In den letzten beiden Teilen haben wir gesehen, dass Gottes Wort die Quelle der Wahrheit und der Freude ist. Doch damit ist sein Reichtum noch lange nicht ausgeschöpft. Die Bibel schenkt uns nicht nur Erkenntnis und Freude – sie rüstet uns auch für den geistlichen Kampf aus.
Eine dritte motivierende Kraft und der dritte Grund, die Bibel zu studieren, ist also der, dass das Wort Gottes die Quelle des Sieges ist. Ich verliere oft – und das gefällt mir nicht. Ich nehme an, dass wir – was auch immer wir tun – stets darauf aus sind, Erfolg zu haben. Mein Vater sagte schon von klein auf immer zu mir: »Hör mal, Johnny, wenn du etwas anpackst, dann mach es immer so gut, wie du nur kannst, sonst lohnt es sich gar nicht erst anzufangen.« So bin ich aufgewachsen – immer nach Erfolg strebend.
Das erkenne ich auch in meinem Leben als Christ. Ich gebe dem Feind nicht gern eine Chance. Ich werde nicht gern von ihm übervorteilt, wie es in 2. Korinther 2,11 heißt. Ich sehe nicht gern den Satan siegen; ich sehe es nicht gern, wenn die Welt mich überwindet; ich sehe es nicht gern, wenn das Fleisch meinen Geist niederringt – ich möchte gewinnen.
Ich erinnere mich, wie uns unser Footballtrainer die bekannte Lektion des Knute Rockne erteilte, des legendären Footballtrainers an der University of Notre Dame in den 1920er Jahren: »Ihr könnt nur besiegt werden, wenn ihr euch besiegen lasst.« Genau so sollten wir als Christen denken. Es gibt keinen Grund, dem Feind nachzugeben; denn wenn du die Bibel studierst, wirst du feststellen, dass das Wort Gottes zur Quelle des Sieges wird.
Wir tun gut daran, uns die Worte Davids zu Herzen zu nehmen: »Ich bewahre Dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht gegen Dich sündige« (Ps. 119,11). Das Wort Gottes ist also die Quelle des Sieges über die Sünde. Wenn wir das Wort Gottes in uns aufnehmen, wird es zu dem Mittel, das der Heilige Geist gebraucht, um uns zu leiten. Wir haben keine Möglichkeit, uns davor zu schützen, in Sünde geführt zu werden, es sei denn, wir können uns das Wort Gottes ins Bewusstsein rufen.
Eine grundlegende Wahrheit lautet: Wir werden nie anhand dessen handeln, was wir nicht wissen. Wir werden nie eine Wahrheit oder ein Prinzip anwenden können, das wir gar nicht kennen. Wenn wir also unseren Geist mit dem Wort Gottes füllen, dann wird dieses das Mittel werden, durch das der Geist Gottes uns führt und lenkt. Nun wollen wir uns einige konkrete Beispiele für die Wirksamkeit des Wortes Gottes ansehen.
1. Im Sieg über den Satan
Matthäus 4 enthält eine klassische Illustration dafür, wie man dem Satan mit dem Wort Gottes begegnet. In Vers 1 heißt es dort: »Darauf wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit Er vom Teufel versucht würde.« Das griechische Wort peirasmos kann entweder »Versuchung« oder »Prüfung« bedeuten. Es ist ein neutrales Wort, das sich sowohl auf Gutes als auch auf Böses beziehen kann. Von Satans Standpunkt aus sollte es böse sein; Gott wusste aber von Seinem Standpunkt aus, dass es gut sein würde. Und so führte Ihn der Heilige Geist in die Wüste, wohl wissend, dass Er die Prüfung bestehen werde; doch der Satan wartete dort auf Ihn in der Hoffnung, dass Er versagen werde.
In Vers 2 lesen wir: »Und als Er 40 Tage und 40 Nächte gefastet hatte, war Er zuletzt hungrig.« Das ist nun keine Überraschung; aber es ist interessant, wenn man bedenkt, dass Jesus ein vollkommener, sündloser Mensch war; folglich muss Sein Körper Kräfte besessen haben, die alle unsere Erfahrung übersteigen. Es ist wirklich erstaunlich, dass Er erst am Ende dieser vierzig Tage die nagenden Qualen des Hungers verspürte.
Doch dann heißt es: »Und der Versucher trat zu Ihm und sprach: Wenn Du Gottes Sohn bist, so sprich, dass diese Steine Brot werden!« Konkret sagt der Satan hier zu Jesus: »Hör mal, Du bist der Sohn Gottes. Du hast etwas Besseres verdient. Was machst Du hier draußen in dieser gottverlassenen Wüste? Was hungerst Du Dich hier zu Tode? Du bist der Sohn Gottes, also gönn Dir etwas, mach Dir Brot. Du hast es doch verdient.« Der Teufel versucht Ihn, sich gegen Gottes Plan zu wenden und nach Seiner eigenen Erfüllung zu streben. Er sagt: »Nimm die Dinge Selbst in die Hand! Sei nicht von Gott abhängig. Er sorgt ja gar nicht für Dich.«
Der Satan versucht Jesus, Gottes Fürsorge zu misstrauen. »Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: ›Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht!‹« Der Herr zitiert hier 5. Mose 8,3. Mit anderen Worten sagt Er: »Gott hat versprochen, dass Er Mich versorgen werde; also bewahre Ich das Vertrauen auf dieses Versprechen und werde nie Meine eigene Kraft dafür einsetzen, gegen Gottes Verheißung zu handeln.« Jesus begegnete der Versuchung des Satans mit dem Wort Gottes.
In Vers 5 lesen wir: »Darauf nimmt Ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt [d. h. Jerusalem] und stellt Ihn auf die Zinne des Tempels.« Das war wahrscheinlich die Mauer, die 100 Meter über dem Boden des Hinnom-Tales emporragte. Und der Satan sagt: »Stürze Dich hinab!« Dann zitiert er selbst die Schrift: »… denn es steht geschrieben: ›Er wird Seinen Engeln Deinetwegen Befehl geben, und sie werden Dich auf den Händen tragen, damit Du Deinen Fuß nicht etwa an einen Stein stößt.‹« Damit sagt er: »Wenn Du Gott vertrauen willst, wenn Du an Gott glaubst, warum glaubst Du Gott dann nicht wirklich und machst hier einen Kopfsprung, um zu sehen, ob Er wirklich zu Seinem Wort steht?«
»Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht geschrieben: ›Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen!‹« (V. 7). Mit anderen Worten: »Du sollst Gott nicht herausfordern!« Wenn du glaubst, dass Er dich auf einer Reise bewahrt, dann leg dich dennoch nicht quer auf die Autobahn. Es ist ein großer Unterschied, ob man Gott vertraut oder Ihn herausfordert.
Dann nimmt der Satan Jesus mit auf einen hohen Berg und zeigt Ihm alle Reiche der Welt. Er sagt: »Dieses alles will ich Dir geben, wenn Du niederfällst und mich anbetest! Da spricht Jesus zu ihm: Weiche, Satan! Denn es steht geschrieben: ›Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und Ihm allein dienen!‹ Da verließ Ihn der Teufel; und siehe, Engel traten hinzu und dienten Ihm« (V. 9-11). Gott erfüllt alle Seine Verheißungen.
Die Pointe der Geschichte lautet: Jesus antwortet drei Mal auf die Versuchung des Satans, und jedes Mal zitiert Er direkt aus dem Alten Testament. Für uns Christen ist es das bewusste Erfassen biblischer Wahrheit, das es uns ermöglicht, den Satan zu besiegen. Das schaffen wir nicht allein. Jesus triumphiert durch das Wort Gottes über den Satan – es ist die Quelle des Sieges. Doch es ist schier unglaublich, dass Leute sich trotzdem einbilden, sie könnten kraft ihrer eigenen Logik die Versuchungen des Satans wegdiskutieren. Das klappt nicht. Nur das Wort Gottes gibt uns den Sieg.
2. Sieg über Dämonen
In Lukas 4 finden wir eine weitere interessante Illustration. Ab Vers 33 heißt es hier: »Und in der Synagoge war ein Mensch, der den Geist eines unreinen Dämonen hatte. Und er schrie mit lauter Stimme und sprach: Lass ab! Was haben wir mit Dir zu tun, Jesus, Du Nazarener? Bist Du gekommen, um uns zu verderben? Ich weiß, wer Du bist: der Heilige Gottes! Und Jesus befahl ihm und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm! Da warf ihn der Dämon mitten unter sie und fuhr aus von ihm und tat ihm keinen Schaden. Und ein Entsetzen kam über alle, und sie redeten untereinander und sprachen: Was ist das für ein Wort, dass Er mit Vollmacht und Kraft den unreinen Geistern gebietet und sie ausfahren?«
Jesus hat einmal mehr mit Seinem Wort Seine Autorität und Macht über den Satan bestätigt. Mit einem Wort besiegt Er eine Legion von Dämonen. Die Menschen erkennen, dass Jesus als ein Mensch mit Autorität spricht und nicht wie die Schriftgelehrten und Pharisäer. Das Wort Jesu Christi ist absolut autoritativ. Deshalb gilt: Wenn du das Wort Gottes kennst, wirst du Sieg erleben.
3. Sieg über Versuchungen
In Epheser 6 – Paulus’ Abhandlung über die Waffenrüstung des Christen – wird uns am Ende ein großartiges Stück Rüstung präsentiert: »… und nehmt auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes ist« (V. 17). Er nennt als den krönenden Teil der Rüstung »das Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes ist«. Wenn wir uns ein Schwert vorstellen, denken wir normalerweise an eine lange Klinge, die geschwungen wird. Das griechische Wort für diese Art von Schwert ist rhomphaia. Hier wird aber das griechische Wort machaira verwendet, womit ein kurzer, kleiner Dolch gemeint ist.
Das Schwert des Geistes ist also kein riesiges Schwert, das du in der Hoffnung herumschwingst, früher oder später einem Dämon den Kopf damit abzuschlagen. Es ist nicht etwas, was du unüberlegt oder unkontrolliert gebrauchen kannst. Sondern das Schwert des Geistes ist eine machaira – ein Dolch. Dieser ist eine Stichwaffe: Er muss einen empfindlichen Punkt treffen, wenn er etwas bewirken soll. Das Schwert des Geistes ist nichts Allgemeines, sondern eine sehr spezielle geistliche Waffe.
Weiter ist das griechische Wort, das in diesem Vers für »Wort« gebraucht wird, nicht logos. Logos ist ein allgemeines Wort: Die Bibel ist der logos, Christus ist der logos und der allgemeine Begriff für »Wort« ist auch logos. Wenn das Neue Testament ein bestimmtes Wort meint, wird das Wort rhema verwendet. Hier ist damit eine konkrete Aussagegemeint. Das Schwert des Geistes bedeutet also diejenige konkrete Aussage des Wortes Gottes, die auf den konkreten Punkt der Versuchung eingeht. Manche Menschen sagen: »Nun, ich habe ja das Schwert des Geistes – ich habe eine Bibel im Regal.« Doch sie können eine ganze Scheune voller Bibeln besitzen und dennoch nicht das Schwert des Geistes haben.
Das Schwert des Geistes zu besitzen bedeutet nicht, eine Bibel zu besitzen, sondern das jeweilige konkrete biblische Prinzip zu kennen, das auf die jeweilige Versuchung anzuwenden ist. Christen werden nur dann geistlichen Sieg erleben, wenn sie die Prinzipien des Wortes Gottes so gut kennen, dass sie sie auf die konkreten Situationen anwenden können, in denen der Satan, die Welt und das Fleisch sie angreifen. Wenn Christen sich mit dem Wort Gottes füllen, wird es für sie zur Quelle des Sieges. Wir können kein Leben als Christen führen, ohne die Bibel zu studieren. Sie ist die Quelle der Wahrheit, die Quelle der Freude und die Quelle des Sieges.
Ein Auszug aus dem Buch »Wie man die Bibel studiert«.

»Wie man die Bibel studiert« ist ein motivierender Ratgeber, der beides beantwortet – das »Warum« und das »Wie« des Bibelstudiums. In diesem Werk untersucht John MacArthur verschiedene Bibelstellen im Alten und Neuen Testament. Aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung führt er den Leser in praktischen Schritten zu größerem Gewinn im Erforschen der biblischen Wahrheiten.
Jeder Teil wird durch Fragen für einen Rückblick und Gedanken für eine persönliche Reflexion bereichert. Dieses gründliche, aufschlussreiche und prägnante Werk dient als hervorragendes Hilfsmittel für das persönliche oder das gemeinsame Bibelstudium.


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