Heilsgewissheit – Hindernisse

So wie das Fehlen oder der Verlust der leiblichen Gesundheit nicht immer auf dieselbe Ursache zurückgeht, kann man auch das Fehlen von oder den Mangel an Heilsgewissheit nicht immer auf dieselben Gründe zurückführen. Und so wie ein Arzt sich als höchst inkompetent erweisen würde, wenn er nur eine einzige Medizin gegen alle Krankheiten verschreiben würde, so macht sich auch ein christlicher Seelsorger zu einem »Quacksalber« (Hi. 13,4), wenn er bei allen Seelenleiden stets das gleiche Heilmittel verabreicht. Sowohl im leiblichen als auch seelischen Bereich gibt es verschiedene Gesundheitsgrade. Das liegt zuallererst an der Souveränität Gottes, der Seine sowohl natürlichen wie auch geistlichen Gaben so zuteilt, wie es Ihm gefällt. Wir können uns zwar nicht selbst Gesundheit verleihen, aber wir sollten unter dem Segen Gottes von den berechtigten Mitteln Gebrauch machen, die der Gesundheit zuträglich sind. So können wir auch durch unsere sündige Torheit unsere Gesundheit schädigen und verderben. Dasselbe gilt im geistlichen Bereich.

 

Natürliche Hindernisse

In vielen Fällen mangelt es an Heilsgewissheit wegen eines schlechten seelischen Gesundheitszustands. Körperliche Gebrechen wirken sich auf den Sinn aus. Geringe körperliche Vitalität geht gewöhnlich mit einem niedergedrückten Geist einher. Eine träge Leber verursacht Depression und Niedergeschlagenheit. Vielen »Depressiven« würde es viel besser gehen, wenn sie sich mehr an der frischen Luft betätigen, sich besser ernähren und ein wenig Rizinusöl einnehmen würden. Doch wir möchten bei weitem nicht sagen, solche Therapien würden zur Genesung oder Vermehrung der Heilsgewissheit beitragen, denn geistliche Ergebnisse können nicht durch materielle Mittel erzielt werden. Dennoch ist das Beseitigen von körperlichen Hindernissen oft eine Hilfe. Wer kann das Wort Gottes nutzbringend lesen, während er unter nervenaufreibenden Kopfschmerzen leidet?! Worauf wir hinauswollen, ist dieses: Zumindest in manchen Fällen liegt es nur an natürlichen Mängeln, dass man sich nicht recht an den Dingen Gottes erfreuen kann. Damit meinen wir natürlich nicht, dass jemand die Freude des Herrn nicht erfahren könne, wenn er nicht völlig gesund ist. Viele faszinierende Fälle beweisen das Gegenteil. Dennoch gilt, dass viele sich geistlichen Segen entgehen lassen, weil sie nicht die elementaren Regeln des leiblichen Wohlergehens
beachten.

 

Schlechte Belehrung

Bei manchen Kindern Gottes verhindert eine schlechte geistliche Belehrung, dass sie Heilsgewissheit haben. Sie sind unter einer zu einseitigen Lehre aufgewachsen, der es an Ausgewogenheit zwischen den objektiven und subjektiven Seiten der Wahrheit fehlte. Sie wurden zu viel aufgefordert, sich mehr mit sich selbst als mit Christus zu beschäftigen. Da sie wissen, dass viele verführt werden, fürchten sie, dass sie dasselbe Schicksal erleiden könnten, und so bemühen sie sich in erster Linie um Selbstprüfung. Angewidert vom anmaßenden Prahlen leerer Bekenner erkennen sie, wie wertlos die fleischliche Zuversicht ist, die von den seichten Frömmlern um sie her bekundet wird. Daher zögern sie, ihre Errettung als gewiss anzusehen, damit sie sich nicht der Anmaßung schuldig machen oder sich aufblähen. Sie sehen Zweifel, Ängste und Unsicherheit als beste Kennzeichen für geistliche Demut an.

Eine solche Haltung möchten wir zwar auf keinen Fall unterstützen, doch sagen wir ohne Zögern, dass wir diese Einstellung bei weitem vorziehen im Vergleich zur anmaßenden Gewissheit, die heute viele beanspruchen. Viel lieber möchten wir unser Los teilen mit einer Gemeinschaft von niedrig gesinnten, nachdenklichen, gegenüber sich selbst misstrauischen Menschen, die sagen, wie es in einem Lied heißt: 

»Dieses möchte ich gerne wissen, es bringt mir ängstliche Gedanken ein: Liebe ich den Herrn oder nicht; bin ich Sein oder bin ich’s nicht?«

Gemeinschaft mit solchen Menschen ziehen wir vor gegenüber der Verbrüderung mit solchen, die niemals im Geringsten bezweifeln, dass sie von Christus angenommen sind, aber selbstgefällig und stolz sind, und deren täglicher Lebenswandel weitaus weniger gottesfürchtig ist als der Wandel der erstgenannten Gruppe. Es ist weit besser, von einem Bewusstsein meiner Verdorbenheit niedergedrückt zu sein und über die mangelnde Christusähnlichkeit zu trauern, als meinen wahren Seelenzustand zu ignorieren und unbekümmert, leichtsinnig und oberflächlich stets ein Lächeln auf den Lippen zu tragen.

Aber sicherlich gibt es einen guten Mittelweg zwischen den Extremen: einerseits stets am Rand der Verzweiflung und im Verlies des Zweifels zu sein, sodass mir die Freude am Herrn völlig fremd ist, und andererseits einen falschen Frieden zu haben, der niemals von der Stimme des Gewissens erschüttert wird. Heilige Gewissheit und demütige Gesinnung sind nicht unvereinbar. Derselbe Paulus, der rief: »Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Todesleib?« (Röm. 7,24), verkündete auch: »Ich weiß, an wen ich glaube, und ich bin überzeugt, dass Er mächtig ist, das mir anvertraute Gut zu bewahren bis zu jenem Tag« (2.Tim. 1,12). Seine Selbstbeschreibung »als Betrübte, aber immer fröhlich« (2.Kor. 6,10) ist eine treffende Zusammenfassung seiner zweifachen Erfahrung. Auch wir sind täglich »Traurige«, wenn Gott uns unsere Augen geöffnet hat, damit wir ein wenig von unserer ungeheuren Verderbnis sehen, die immer noch in uns steckt; auch sind wir traurig, wenn wir erkennen, wie weit entfernt wir von dem Vorbild sind, welches Christus uns hinterlassen hat. Doch wir sind auch »immer fröhlich«, weil Gott uns in unserem schrecklichen Zustand nicht in Gleichgültigkeit belassen, sondern in uns das Sehnen nach Heiligkeit eingepflanzt hat, und weil wir wissen, dass dieses Sehnen völlig gestillt werden wird, wenn wir von diesem Leib des Todes befreit werden.

 

Die Angriffe des Teufels

Bei anderen Gläubigen wird die Heilsgewissheit beträchtlich durch die Angriffe des Teufels gemindert. Dieser Feind versucht drei wesentliche Dinge zu erreichen: uns zur Sünde zu verleiten, uns am Ausüben unserer Gnadengaben zu hindern und unseren Frieden und unsere Freude zu zerstören. Wenn er in den ersten beiden Punkten scheitert, erzielt er oft im dritten Punkt großen Erfolg. Er verstellt sich als Engel des Lichts, predigt der Seele die Forderungen Gottes und die außerordentliche Sündhaftigkeit der Sünde und verfolgt dabei das Ziel, das Gewissen zu überwältigen und die Seele in Verzweiflung zu stürzen. Er hält dem Christen die schreckliche Vorherrschaft seines Unglaubens vor, seine Kaltherzigkeit gegenüber Gott und die vielen Punkte, in denen sein Verhalten nicht christusähnlich ist. Er erinnert den Christen an zahlreiche Sünden, sowohl Unterlassungs- wie Tatsünden. Je zarter das Gewissen ist, desto schmerzlicher sind diese Angriffe des Teufels. Viele erliegen den Bemühungen des Teufels, ihren Frieden aufzustören und ihre Gewissheit zu verderben, weil sie nicht wissen, wie sie seinen Angriffen begegnen sollen, und weil sie vergessen, dass die Bibel das Leben von Gotteskindern bei weitem nicht fehlerlos und vollkommen schildert. Diesen Angriffen begegnet man am besten, indem man anerkennt, dass das Fleisch weder aufgehört hat zu existieren, noch veredelt worden ist. Dann nehmen wir unsere Zuflucht zum Herrn, wie der Mann, der Ihn anflehte: »Ich glaube, Herr; hilf mir, [loszukommen] von meinem Unglauben!« (Mk. 9,24).

 

Persönliche Sünde

Das verbreitetste Hindernis für Heilsgewissheit ist das bewusste Verbleiben in Sünde. Wenn ein Christ vorsätzlich einen Weg geht, den Gottes Wort verbietet, wenn er in sündigen Gewohnheiten lebt und Gott ihn deswegen oft angerührt hat und sein Gewissen arg getroffen wurde, er aber unbeirrt weitermacht, dann ist es kein Wunder, wenn er die Heilsgewissheit und den Trost des Heiligen Geistes verliert. Das Hegen von Sünde verdunkelt notwendigerweise das Zeugnis der Gotteskindschaft, denn es setzt unsere Gnadengaben so auf »Sparflamme« herab, dass sie nicht mehr zu erkennen sind. Ungerichtete Sünde verdunkelt das Auge der Seele so sehr, dass sie nicht mehr ihren eigenen Stand erkennen kann (2.Pt. 1,9), und stumpft das Herz so weit ab, dass es seinen Zustand nicht mehr wahrnimmt. Aber mehr noch: Sünde reizt Gott auf, sodass Er uns das segensreiche Licht Seines Angesichts entzieht: »Eure Missetaten haben eine Scheidung gemacht zwischen euch und eurem Gott, und eure Sünden haben Sein Angesicht vor euch verhüllt, dass Er nicht hört« (Jes. 59,2).

Die traurige Geschichte Davids ist ein erhabenes Beispiel hierfür. Als er mit Bathseba in Sünde fiel, führte das zu schmerzlichen Konsequenzen. In Psalm 32 schrieb er: »Als ich es verschwieg, da zerfielen meine Gebeine durch mein Gestöhn den ganzen Tag. Denn Deine Hand lag schwer auf mir Tag und Nacht, sodass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürr wird« (V. 3-4). Doch Dank sei Gott!, endete sein irdisches Leben nicht in diesem beklagenswerten Zustand: »Da bekannte ich Dir meine Sünde und verbarg meine Schuld nicht; ich sprach: ›Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen!‹ Da vergabst Du mir meine Sündenschuld« (Ps. 32,5). Noch mehr Aufschluss über die tiefen Übungen, durch die David ging, gibt uns Psalm 51. Dort hören wir ihn weinen:

»Verbirg Dein Angesicht vor meinen Sünden und tilge alle meine Missetaten! Erschaffe mir, o Gott, ein reines Herz, und gib mir von Neuem einen festen Geist in meinem Innern! Verwirf mich nicht von Deinem Angesicht, und nimm Deinen heiligen Geist nicht von mir! Gib mir wieder die Freude an Deinem Heil, und stärke mich mit einem willigen Geist!« (V. 11-14).

 

Wie sie aufrechterhalten wird

Auch hier müssen wir uns wieder vor zwei Extremen hüten: einerseits vor der fatalistischen Lethargie nach dem Motto: »Ich kann mir sowieso nicht helfen«, und andererseits vor der humanistischen Anmaßung, die besagt, das Heilmittel stünde in meinen eigenen Händen. Geistliche Heilsgewissheit ist eine göttliche Gabe, und dennoch ist der Christ verantwortlich, diese Gewissheit zu bewahren. Es stimmt, dass ich weder meinem Gewissen Frieden einreden noch meinem verwundeten Herzen »Balsam aus Gilead« auftragen kann; doch kann ich vieles tun, was den großen Arzt der Ärzte betrübt und zurückweist. Wir können uns nicht selbst Gott nahebringen, aber wir können von Ihm weggehen. Von uns selbst können wir nicht zu Seiner Ehre leben, aber wir können zu unserer eigenen Ehre leben. Von uns selbst können wir nicht nach dem Geist wandeln, aber nach dem Fleisch. Wir können uns nicht selbst »fruchtbar zu jedem guten Werk« machen, aber wir können durch Ungehorsam und Selbstgefälligkeit Magerkeit über unsere Seelen bringen und Kälte über unsere Gefühle. Wir können uns selbst keine Gesundheit verleihen, aber wir können von den Mitteln Gebrauch machen, durch welche Gott uns gesund machen will.

 

Behüte dein Herz

Heilsgewissheit kann nicht bewahrt werden, wenn der Christ nicht »sein Herz behütet«, und zwar »mehr als alles, was man [sonst] bewahrt« (Spr. 4,23). »Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt!« (Mk. 14,38). »Habt Acht, ihr Brüder, dass nicht in einem von euch ein böses, ungläubiges Herz sei, das im Begriff ist, von dem lebendigen Gott abzufallen!« (Hebr. 3,12). 

John Owen beschrieb, was dazu nötig ist, als einen wachsamen Kampf und Widerstand gegen das ganze Werk der Sünde, sowohl in ihrem Trug als auch in ihrer Macht, mit all ihren Begünstigungen und Bekräftigungen, die sie vom Teufel und der Welt bezieht. Dazu ruft der Apostel besonders auf mit seinen Warnungen und Ermahnungen an uns, dass wir Acht haben sollen, dass wir nicht von der Sünde verhärtet werden. Denn sie ist ganz darauf ausgelegt, unsere Zuneigung zu Christus und unser Beharren in Ihm zu beeinträchtigen und uns so vom lebendigen Gott wegzuziehen. 

Insbesondere müssen Christen beten und darum ringen, gegen vorsätzliche Sünden anzugehen. Rechte Hände (die uns »ärgern«, d. h. einen Anstoß zur Sünde geben) müssen abgehauen und rechte Augen ausgerissen werden (Mt. 5,29); ein erkranktes Glied muss amputiert werden, denn sonst ist die tödliche Krankheit nicht aufzuhalten. Wir müssen zu Gott flehen, dass Er uns die Gnade gebe, die hartnäckigen Sünden zu töten, die uns zu schaffen machen. Bedenken wir: Es bedeutet, »den Herrn zu versuchen«, wenn man sich bewusst an einen Ort der Gefahr begibt oder sich willentlich den Angriffen der Sünde aussetzt. »Begib dich nicht auf den Pfad der Gottlosen und tue keinen Schritt auf dem Wege der Bösen; meide ihn, überschreite ihn nicht einmal, weiche davon und gehe vorüber!« (Spr. 4,14-15). Zu welch vorsichtigem, bedächtigen Wandeln sind wir aufgerufen in einer Welt, die an jeder Ecke voller Fallstricke steckt!

 

Pflege die Gnadengaben

Heilsgewissheit kann nicht bewahrt werden, wenn der Christ nicht fleißig seine Gnadengaben pflegt. Ein Christ ist Teilhaber jener geistlichen Gaben geworden, die »mit der Errettung verbunden« sind (Hebr. 6,9), und um Trost und Freude zu erlangen und zu bewahren, ist es erforderlich, dass er weiß, dass er diese Gaben besitzt. Der beste Beweis, dass wir im Stand der Gnade sind, ist es, in der Gnade zu wachsen. Dazu ist ein beständiges, tägliches Hegen nötig und das Streben, jede Gnadengabe zu fördern und zu stärken, durch die wir in Christus bleiben. Vernachlässigte Gnade wird verdorren und wird »im Begriff« stehen, »zu sterben« (Off. 3,2). Ja, sie wird sogar völlig damit aufhören, uns die Liebe Gottes zu uns und unsere Vereinigung mit Christus zu bezeugen. Einige Gemeinden aus den Sendschreiben der Offenbarung hatten ihre erste Liebe und auch ihre ersten Werke verlassen. Daher ergeht an uns der Befehl, in der Gnade zu wachsen, und diesem Befehl gehorchen wir, wenn die Gnade in uns wächst und gedeiht. Das geschieht, wie John Owen schrieb, auf zweierlei Weise:

Erstens wenn eine individuelle Gnade gefördert wird, wenn jener Glaube, der schwach war, stark wird, und jene Liebe, die matt und kalt war, leidenschaftlich und inbrünstig wird. Das kann nur erreicht werden durch das eifrige Ausüben dieser Gnaden selbst und ein beständiges Hinwenden unserer Seelen durch diese Gnaden zum Herrn Jesus Christus.

Zweitens durch das Zufügen der einen Gnade zur anderen: »So setzt eben deshalb allen Eifer daran und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis«, usw. (2.Pt. 1,5); das ist das rechte Werk geistlichen Fleißes. Das ist die Natur der evangelischen Gnadengaben, weil sie in Christus miteinander verbunden sind und in uns von ein und demselben Geist gewirkt werden. Das Ausüben der einen führt uns zur Förderung der anderen in der Seele und zu deren Ausübung.

 

Bereinige Schuld unverzüglich

Heilsgewissheit wird aufrechterhalten, wenn wir vermeiden, Schuld vor Gott aufzuhäufen, und wenn wir begangene Sünde sofort bereinigen. »So lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in völliger Gewissheit des Glaubens, durch Besprengung der Herzen los vom bösen Gewissen und am Leib gewaschen mit reinem Wasser« (Hebr. 10,22). Man beachte den engen Zusammenhang zwischen diesen Dingen! Wir können Gott nicht aufrichtig und von Herzen als Anbeter nahen, während die Schuld von Sünde auf unserem Gewissen liegt. Unsere Freimütigkeit, dem dreifach heiligen Gott zu nahen, wird durch nichts mehr beeinträchtigt als durch die schmerzliche Erkenntnis, dass mein Wandel Ihm missfallen hat. »Geliebte, wenn unser Herz uns nicht verurteilt, dann haben wir Freimütigkeit zu Gott« (1.Joh. 3,21). Doch so sehr der Christ sich auch mühen und in Acht nehmen mag, wird er doch »oft straucheln« (Jak 3,2), und zwar durch tägliche Unterlassungs- und Tatsünden. Doch Dank sei Gott!, dass unser liebevoller Vater auch für diese traurigen Versagen Vorkehrung getroffen hat: »Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist Er treu und gerecht, dass Er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit« (1.Joh. 1,9). Sobald uns bewusst wird, versagt zu haben, sollten wir Gott unser Herz ausschütten und nichts verbergen, sondern jedes Vergehen freimütig bekennen. Wir sollten uns auch nicht fürchten, dies häufig zu tun, täglich, ja ständig. Wenn der Herr uns auffordert, unserem sündigenden Bruder »sieben mal siebzig Mal« zu vergeben (Mt. 18,22), wird Er dann weniger barmherzig sein? »Wer seine Schuld verheimlicht, dem wird es nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt [im Herzen und im Streben], der wird Barmherzigkeit erlangen« (Spr. 28,13).

 

Pflege die tägliche Gemeinschaft mit Gott

»… und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit Seinem Sohn Jesus Christus. Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude vollkommen sei« (1.Joh. 1,3-4). Man beachte die Beziehung zwischen diesen beiden Aussagen: Vollkommene Freude (was im 1. Johannesbrief vor allem bedeutet, in ungetrübter Gewissheit der Gotteskindschaft zu leben) ist die Frucht der Gemeinschaft mit dem Vater und Seinem Sohn. Aber was bedeutet der Begriff »Gemeinschaft«? Viele haben offenbar nur eine vage und mutmaßliche Vorstellung davon. Diese Beziehung umfasst Einheit des Herzens und Denkens, gemeinsame Interessen und Freuden, Einheit des Willens und Strebens und gegenseitige Liebe. Es ist eine Gemeinschaft »im Licht« (1.Joh. 1,5-7). Der Herr Jesus hat diese Gemeinschaft mit Gott vollkommen verwirklicht und uns ein perfektes Beispiel dafür gegeben. Er wandelte in ununterbrochener Gemeinschaft mit dem Vater: Er freute sich an Gottes Willen (Ps. 40,9), hielt Seine Gebote (Joh. 14,31) und tat stets das, was in Gottes Augen wohlgefällig war (Joh. 8,29). Und gerade Johannes schreibt auch: »Wer sagt, dass er in Ihm bleibt, der ist verpflichtet, auch selbst so zu wandeln, wie Jener gewandelt ist« (1.Joh. 2,6). Welch ein Maßstab wird uns hier vorgestellt! Doch danach sollen wir uns unter Gebet ständig ausstrecken.

Gemeinschaft mit Gott ist das Teilhaben am Licht und an der Liebe Gottes. Sie beinhaltet, das zu verweigern, was Er hasst, und die Dinge zu wählen, die Ihn erfreuen. Sie bedeutet, meinen ganzen Willen an Ihn zu verlieren. Sie ist ein Aus-sich-selbst-Herausgehen und ein Ergreifen Gottes in Christus. Sie bedeutet, Seine Beurteilung der Dinge anzunehmen, Seine Gedanken nach-zu-denken, die Welt aus Seinem Blickpunkt zu sehen, samt allem, was in ihr ist, und samt all unserem gegenwärtigen und zukünftigen Leben. Diese Gemeinschaft bedeutet daher, in das Ebenbild Seiner heiligen Natur umgestaltet zu werden. Sie bedeutet, zu Seiner Ehre zu leben. Und so ist sie eine Gemeinschaft der Freude, und »die Freude am HERRN ist eure Stärke« (Neh. 8,10): Stärke und Kraft, um Versuchungen zu überwinden, um die Pflichten des Lebens zu bewältigen und alle Sorgen und Enttäuschungen zu ertragen. Je enger wir mit dem Herrn wandeln, desto leuchtender werden die Anzeichen unserer Gotteskindschaft hervorstrahlen.

 

Ihre Früchte

Heilsgewissheit befreit von den Zweifeln und Befürchtungen, die so manchen Christen seiner berechtigten Freude am Herrn berauben. Das wird deutlich aus dem Kontrast in Römer 8,15: »Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch wiederum fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!« Unsicherheit ist in vielen Lebenslagen schlecht, aber am schlimmsten in Bezug auf unser ewiges Schicksal. Doch wahre Gewissheit befreit uns von der schmerzlichen Knechtschaft der Ungewissheit und nimmt sogar dem Tod seinen Schrecken. Die Seele, die Heilsgewissheit hat, kann sagen: »Ich freue mich sehr in dem HERRN, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn Er hat mir Kleider des Heils angezogen« (Jes. 61,10).

Wahre Heilsgewissheit verleiht Geduld in Drangsalen: »Denn ihr hattet Mitleid mit mir in meinen Ketten bewiesen und den Raub eurer Güter mit Freuden hingenommen, weil ihr in euch selbst gewiss seid, dass ihr ein besseres und bleibendes Gut in den Himmeln besitzt« (Hebr. 10,34). Wo das Herz in Gott verankert ist und den Sonnenschein Seines Angesichts genießt, wird sich der Christ nicht vor üblen Nachrichten fürchten. Er bleibt auch in Trauer gelassen und lässt sich von Verfolgungen nicht erschüttern. Der Märtyrer Latimer sagte 1551 zu seinem Leidensgenossen Ridley: 

»Wenn ich in einer gefestigten und beständigen Gewissheit über den Stand meiner Seele lebe, dünkt mich, dass ich kühn wie ein Löwe bin. Ich kann über alle Drangsale lachen: kein Leid erschreckt mich. Doch wenn mein Trost verdunkelt ist, bin ich ein so furchtsamer Geist, dass ich in jedes Mauseloch kriechen könnte.«

Heilsgewissheit führt zu einer Freude an Gott, die den Gläubigen dazu bringt, jene vergänglichen Vergnügungen zu verachten, die der Weltmensch so heiß und innig liebt. »Denn der Feigenbaum wird nicht ausschlagen und der Weinstock keinen Ertrag geben; die Frucht des Ölbaums wird trügen, und die Felder werden keine Nahrung liefern; die Schafe werden aus den Hürden getilgt, und kein Rind wird mehr in den Ställen sein. Ich aber will mich freuen in dem HERRN und frohlocken über den Gott meines Heils!« (Hab. 3,17-18). »Darum, Brüder, seid umso eifriger bestrebt, eure Berufung und Auserwählung fest zu machen; … denn auf diese Weise wird euch der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Retters Jesus Christus reichlich gewährt werden« (2.Pt. 1,10-11).


Ein Auszug aus der Broschüre »Heilsgewissheit« (»Heilsgewissheit« ist dem Buch »Was ist rettender Glaube« entnommen.

Blog

Heilsgewissheit – Hindernisse

Lesezeit: 14 min