Die Bibel ist Gottes heiliges Wort; sie ist eine enorme Ressource. Doch ein Christ, der sie ohne das intensive Engagement aufschlägt, sie gründlich zu studieren, verpasst einen gewaltigen Segen.
Der große Bibelgelehrte Donald G. Barnhouse las einmal während eines Flugs den Römerbrief. Man sollte meinen, dass er der letzte Mensch sei, der es nötig hätte, den Römerbrief zu lesen, denn schließlich hatte er über diesen Brief schon dicke Bücher geschrieben. Doch er las den Römerbrief, und auf dem Platz neben ihm saß ein junger Theologiestudent. Der Student las das Time Magazine, doch immer wieder schaute er von seiner Zeitschrift auf und blickte hinüber, denn ihm war so, als ob er diesen Mann kannte. Schließlich fragte ihn der Student: »Bitte entschuldigen Sie die Störung, aber sind Sie nicht Dr. Donald Barnhouse?«
Als Dr. Barnhouse dies bejahte, sagte der Student: »Ach, Dr. Barnhouse, Sie sind ein so großartiger Lehrer der Bibel. Ich wünschte, ich würde die Bibel so gut kennen wie Sie!«
Dr. Barnhouse sah ihn an und antwortete: »Nun, Sie könnten gleich damit anfangen, indem Sie das Time Magazine weglegen und die Bibel lesen.« Das war jetzt eher direkt, aber er hatte Recht.
Ich denke da auch an die Geschichte von dem großen Bibellehrer, zu dem ein junger Mann kam und sagte: »Oh, ich würde die ganze Welt dafür geben, die Bibel so gut zu kennen wie Sie!« Der Bibellehrer schaute ihm direkt in die Augen und sagte: »Gut. Denn genau das wird es Sie auch kosten.« Wir müssen erkennen, was für ein kostbares Geschenk die Bibel ist. Sie ist der Schatz Gottes. Ihn links liegen zu lassen wäre unfassbar.
Ich möchte dir heute zwei Bereiche nennen, in denen ein großer Gewinn vom Bibelstudium zu erwarten ist, denn diese zwei Dinge sollen deine Motivatoren sein.
Gewinn Nr. 1: Die Quelle der Wahrheit
In Johannes 17,17 betet Jesus zum Vater und sagt: »Dein Wort ist Wahrheit.« Das ist eine gewaltige Aussage; doch erkennst du auch, was es bedeutet, die Wahrheit zu haben? Wenn ich mit anderen Menschen über Jesus Christus spreche, sagen sie ziemlich oft: »Aber ich weiß nicht, was die Wahrheit ist.« Selbst Pilatus kam an den Punkt in seinem Leben, an dem er Jesus ansah und sagte: »Was ist Wahrheit?« Denselben Gedanken haben schon viele Menschen gehabt. Dennoch leben wir in einer Welt, die nach Wahrheit sucht.
In den 1980-er Jahren wurden alle sechzig Sekunden fast 3000 neue Seiten voller Informationen gedruckt. Doch das heutige Digitalzeitalter produziert mehr Inhalt, als irgendein Unternehmen präzise messen könnte. Eines ist jedenfalls sicher – unsere Gesellschaft strebt nach Wahrheit.
Die Bibel sagt sogar, dass die Menschen »… immerzu lernen und doch nie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen können« (2.Tim. 3,7). Weißt du, wie das ist? Ich erinnere mich an die Zeit, als ich Schüler der Mittelstufe war. Mit Algebra kam ich überhaupt nicht klar. Gewöhnlich ging ich nach Hause und saß dann stundenlang an einer dieser lästigen Aufgaben. Am nächsten Tag ging ich dann wieder zur Schule, ohne die Lösung zu haben, und fand das furchtbar frustrierend.
Doch auch du hast das Problem sicher schon gehabt: Du hast an etwas gearbeitet, aber nie das Problem gelöst oder die Antwort gefunden. Genau so geht es den Menschen in der Welt. Sie lesen, sie studieren, sie denken nach, sie diskutieren, sie hören zu, sie sprechen, sie interagieren mit anderen, aber sie bekommen nie die echte Wahrheit heraus. Sie geben sich nie mit etwas zufrieden, und die Frustration überwältigt sie.
Ich bin einmal einem Mann begegnet, der sich gerade quasi aus der Gesellschaft ausgeklinkt hatte; er war ausgestiegen und stand unter Drogen. Er hatte einen Abschluss von der Universität Boston, lebte aber im Wald, wo er in einem kleinen Zelt schlief. Ich fragte ihn, was ihn dazu bewogen habe.
Er sagte: »Ach, ich habe so lange nach Antworten gesucht. Schlussendlich habe ich dann beschlossen, mir mit Drogen den Verstand lahmzulegen. Jetzt muss ich immerhin gar keine Fragen mehr stellen.« Das nenne ich mal echte Verzweiflung darüber, die Wahrheit nie kennenzulernen.
Vom Schriftsteller Franz Kafka stammt eine großartige Illustration für Bildung. Er schilderte eine zerbombte Stadt, die nur noch aus Schutt und Asche bestand. Überall war Blut und starben die Menschen zwischen rauchenden Trümmern – einfach totale Zerstörung. Doch im Zentrum der Stadt ragte makellos weiß, von Bomben unversehrt, ein Elfenbeinturm in den Himmel. Dann tauchte eine einsame Gestalt auf, die sich einen Weg durch den Schutt bahnte.
Als der Mann das hohe weiße Gebäude erreichte, betrat er es und stieg zum obersten Geschoss hinauf. Er erreichte einen dunklen Gang, an dessen Ende ein kleines Licht schien. Er ging durch die Dunkelheit, bis er das Licht erreichte, drehte sich um und betrat ein Badezimmer. Darin saß ein Mann, der mit einer Angelrute in der Badewanne fischte. Der einsame Fremde sagte zu ihm: »Was machen Sie denn da?«
Der Mann sagte: »Ich fische.«
Der Fremde schaute in die Wanne und sagte: »Da drin gibt es weder Fische noch Wasser.«
»Ich weiß«, antwortete der Mann und fischte weiter.
Kafka sagte: »Das ist höhere Bildung.«
Offensichtlich hat die Menschheit die Wahrheit verloren.
Es ist phantastisch, zu erkennen – und manchmal denke ich, wir vergessen das –, dass wir jedes Mal, wenn wir zur Bibel greifen, nach der Wahrheit greifen. Was für ein großartiges Vermächtnis besitzen wir! Das dürfen wir jedoch nicht für selbstverständlich halten, geschweige denn einfach links liegen lassen.
Der erste Grund, aus dem wir meiner Meinung nach das Wort Gottes studieren sollten, ist also der, dass es die Quelle der Wahrheit ist. Jesus sagt: »Wenn ihr in Meinem Wort bleibt …, werdet [ihr] die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!« (Joh. 8,31-32). Was meint Er damit? Der Mann, der vor einem mathematischen Problem sitzt und die Lösung findet – der ist frei. Der Wissenschaftler, der im Labor die verschiedenen Lösungen in Reagenzgläser füllt, forscht hartnäckig weiter, bis er sagt: »Ich hab’ es gefunden!« – und dann ist er frei. Die Menschheit wird nach der Wahrheit streben, um sie ringen, tastend nach ihr suchen, bis sie sie gefunden hat – und dann sind die Menschen wirklich frei.
Ein Grund, die Bibel zu studieren, ist der, dass uns hier die Wahrheit vorliegt – die Wahrheit über Gott, die Wahrheit über den Menschen, die Wahrheit über das Leben, die Wahrheit über den Tod, die Wahrheit über dich und mich, die Wahrheit über Männer, Frauen, Kinder, Ehemänner, Ehefrauen, Väter und Mütter, die Wahrheit über Freunde und Feinde, die Wahrheit darüber, wie wir uns im Beruf und privat verhalten sollen, sogar die Wahrheit darüber, wie wir essen und trinken, wie wir leben und wie wir denken sollen – alle Wahrheit haben wir hier. Was für ein Schatz! Lasst uns ihn zu schätzen lernen!
Gewinn Nr. 2: Die Quelle des Glücks
Ein zweiter Grund, weshalb du die Bibel lesen solltest, ist der, dass sie die Quelle des Glücks ist. Manche nennen es vielleicht eher »Freude« oder »Segen«, doch »Glück« trifft es am ehesten. Die Wahrheit existiert, und sie spendet uns Glück. In Psalm 19,8 heißt es: »Das Gesetz des HERRN ist vollkommen, es erquickt die Seele.« Und hier ist einfach nur vom biblischen Gesetz die Rede.
Wenn du beginnst, die Bibel zu studieren, und die großen Wahrheiten kennenlernst, die darin enthalten sind, dann wirst du begeistert sein. Ich studiere die Bibel viel, weil ich sie ständig lehre und predige; aber ich studiere sie auch privat, weil ich sie so sehr liebe, und die Begeisterung, die ich verspüre, wenn ich im Wort Gottes große Wahrheiten entdecke, ist nie abgeflaut.
Die größte Wonne, die ich in meinem Leben verspüre, ist die gewaltige Begeisterung, von der mein Herz ergriffen wird, wenn ich die Schale einer unglaublichen Wahrheit im Wort Gottes geknackt habe. In Sprüche 8,34 steht: »Glücklich der Mensch, der auf Mich hört.« In Lukas 11,28 sagt Jesus: »Glückselig sind … die, die Gottes Wort hören und es bewahren!« Willst du ein glücklicher Mensch sein? Gehorche Gottes Wort!
Ich finde es erstaunlich, wie viele Menschen wissen, was die Bibel lehrt, es aber nicht befolgen – und damit das Glück verpassen. Manche Menschen sagen: »Ach, das Buch der Offenbarung ist so schwer zu verstehen. Ich studiere gern den ganzen Rest, aber von der Offenbarung lasse ich lieber die Finger.« Doch lies, was in Offenbarung 1,3 steht: »Glückselig ist, der die Worte der Weissagung liest, und die sie hören und bewahren …!« Willst du glückselig sein? Lies die Offenbarung! Ja, lies das Wort Gottes und befolge es, um glückselig zu sein. Ich liebe den Vers in 1. Johannes 1,4, wo es heißt: »Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude vollkommen sei.«
Dann gibt es noch die wunderbare Aussage unseres Herrn in diesem großartigen 15. Kapitel des Johannesevangeliums, wo Er sich Selbst als den Weinstock darstellt. In Vers 11 sagt Er: »Dies habe Ich zu euch geredet, damit Meine Freude in euch bleibe und eure Freude völlig werde.« Was für ein großartiger Gedanke: Freude aus der Bibel!
In Lukas 24 wird erzählt, wie Jesus nach Seiner Auferstehung mit den beiden Jüngern, die Ihn nicht erkennen, auf dem Weg nach Emmaus ist (V. 13-32). Ab Vers 24 sagen sie zu Jesus: »Und etliche der Unsrigen gingen hin zum Grab und fanden es so, wie es auch die Frauen gesagt hatten; Ihn Selbst aber haben sie nicht gesehen. Und Er sprach zu ihnen: O ihr Unverständigen, wie ist doch euer Herz träge, zu glauben an alles, was die Propheten geredet haben!«
Christus spricht mit ihnen, aber sie wissen nicht, wer Er ist: »Musste nicht der Christus dies erleiden und in Seine Herrlichkeit eingehen?« Nach Seiner Auferstehung wusste niemand, wer Christus war, bis Er sich ihnen offenbarte. »Und Er begann bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus, was sich auf Ihn bezieht.« Jesus lehrte sie durch die Schrift, und sie hörten Ihm zu.
Dann beim Essen ging ihnen plötzlich ein Licht auf: »Da wurden ihnen die Augen geöffnet, und sie erkannten Ihn; und Er verschwand vor ihnen.« Mir gefällt besonders der nächste Satz: »Und sie sprachen zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als Er mit uns redete auf dem Weg, und als Er uns die Schriften öffnete?« Als Er ihnen die Heilige Schrift öffnete, brannte ihnen buchstäblich das Herz.
Es ist Freude im Wort Gottes zu finden, wenn du ihm gehorchst. Wenn du Sein Wort nicht hältst, gibt es auch keine Freude. Ich würde hier allerdings anfügen, dass Gott gnädig ist. Er erwartet nicht von uns, dass wir jederzeit jedes einzelne Gebot beständig halten können, sondern es geht um die Herzenshaltung. Wenn dein Herz darauf gerichtet ist, Gottes Wort zu halten, dann wird Er dein Leben mit Freude füllen. Ich weiß, dass die Menschen glücklich sein und die Wahrheit kennen wollen – insbesondere diejenigen von uns, die Christen sind. Wir haben keine Ausrede dafür, wenn wir die Wahrheit nicht kennen und kein Leben voller Begeisterung und Freude führen – denn uns ist all das direkt im Wort Gottes zur Verfügung gestellt.
Ein Auszug aus dem Buch »Wie man die Bibel studiert«.


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