Eure Kinder und die Heilige Schrift

Autor: Lou Priolo

Bibelstelle: 2. Timotheus 3,15-16

»… und weil du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, welche die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist.
Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.« 

Habt ihr euch jemals die Zeit genommen und euch gefragt, was ihr als Eltern erreichen wollt? Was genau ist euer Ziel? Für euch als christliche Eltern gibt es auf diese Frage nur eine einzige Antwort – und die steht in der Bibel. Ihr solltet für eure Kinder dasselbe höchste Ziel haben, wie der Apostel Paulus für seine geistlichen Kinder: dass sie in das Ebenbild Christi umgestaltet werden. »Meine Kinder, um die ich noch einmal Geburtswehen leide, bis Christus in euch Gestalt gewinnt« (Gal. 4,19).

Die Bibel beschreibt diese Christusähnlichkeit auf vielfältige Weise. Nur ein paar Beispiele: Paulus (wie auch andere Verfasser des Neuen Testaments) verwendet Begriffe wie »vollkommen werden«, »zur Fülle gebracht«, »Heiligung« und »vollkommene Mannesreife«. Damit drückt er den tiefen Wunsch aus, dass seine Schützlinge das Ziel geistlicher Reife erlangen. Die Heilige Schrift hat bereits das Ziel bestimmt, das ihr als Eltern verfolgen solltet. Ihr müsst euch nicht mehr fragen, was aus eurem Kind denn werden soll. Ihr wisst bereits, wohin die Erziehung eures Kindes führen soll: Es soll Christus ähnlich werden. 

Die wesentlichen Bestandteile der Erziehung 

Wenn ihr wollt, dass euer Kind in das Bild Christi umgestaltet wird, sind dazu mindestens drei Dinge unentbehrlich. Dazu gehören der Heilige Geist, die Bibel und Zeit. 

Erstens ist es notwendig, durch den Heiligen Geist in das Ebenbild Christi verwandelt zu werden (2.Kor. 3,18). Diese Veränderung findet im Inneren statt – im Herzen. Der Heilige Geist wohnt nur in denen, die durch Gottes Gnade auf das Versöhnungswerk Christi vertrauen, der stellvertretend am Kreuz gestorben ist, um die Strafe für ihre Sünden zu bezahlen (Röm. 5,8; 1.Kor. 15,3; 2.Kor. 5,21). Auch ihr müsst auf Gottes Geist vertrauen, damit ihr zu solchen Eltern werdet, die ihr der Bibel zufolge sein sollt. 

Zweitens brauchen wir dazu die Bibel. Es ist bemerkenswert, dass die Bibel nötig ist, um einem Kind die Grundwahrheiten des Heils verständlich zu machen, z. B. dass es von Natur aus ein Sünder ist und auf den stellvertretenden Tod Christi am Kreuz vertrauen muss. Ihr seht schon: Es ist unmöglich, ohne die Bibel Christ zu werden (s. Röm. 10,13-17). Durch sie bewirkt der Heilige Geist Sündenerkenntnis und schließlich die Wiedergeburt (1.Pt. 1,23). Das Wort Gottes ist imstande, d.h. es hat die Kraft, euren Kindern die Weisheit zu vermitteln, die zum Heil nötig ist. Darum ist es wichtig, dass ihr sehr früh mit euren Kindern die Bibel lest. 

»… weil du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, welche die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist« (2.Tim. 3,15).

Charles Spurgeon schreibt in seinem Buch »Come Ye Children« über den Ausdruck »von Kindheit an« aus diesem Vers: »Der Ausdruck ›von Kindheit an‹ ist besser zu verstehen, wenn wir stattdessen ›von früher Kindheit an‹ oder ›vom Kleinkindalter an‹ sagen. Damit ist nicht ein älteres Kind oder ein Jugendlicher gemeint, sondern ein Kind, das gerade dem Säuglingsalter entwachsen ist. Von frühester Kindheit an kannte Timotheus die Heilige Schrift. Dieser Ausdruck soll uns zweifellos zeigen: Wir können nie zu früh beginnen, das Denken unserer Kinder durch die Bibel zu prägen. Babys können viel früher Eindrücke aufnehmen, als uns bewusst ist. Ein Kind lernt in den ersten Monaten seines Lebens mehr, als wir uns vorstellen können. Es lernt sehr schnell, dass seine Mutter es liebt und dass es von ihr abhängig ist; und wenn die Mutter weise ist, lernt das Kind, wie wichtig Gehorsam und die Unterordnung des Willens unter eine höhere Autorität sind. Dies kann das Kind für sein ganzes künftiges Leben prägen. Wenn das Kind früh Gehorsam und Unterordnung lernt, wird es vor vielen Tränen bewahrt – und die Mutter erst recht. Man verliert eine gute Ausgangsposition, wenn man das Kind nicht schon als Säugling erzieht. Kinder können die Heilige Schrift erlernen, sobald sie fähig sind, überhaupt irgendetwas zu begreifen.«

Gestattet mir bitte ein paar sehr ernste Fragen: 

    • In welchem Ausmaß praktiziert ihr das, was 2. Timotheus 3,16 über den praktischen Nutzen der Bibel sagt, in Bezug auf eure Kinder?
    • Wie gut kennt ihr persönlich die Bibel?
    • Wie oft verweist ihr in Alltagsgesprächen mit euren Kindern auf die Bibel?
    • Wie geschickt lehrt ihr die Bibel und wendet sie auf das Alltagsleben eurer Kinder an?
    • Wie erfolgreich gebraucht ihr die Bibel, um eure Kinder von Sünden zu überführen?
      (Ermahnt ihr sie in einer Weise, dass sie Gottes Wort wertschätzen, oder etwa so, dass sie es eher verachten?)
    • Wie konsequent korrigiert ihr eure Kinder mit der Bibel?
    • Wie verwendet ihr die Bibel zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit eure Kinder sich in Zukunft besser verhalten?

Es ist unmöglich, eure Kinder »in der Zucht und Ermahnung des Herrn« (Eph. 6,4) zu erziehen, ohne dabei beständig das Wort Gottes zu gebrauchen. »Rute und Zucht verleihen Weisheit« (Spr. 29,15). Es ist eure Aufgabe, liebe christliche Eltern, die Bibel sowohl zu kennen als auch in dem Sinn anzuwenden, den Gott vorgesehen hat.

Die Allgenugsamkeit der Heiligen Schrift 

Die Heilige Schrift enthält alles, was ihr zum geistlichen Leben benötigt. Sie enthält auch alles, was ihr braucht, um eure Kinder »in der Zucht und Ermahnung des Herrn« zu erziehen. Jahrtausendelang haben Eltern bei der Erziehung auf die Schrift vertraut. Über die Jahrhunderte hinweg glaubten Männer und Frauen, dass Gott von ihnen nie etwas fordern würde, ohne ihnen auch die Kraft dafür zu geben – besonders bei der schweren Aufgabe der Kindererziehung. Sie glaubten das, weil die Schrift dafür gegeben wurde, »damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet« (2.Tim. 3,17). 

Glaubt ihr das? Glaubt ihr wirklich, dass ihr mit der Heiligen Schrift alles habt, was ihr für alle möglichen Situationen des Alltags und für die Erziehung braucht? Genau das lehrt dieser Vers tatsächlich. Natürlich behauptet die Schrift nicht, uns hinlänglich über den Umgang mit medizinischen Problemen zu belehren. Sie hilft uns auch nicht dabei, unsere Kinder zu lehren, wie man Bruchzahlen multipliziert, Rollschuh läuft und dergleichen mehr. Aber sie beansprucht, dafür zu genügen, Menschen in das Ebenbild Christi zu verwandeln. »Das Gesetz des HERRN ist vollkommen, es erquickt die Seele« (Ps. 19,8). 

Der vierfache Nutzen der Heiligen Schrift 

Die Heilige Schrift sagt von sich, dass sie nützlich ist: »Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit« (2.Tim. 3,16). Da die Schrift zu diesem eindeutigen Zweck gegeben wurde, müsst ihr die Kompetenz erlangen, alle vier genannten Zwecke anzuwenden. Schriftgemäße Kindererziehung umfasst alle vier Bereiche. Schriftgemäße Erziehung bedeutet also nicht nur Verantwortung, sondern ist auch eine Fähigkeit, die erworben werden muss. Und damit kommen wir zum dritten unentbehrlichen Bestandteil, um euer Kind zu geistlicher Reife zu bringen: Zeit. 

Um Erziehungskompetenz zu entwickeln, benötigt man Zeit. Ihr braucht Zeit, um einfach das liegen zu lassen, was ihr gerade tut, und die Bibel zur Hand zu nehmen, um eure Kinder zu lehren, zu überzeugen, zu korrigieren und sie zu unterweisen – Zeit, in der ihr wahrscheinlich lieber etwas anderes tun würdet. Und was am wichtigsten ist: Kinder brauchen Zeit, um zu reifen. Reife auf Knopfdruck gibt es nicht. Es gibt keine Pille, die ihr euren Kindern geben könnt, keine Reifeschule, in die ihr sie schicken könnt, kein »Zauberpulver«, durch das ihr rebellisches Herz schnell in ein gehorsames verwandelt wird und sie zur Reife gelangen. Reife benötigt Zeit. 

Fortschreitende Heiligung 

Ein anderer Ausdruck für den Prozess, durch den Christen dem Ebenbild Christi ähnlicher werden, ist die sogenannte fortschreitende Heiligung. Man nennt sie fortschreitend, weil sie nicht augenblicklich zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern fortwährend in unserem Leben stattfindet. Der Heilige Geist ist der Akteur bei der Heiligung. Er wirkt im Herzen eines jeden Gläubigen, um ihn Christus ähnlicher zu machen. Allerdings tut Er das durch das Wort. Man kann einfach nicht sein Verhalten Gott wohlgefälliger machen, wenn man dies unabhängig vom Wort Gottes versucht. Der Heilige Geist muss Seine effektivste Waffe benutzen – das Schwert des Geistes –, wenn Er euch und eure Kinder verändern soll. Wie die Wiedergeburt, so ist auch die Heiligung ein Werk Gottes. Doch an diesem Werk Gottes sind wir beteiligt. Die einzige Weise, wie wir daran beteiligt sein können, ist: die Bibel gründlich zu kennen, zu verstehen und zu glauben. Als Eltern sind wir auch daran beteiligt, dass Gott an unseren Kindern wirkt, indem wir ihnen das Wort Gottes ins Herz vermitteln. 

Ich habe erstaunlich viele Christen getroffen, die meinen, in der Gnade wachsen zu können, ohne regelmäßig und fortlaufend Zeit mit der Bibel zu verbringen, d. h. indem sie die Bibel lesen, studieren, auswendig lernen, darüber nachsinnen und aktiv zuhören, wo aus ihr verkündigt und gelehrt wird. Auch auf die Gefahr hin, es zu übertreiben, will ich es so sagen: Egal, wie viel Zeit ihr damit verbringt, zu beten und zu fasten, Gemeinschaft mit anderen Christen zu haben, zu predigen oder zu evangelisieren: Wenn ihr keine oder nur wenig Zeit mit Gottes Wort verbringt – oder genauer gesagt: wenn das Wort Gottes nicht reichlich in euch wohnt (Kol. 3,16) –, legt ihr trotz aller guten Absichten dem Heiligen Geist quasi Handschellen an. Nein, es ist nicht so, dass Er nicht wirken könnte, wenn ihr nicht mitmacht. Aber Gott hat einfach nicht verheißen, unabhängig von Seinem Wort zu wirken! 

Jay Adams schreibt: »Dass der Heilige Geist durch die Schrift wirkt, wird … durch folgendes bestätigt: [Was 2. Timotheus 3,16 von der Bibel sagt], wird auch ebenso vom Geist gesagt. Zum Beispiel heißt es, dass alle vier unten aufgezählten Dinge, welche die Heilige Schrift bewirkt, auch der Heilige Geist tut: 

    1. »Belehrung«: vergleiche 1. Johannes 2,27.
    2. »Überführung«: vergleiche Johannes 16,7-11.
    3. »Zurechtweisung« bzw. Korrektur: vergleiche Galater 6,1; 5,22-23.
    4. »Erziehung in der Gerechtigkeit«: vergleiche Galater 5,16-18; Römer 6-8.

In jedem dieser Bereiche wirkt der Geist durch die Heilige Schrift.1

Ein weiterer Beweis, dass der Geist durch das Wort Gottes wirkt, ergibt sich aus dem Vergleich von zwei biblischen Parallelstellen. Epheser 5,18 fordert uns auf: »Und berauscht euch nicht mit Wein, was Ausschweifung ist, sondern werdet voll Geistes.« Dem folgt eine Reihe allgemeiner Belehrungen und Anweisungen an bestimmte Personen, die sich aus dem zuerst genannten Befehl ergeben, voll Geistes zu sein. Und dieselben Anweisungen findet man geradezu wörtlich in Kolosser 3,16ff, wo sie jedoch nicht dem Geist, sondern dem Wort Gottes zugeordnet werden: »Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen…« Die Ähnlichkeit dieser beiden Schriftstellen verdeutlicht nicht nur, wie eng die Beziehung zwischen dem Heiligen Geist und dem Wort Gottes ist. Sie erklärt auch, wie Er uns erfüllt. Das Leben eines Menschen wird in dem Maß vom Geist erfüllt sein, wie er dem Gottes Wort ermöglicht, sein Herz zu erfüllen. 

Wenn ihr also wollt, dass eure Kinder gerettet, geheiligt und vom Geist erfüllt werden, müsst ihr (im Voraus) Zeit investieren, um sie in der Heiligen Schrift zu unterweisen. Bedenkt, dass die Frucht des Geistes nicht über Nacht wächst. Vielmehr muss sie sich allmählich entwickeln; und das geschieht in dem Maß, wie man mit dem Wort Gottes ernährt wird.

1Jay Adams: »How to Help People Change«, Zondervan Publishing House


Entnommen aus dem Buch: »Kinderherzen lehren«, Betanien-Verlag

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