Treue und predigte manchmal bis zu sieben Mal pro Woche. Er schrieb viele seiner Predigten auf; sie sind heute immer noch für zahllose Menschen zum reichen Segen. Das größte Werk Henrys, sein Bibelkommentar, zeigt seine Hingabe an die Heilige Schrift und seine Treue darin, den ganzen Ratschluss Gottes zu predigen. Den Kommentar zu veröffentlichen war ein großes Projekt, das Henry leider nicht zu Ende führen konnte. Die Apostelgeschichte ist der letzte Teil, den er schrieb, bevor er starb. Der Rest des Neuen Testaments wurde von anderen Männern unter Verwendung von Henrys Notizen vervollständigt. 


Quellen: J.B. Williams, The Life of Matthew Henry; Allan Harman, Matthew Henry – Sein Leben und Einfluss 

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