Lähmung durch Angst und Schuld

Autor: R.C. Sproul

Als Franklin D. Roosevelt inmitten der Schwierigkeiten der Weltwirtschaftskrise als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt wurde, spornte er das Volk mit seiner berühmt gewordenen Aussage an: »Das einzige, was wir fürchten müssen, ist die Furcht selbst.« Präsident Roosevelt verstand, dass Angst eine gewaltige Macht ist. Sie kann Menschen lähmen und fest in ihrem Griff halten.

Angst nimmt viele Formen an. Es kann sich um die Angst vor körperlichen Schäden handeln, um die Angst vor dem Versagen oder die Angst vor dem Erfolg mit allen damit verbundenen Verantwortungen und Erwartungen. Da hören wir Leute sagen: »Ich war vor Angst wie erstarrt.« Vor Angst zu erstarren, das bezieht sich auf eine Lähmung, durch welche die normale Handlungsfähigkeit blockiert wird, so wie Eisschollen die normale Strömung eines Flusses behindern.

Angst vor Veränderung 

Betrachten wir zunächst den Aspekt der Angst vor einem veränderten Status. Normalerweise fühlen wir uns auf der bisher erreichten Leistungsebene wohl. Wenn wir unter diesen Level absinken, erleben wir einen Verlust an Selbstvertrauen und Selbstachtung. Unser »Wohlfühlniveau« ist gestört. Als unbehaglich empfinden wir es aber auch, wenn wir über unsere normale Leistungsebene hinauswachsen. Wir werden in fremdes und unbekanntes Gewässer geworfen. Wir sind nicht sicher, was wir zu erwarten haben. Wir befinden uns auf einer neuen Ebene der Verantwortung. 

»Wohlfühlzonen« haben wir in allen möglichen Bereichen. Wir haben eine wirtschaftliche Wohlfühlzone, eine akademische Wohlfühlzone, eine gesellschaftliche Wohlfühlzone, usw. Und wir haben auch eine geistliche Wohlfühlzone. Allzu viel Veränderung in allzu kurzer Zeit kann traumatisch sein und einen völlig lähmen. Wir können Veränderungen bewältigen, aber wir wollen nicht zu viele bewältigen müssen. Außerdem neigen wir dazu, uns mit dem Status quo zufrieden zu geben. Dies kann uns daran hindern, uns mit ganzer Kraft zu engagieren.

Wir sprechen davon, »gut angepasst« zu sein. Was ist darunter zu verstehen? Sich anzupassen heißt, auf irgendeine Veränderung in seinem Leben zu reagieren. Ein Kind, das von der Grundschule zur weiterführenden Schule wechselt, muss sich an die veränderten Umstände anpassen. Ein Single, der heiratet, muss sich an die neue Lebenssituation anpassen. Der Geschäftsmann, der eine Beförderung erhält, muss sich umstellen. Wir bewundern Menschen, die sich in kreativer und produktiver Weise an neue Situationen anpassen können. Vielleicht bewundern wir deren Umstellung, weil wir wissen, wie schwierig das sein kann. Anpassungen sind nicht leicht, weil sie eine Veränderung in unserem Wohlfühlbereich erfordern. 

Doch jeder Christ ist aufgerufen, sich zu verändern. Wir sind aufgefordert, in unserem geistlichen Wachstum voranzugehen. Gott steht nicht still, und Er weigert sich, uns stillstehen zu lassen. Mit der Veränderung ist jedoch die Angst verbunden. Nehmen wir das Beispiel Abrahams: 

»Der HERR aber hatte zu Abram gesprochen: Geh hinaus aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das Ich dir zeigen werde! Und Ich will dich zu einem großen Volk machen und dich segnen und deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf der Erde! Da ging Abram, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot ging mit ihm. Abram aber war 75 Jahre alt, als er von Haran auszog.« (1.Mo. 12,1-4)

Gott forderte Abraham auf, wegzuziehen. Er musste seinen Wohlfühlbereich verlassen. Er musste seine Stadt, sein Volk und seine Verwandten verlassen. Er musste seine Wurzeln, seine Sicherheit und das ihm vertraute Gebiet hinter sich lassen. Das heutige Rentenalter hatte er bereits um zehn Jahre überschritten. Er war ein »alter Hase«, von dem erwartet wurde, ganz neue Haken schlagen zu lernen. 

Abrahams Berufung durch Gott war eine Berufung zur Größe. »Ich will dich zu einem großen Volk machen«, lautete die Verheißung. Der Schreiber des Hebräerbriefs kommentierte später, wie Abraham auf diese beängstigende Berufung reagierte: 

»Durch Glauben gehorchte Abraham, als er berufen wurde, nach dem Ort auszuziehen, den er als Erbteil empfangen sollte; und er zog aus, ohne zu wissen, wohin er kommen werde. Durch Glauben hielt er sich in dem Land der Verheißung auf wie in einem fremden, und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung; denn er wartete auf die Stadt, welche die Grundfesten hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist … 

Darum sind auch von einem Einzigen, der doch erstorben war, Nachkommen hervorgebracht worden, so zahlreich wie die Sterne des Himmels und wie der Sand am Ufer des Meeres, der nicht zu zählen ist. 

Diese alle sind im Glauben gestorben, ohne das Verheißene empfangen zu haben, sondern sie haben es nur von ferne gesehen und waren davon überzeugt, und haben es willkommen geheißen und bekannt, dass sie Gäste ohne Bürgerrecht und Fremdlinge sind auf Erden.« (Hebr. 11,8-10.12-13)

Abraham wurde zu einem Pilger. Er war ein Mann, der seiner göttlichen Berufung gehorsam war und sich auf den Weg machte. Dasselbe lässt sich von Mose, Josua, David, Paulus und vor allem von Christus sagen. Sie alle gingen, wohin Gott sie zu gehen hieß. Sie taten, was Gott ihnen auftrug, obwohl das einen gewissen Mangel an Sicherheit bedeutete. So ist auch der Christ aufgerufen, auf ein Gefühl der Sicherheit in dieser Welt zu verzichten – obwohl die absolute Sicherheit (die Liebe Gottes) ein mehr als angemessener Ausgleich dafür ist.

Die Verknüpfung von Angst und Schuld 

Aber was hat dies mit Schuld zu tun? Wie schon erwähnt, besteht oft eine enge, aber unterschwellige Verknüpfung zwischen Angst und Schuld. Beides hat eine stark lähmende Wirkung. Beides kann uns dazu veranlassen, auf unserer geistlichen Wanderschaft innezuhalten oder sogar rückwärts zu gehen. Beides kann uns davon abhalten, uns nach Gott auszustrecken. Beides kann uns von unserem großen Ziel abbringen, Gott zu gefallen. 

Angst und Schuld lassen sich zwar voneinander unterscheiden, aber wir können sie nicht immer voneinander trennen. Oft ist lähmende Angst eine direkte Folge ungelöster Schuld. Die äußerste Angst ist die Angst vor der Bestrafung durch die Hand Gottes. Wir fürchten uns vor gesellschaftlicher Ablehnung, elterlicher Missbilligung und vor der Verurteilung durch Kameraden. Wir mögen uns vor der Polizei oder vor dem Finanzamt fürchten. Doch nichts ist schrecklicher, als »in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen« (Hebr. 10,31)! Obwohl viele Menschen es nicht zugeben, haben sie Angst, dass ihr Leben den Schöpfer des Universums erzürnt hat. Sich der Sünde bewusst zu sein, hat offenbar universellen Charakter, und sowohl Christen als auch Heiden wissen oder spüren, dass ihre Vergehen dem allmächtigen Gott nicht gefallen. 

Ich wurde einmal von einem Psychiater gebeten, ihn in seiner Praxis als Berater zu unterstützen. Er war kein Christ, aber er sagte: »Eine ganze Reihe meiner Patienten braucht eher die Hilfe eines Predigers als die eines Arztes. Viele leiden an Problemen, die eigentlich mit Schuld verknüpft sind.« 

Um Psychiater zu werden, braucht man eine lange akademische Ausbildung. Ein Psychiater muss zuerst Medizin studieren und sich zum Arzt qualifizieren, bevor er sich auf sein Fachgebiet spezialisieren kann. Doch in all den Jahren akademischer Schulung erhält er wenig oder keine theologische Ausbildung. 

Schuld ist letztlich ein theologisches Problem. Ohne geistliche Erkenntnis sind Psychiater ernsthaft behindert im Umgang mit schuldbeladenen Menschen. Wenn sie selbst keine Gläubigen sind, können sie nicht verstehen, dass ein Schuldgefühl etwas ist, das oft wirklich berechtigt und daher angemessen ist, denn wenn Menschen gegen Gottes Gesetz verstoßen, begehen sie Sünde und werden dadurch wirklich schuldig.

Traurigerweise bezahlen so viele Menschen professionelle Therapeuten dafür, dass sie sich ihren Kummer anhören, obwohl die Therapeuten von Sünde und Schuld wenig oder gar nichts verstehen. Probleme, die im Wesentlichen körperlicher Art zu sein scheinen, können tief in menschlicher Schuld verwurzelt sein. Viele Eheberater beraten Paare, die mit Problemen sexueller Funktionsstörung zu kämpfen haben, die ihre eheliche Gemeinschaft gefährden. Probleme der sogenannten Gefühlskälte und Impotenz lassen sich immer auf eine Form von Schuld oder Angst zurückführen. Die Annahme, dass es sich bei dem Problem lediglich um einen »mechanischen Fehler« handle, ist dem Patienten gegenüber sehr ungerecht. 

Gott ist liebevoll und vergibt. Gott ist auch der Schöpfer und Erhalter des Universums. Er ist eine ernstzunehmende Macht. Selbst Menschen, die nur sehr verkümmerte Vorstellungen von Gott haben, scheinen zu spüren, dass Gott (auch wenn sie das Wort »Gott« nicht mehr verwenden) ein moralisches Wesen ist, das über unsere notleidende Welt enttäuscht ist. Dieses mächtige Wesen ist für Heiden wie für Gläubige einschüchternd. Wir erinnern uns, wie Mose und die Israeliten auf die Gegenwart Gottes am Sinai reagierten. Sie war so schrecklich, dass das Volk sie nicht ertragen konnte, und selbst Mose wurde zu dem Ausruf gebracht: »Ich bin erschrocken und zittere!« (Hebr. 12,21). 

Obwohl der moderne Mensch alles in seiner Macht Stehende zu unternehmen scheint, um sich gegen jeden Gedanken an den Schrecken Gottes abzuschotten, ist er nicht in der Lage, solche Ängste völlig aus seinem Bewusstsein zu verdrängen. Der Heide zittert immer noch beim Rascheln eines Blattes; »der Gottlose flieht, auch wenn niemand ihn jagt« (Spr. 28,1). Es bleibt eine nagende, meist unausgesprochene Angst, dass Gott geduckt auf der Lauer liegt, bereit, sich jeden Moment auf uns zu stürzen. Wir haben immer noch Angst davor, dass nachts etwas Schlimmes passieren könnte.

Vielleicht ist unsere ewige Angst vor der Dunkelheit im Grunde die Furcht vor Gott, einem Gott, der – so fürchten wir – irgendwann unsere Sünden dazu bringen wird, uns einzuholen. 

Niemand wagt es, Gott den Rücken zuzukehren. Wir wissen, dass Er jede unserer Bewegungen sieht, jeden unserer Gedanken kennt. Die Angst vor einer Bestrafung durch Seine Hand können schuldbeladene Menschen nie von sich abschütteln. 

Wenn wir über Schuld nachdenken, müssen wir sorgfältig darauf achten, zwischen Schuld und Schuldgefühlen zu unterscheiden. Schuldgefühle sind subjektiv. Sie kommen aus unserem Innern. Wir können uns schuldig fühlen, auch wenn gar keine Schuld vorliegt. Schuld dagegen ist objektiv. Sie betrifft einen wirklichen Sachverhalt. Wann immer wir sündigen, laden wir Schuld auf uns. Schuld beinhaltet ein Schuldverhältnis gegenüber Gott. Es ist mit Sünde verbunden.

Im Kleinen Westminster Katechismus wird Sünde definiert als »jedweder Mangel an Übereinstimmung mit dem Gesetz Gottes oder jede Übertretung dieses Gesetzes.« Das ist eine meisterhafte Definition. Sie umfasst sowohl Unterlassungs- als auch Tatsünden. Wenn wir etwas von dem, was Gott gebietet, nicht tun, so ist das eine Unterlassungssünde. Wenn wir etwas tun, was Gott verbietet, so ist das eine Tatsünde. In beiden Fällen stimmen wir nicht mit dem Gesetz Gottes überein; wir entsprechen nicht dem, was Gott verlangt.

Mit realer Schuld konfrontiert

Sei es durch Unterlassung oder durch eine Tat: Wenn wir das Gesetz Gottes verletzen, laden wir Schuld auf uns. Diese Schuld ist real und objektiv. Sie ist auch verheerend. Schuld mag von entsprechenden Schuldgefühlen begleitet sein oder nicht. Wir wissen, dass Schuldgefühle uns ein Unwohlsein vermitteln. Wir benutzen alle erdenklichen Mittel, um uns von diesen Gefühlen zu befreien. Wir entschuldigen uns selbst. Wir suchen rationale Erklärungen. Wir schieben die Schuld auf andere Menschen oder auf unsere Umstände. Wir geben der Gesellschaft die Schuld. Wir beschuldigen unsere Umgebung. Wir machen unsere Eltern dafür verantwortlich. Wir drehen und wenden uns in jede Richtung, um dem Schmerz der eigenen Verantwortlichkeit auszuweichen. Wir greifen auf jeden uns zur Verfügung stehenden Ausfluchtmechanismus zurück, weil unsere Schuld in der Tat groß ist. Sie kann zu schwer sein, um damit fertig zu werden, und wenn wir sie nicht auf die richtige Art und Weise bewältigen – indem wir uns auf das Rettungswerk Christi berufen –, vergeuden wir mit unserer Flucht vor der Schuld wertvolle Zeit und Energie. Viele von uns haben erfahren, wie wir unsere Herzen verhärten können. Wir können die Fähigkeit verlieren, vor Scham zu erröten. Jeremia verkündete dem Volk Juda das Wort Gottes: »Du hattest die Stirn eines Hurenweibes und wolltest dich nicht schämen« (Jer. 3,3). Hier sehen wir die Weigerung, Buße zu tun, in Verbindung mit der Unterdrückung der Schuldgefühle. Das Volk Juda beteuerte seine Unschuld, während es unaufhörlich das Gesetz Gottes verletzte. Durch mehrmalige Sünde erlangten die Israeliten die »Stirn« einer Hure. Das bedeutet, sie vergaßen, was es heißt, sich zu schämen. 

Das Fehlen der Schuldgefühle stellt jedoch keine Entschuldigung für die tatsächlich vorhandene Schuld dar. Ein Mann, der wegen Mordes angeklagt wird, wüsste, wie fadenscheinig seine Verteidigung wäre, wenn er nur vorzubringen hätte: »Aber ich fühle mich nicht schuldig.« Es gibt psychopathische Mörder, die keinerlei Reue über ihre Verbrechen empfinden. Das Fehlen der Reue entschuldigt ihre Taten jedoch nicht. 

Es ist traurig, wie in der heutigen Zeit häufig Berater die Schuldprobleme der Menschen dadurch zu lindern suchen, dass sie sich auf die Beseitigung der Schuldgefühle konzentrieren. Um die Schuld zu verringern, wird diesen Leuten eingeredet, sie seien Opfer ihrer Umgebung und der unterdrückenden moralischen Ansprüche einer unzeitgemäßen Religion. Das trifft nicht nur auf Nichtchristen zu, sondern auch auf Christen. Viele Christen, die aufgrund vergangener oder gegenwärtiger Sünde unter drückender Schuld leben, klagen dem Therapeuten ihren Kummer und bekommen im Wesentlichen zu hören: »Wenn man Ihr Leben betrachtet, das Sie führen mussten, dann ist es kein Wunder, dass Sie sich so verhalten haben. Solange Sie das verstehen, gibt es kein wirkliches Problem.« 

Aber das ist nicht wahr, oder? Ein Problem zu erklären, beseitigt es noch nicht. Schuld verschwindet nur, wenn wir mit Gott ins Reine kommen. Diese Stellung können wir jederzeit erlangen, denn wir dienen einem Gott, der vergibt. Aber Er zwingt Seine Kinder nicht, Ihn um Vergebung zu bitten. Sie tun dies aus freiem Willen, oder sie quälen sich mit Schuld herum, die die Therapeuten nicht wegerklären können.

Einmal sprach mich eine verzweifelte College-Studentin an, die verlobt war. Sie erklärte, dass sie eine sexuelle Beziehung zu ihrem Verlobten eingegangen war und sich deswegen schuldig fühlte. Sie berichtete mir, dass sie die Beratungslehrerin aufgesucht hatte, die ihr sagte: »Der Grund, weshalb Sie sich schuldig fühlen, liegt darin, dass Sie zum Opfer einer viktorianischen Ethik oder eines puritanischen Tabus geworden sind. Sie müssen verstehen, dass Ihr Verhalten vollkommen normal ist. Es ist ein gesunder Ausdruck reifer Selbstverwirklichung und eine Vorbereitung auf die Ehe 

Dann sagte das Mädchen: »Aber, Professor Sproul, ich fühle mich immer noch schuldig!« Ich erwiderte: »Vielleicht ist der Grund für Ihre Schuldgefühle, dass Sie schuldig sind. Das Verbot der Unzucht wurde nicht von Königin Viktoria erfunden und war auch keine Erfindung der Puritaner. Es ist Gott, der Unzucht verbietet. Wenn wir die Gesetze Gottes brechen, laden wir uns wirkliche Schuld auf. Das einzige mir bekannte Heilmittel für reale Schuld ist reale Vergebung.«

Ich erklärte der jungen Frau, dass der Preis für echte Vergebung echte Buße ist. Echte Buße ist etwas, was der Einzelne selbst tun muss. Niemand sonst kann für mich Buße tun. Und ich kann für keinen anderen Buße tun. Ich ermutigte die Frau, sich Zeit zu nehmen, um allein mit Gott zu sein, vor Ihm auf ihre Knie zu gehen, ohne mich und ohne ihre Beratungslehrerin. Dann wies ich sie auf die biblische Wahrheit hin: »Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist Er treu und gerecht, dass Er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit« (1.Joh. 1,9). Durch Gottes Gnade würde sie frei von Angst und Lähmung sein, die sich im Gefolge der Schuld einstellen.

Als Christen müssen wir unser Leben prüfen. Wir müssen uns zwei grundlegende Fragen stellen: An welchem Punkt bin ich in meinem geistlichen Wachstum gelähmt? Warum bin ich gelähmt? Wenn wir diese beiden Fragen richtig beantworten können, werden wir aller Wahrscheinlichkeit nach in der Lage sein, jene Bereiche der Angst und Schuld zu ermitteln, die einer Lösung bedürfen. Die Gnade Gottes – besonders die Gnade der Vergebung – ist die stärkste Kraft, die uns zur Verfügung steht, um von Lähmung befreit zu werden. 

Gott möchte nicht, dass wir gelähmt sind. Er möchte, dass wir uns in Ihm so geborgen fühlen, dass wir keine wirkliche Angst vor der Welt und ihren Widerständen zu haben brauchen. Er möchte, dass wir uns unserer Sünden bewusst sind, aber Er hat keine Freude daran, wenn wir durch unsere Schuld bewegungsunfähig werden. Wie jeder gute menschliche Vater und jede gute menschliche Mutter ist Gott sehr darauf bedacht, uns aus einem Leben in Angst und Schuld herauszuführen, damit wir frei werden, zu tun, was richtig und Ihm wohlgefällig ist. Welche Freiheit wird uns da angeboten! Freiheit von Schuld, Freiheit von Angst, Freiheit, um Gott zu dienen und Ihm mit allem, was wir sind, zu gefallen. Kein Therapeut der Welt kann uns ein solches Leben bieten.


Entnommen aus dem Buch:

Gott wohlgefällig leben

Manchmal scheint es uns im Leben zwei Schritte vorwärts und einen zurück zu gehen.

Heiligung ist kein alltägliches Wort. Tatsächlich hat es in unserer ich-fokussierten Welt der Sucht nach sofortiger Befriedigung wenig Wert. Doch unabhängig von Trends, Kulturen oder Meinungen bleibt das Geheiligtsein – das Abgesondertsein von der Welt – ein wichtiger Teil unseres Weges mit Christus.

Doch wie sieht dieser Prozess aus? Wie beginnen wir ihn? Und ist es überhaupt möglich, ein Gott wohlgefälliges Leben zu führen?

R.C. Sproul erklärt, dass dies nicht nur möglich ist, sondern dass es unsere Berufung ist. Er gibt in seinem Buch einen tiefgehenden Einblick in Gottes Plan und Weg zur geistlichen Reife. Sproul enthüllt das postmoderne Denken und die Verführung durch Irrlehren und zeigt, wie jeder Gläubige durch eine Beziehung zu Gott eine authentische, dauerhafte Umgestaltung seines Lebens erfahren kann.

Reich an biblischen Einsichten, bietet dieses Buch einen praktischen Leitfaden für jeden, der sich danach sehnt, ein Leben zu führen, das den Erretter ehrt.

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Lähmung durch Angst und Schuld

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