Lehre sie zu arbeiten

Kategorie: Artikel

Autor: Mary Beeke

Wie können wir Kinder zur Selbstständigkeit motivieren?

Vor kurzem las unsere Tochter, die verheiratet und Mutter von drei kleinen Kindern ist, einen Blog über das Muttersein. Eine junge Mutter fragte: »Soll ich die Spülmaschine ausräumen, während meine Tochter wach ist? Oder sollte ich nur mit ihr spielen?« Heutzutage herrscht die Meinung vor, dass die beste Erziehung darin bestehe, mit den Kindern zu spielen – sei es zum Lernen oder zum Spaß –, und zwar während ihrer gesamten Tageszeit. Von Kindern zu verlangen, schon in jungen Jahren eine Aufgabe im Haushalt zu übernehmen, wäre grausam und der Inbegriff von »Kinderarbeit«! 

Ich würde dem sofort widersprechen. Arbeiten zu lernen ist gut für Kinder! Es gibt darin viele Vorteile; aber wir müssen uns davor hüten, unsere Kinder zu überfordern. Wenn Kinder in die Arbeit der Familie einbezogen werden, dann werden sie auch in die Aktivitäten der Familie einbezogen. Sie spüren, dass sie gebraucht und geschätzt werden, was ihnen das Gefühl verleiht, wertvoll und nützlich zu sein. Außerdem werden durch die Arbeit Fertigkeiten für das Leben vermittelt. Die Kinder lernen dabei Gehorsam und Selbstdisziplin. Kleine Kinder haben Spaß an der Arbeit. Arbeit ist eine sinnvolle Nutzung der Zeit und gibt der Familie die Möglichkeit, miteinander Zeit zu verbringen. Es ist ehrenvoll, zu arbeiten. 

Spielen ist wertvoll

»Das Spiel ist die Arbeit des Kindes«, sagte Maria Montessori, die Begründerin einer Erziehungsphilosophie, die in den nach ihr benannten Schulen gelehrt wird. Auch wenn ich nicht alle ihre Überzeugungen teile, würde ich dieser Aussage zustimmen. Sie war der Meinung, dass das Spiel die gesunde Entwicklung der Fein- und Grobmotorik, der Sprache, der Beziehungen, der persönlichen Wahrnehmung, des emotionalen Wohlbefindens, der Kreativität, der Fähigkeit, Probleme zu lösen, und des Lernvermögens des Kindes fördert.

Spielen ist für Kinder eine Selbstverständlichkeit. Sie lernen spielerisch etwas über ihre Umwelt und über sich selbst. Im Sandkasten klopft Abigail Schlamm zu Kuchen, während Jamison mit seinem Bulldozer Straßen um einen See baut. Später erzählt Zoey ihrer Puppe eine Geschichte. William baut einen Turm aus Bauklötzen und reißt ihn dann wieder ein. Unsere Kleinen verbringen den größten Teil ihrer wachen Zeit mit Spielen. Spielen ist wunderbar!

Die Bibel spricht in Sacharja 8,5 über spielende Kinder: »Und die Straßen der Stadt sollen erfüllt werden mit Knaben und Mädchen, die auf ihren Straßen spielen.« In 1. Korinther 13,11 sagt Paulus, dass er, als er ein Kind war, redete, dachte und urteilte wie ein Kind; als er aber ein Mann wurde, legte er das Kindliche ab.

Der Übergang zum Arbeiten

Wir sind uns alle darin einig, dass Kinder spielen sollen. Wir alle sind uns einig, dass Erwachsene arbeiten sollen. Wie kommen wir also von dem einen zum andern? Es ist ein Prozess. In den ersten Jahren ihres Heranwachsens sind Kinder hauptsächlich am Spielen. Im Laufe der Jahre nimmt das Spielen ab und das Arbeiten zu, bis wir im Erwachsenenalter den größten Teil unserer Zeit mit Arbeiten verbringen. Wie finden wir die richtige Balance? Was ist für jedes Alter angemessen? Wir sollten mehrere Faktoren berücksichtigen.

Erstens erfolgt das Lernen schrittweise und allmählich. Das Arbeiten wird mit der Zeit und durch viel Übung erlernt. Wenn wir als Eltern alle Aufgaben im Haushalt selbst übernehmen und von unseren Kindern nichts verlangen, und wenn sie nur in der Schule mitarbeiten, wird das zu zwei Ergebnissen führen: Wenn sie mit sechzehn, achtzehn oder zweiundzwanzig Jahren in die Arbeitswelt eintreten, werden ihnen viele grundlegende Fähigkeiten fehlen, wie zum Beispiel das Aufräumen ihrer eigenen Unordnung, das Zubereiten von Essen und das Reparieren von Dingen. Außerdem werden sie von anderen erwarten, dass sie diese ihnen lästigen Aufgaben für sie erledigen. Wenn sie heiraten, werden sie einen Schock erleiden – oder ihr Ehepartner! Sie werden nicht in der Lage sein, einen Haushalt zu führen oder zu verwalten.

Im Gegenteil, in den Sprüchen Salomos heißt es: »Gewöhne den Knaben an den Weg, den er gehen soll, so wird er nicht davon weichen, wenn er alt wird!« (Spr. 22,6). Ein altes Sprichwort lautet: »Gib mir ein Kind für die ersten sieben Jahre, und ich gebe dir den Mann zurück.« Der wichtigste Lernprozess findet in diesen frühen Jahren statt. Grundlegende Fähigkeiten wie Kommunikation und Interaktion mit anderen, persönliche Hygiene, Umgangsformen und grundlegende physikalische Kenntnisse über das Zusammenspiel der Dinge werden da erlernt.

Wenn ihr Leben hauptsächlich aus Spielen und nur wenig Arbeit besteht, werden die Kinder frustriert sein, wenn die Zeit kommt, wo sie »reale Arbeit« zu verrichten haben, wie zum Beispiel die Wäsche zu waschen, zu bügeln oder die Garage aufzuräumen. Es ist viel besser, wenn die Arbeit ein Teil ihrer frühesten Erinnerungen ist, so dass es in ihren Köpfen verankert wird, dass das Arbeiten ein Teil des Lebens ist.

Kinder in einem Landwirtschaftsbetrieb sind der Beweis dafür, dass Arbeit gut für sie ist. Sie lernen, wie man sich um Tiere kümmert, Lebensmittel anbaut und erntet, Geräte repariert und die eigenen Erzeugnisse verkauft oder einkauft. Darüber hinaus erlernen sie Ausdauer, Fleiß, Konzentration und das Arbeiten auf ein Ziel zu. Diese Gewohnheiten sind genauso wichtig wie die spezifischen Fähigkeiten selbst, da sie in jeder Situation angewendet werden können. Wenn ein Kind an der Seite seines Vaters lernt, Probleme zu lösen, während es einen Rasenmäher repariert, kann es diese Eigenschaft als Erwachsener auf seinen Job als Ingenieur anwenden.

Wir können nicht alle Landwirte sein, aber wenn deine Kinder die Möglichkeit haben, an einem Wochenende oder im Sommer auf einem Bauernhof zu arbeiten, dann sollten sie es tun. Es wird ihnen gut tun. Sprüche 10,5 beschreibt den Jungen aus der Landwirtschaft; aber dieser Vers kann auf jedes Kind angewendet werden: »Wer im Sommer sammelt, ist ein kluger Sohn, wer aber in der Ernte schläft, ist ein Sohn, der Schande macht.«

Freunde von uns haben ein Blumengeschäft. Sie begannen damit vor Jahren in ihrer Garage, und sie haben immer hart und lange gearbeitet. Ihre größte Herausforderung besteht heute darin, zuverlässige Mitarbeiter zu finden, die stets ehrliche und aufrichtige Arbeit leisten und nicht versuchen, sich vor der Arbeit zu drücken, und die sich nicht über die Löhne und Sozialleistungen beschweren. 

Wir sollten uns der Herausforderung stellen, unsere Kinder dahingehend zu erziehen, dass sie eines Tages gute Arbeitnehmer sind, und vor allem, dass sie einen gottesfürchtigen und rechtschaffenen Lebenswandel führen. Um das zu erreichen, müssen wir jetzt damit beginnen. Lassen wir uns auf dieses Abenteuer ein!


Ein Auszug aus dem Buch »Teach Them to Work«, Reformation Heritage Books

Blog

Lehre sie zu arbeiten

Lesezeit: 6 min