Die Hoffnung der Christen

»Christen sterben anders«, pflegte Dr. Lloyd-Jones häufig zu sagen – eine Wahrheit, die auch auf seinen eigenen Tod im Jahre 1981 zutraf. Als hätte er es vorher gewusst, sagte er noch kurz zuvor einen Termin für den Tag vor seinem Tod ab, und auf einer der letzten Notizen an seine Familie war zu lesen: »Betet nicht mehr für meine Heilung. Ich sehne mich nach der Herrlichkeit!«

Seine irdische Zeit war abgelaufen, sein Dienst beendet und erfüllt, und er erkannte dies sehr klar. Nun hatte er nur noch einen Wunsch: nach Hause zu kommen – »heimzugehen« zu seinem Herrn, heim in die »ewige Wohnung«, die Er für ihn bereitet hatte. D. Martyn Lloyd-Jones starb im Alter von 81 Jahren an einem Sonntag – symbolisch »am Tag des Herrn«.

 

Diese Predigt ist ein Ausschnitt aus einer Auslegung von ihm über Johannes 17,24.

»Vater, Ich will, dass, wo Ich bin, auch die bei Mir seien, die Du Mir gegeben hast, damit sie Meine Herrlichkeit sehen, die Du Mir gegeben hast; denn Du hast Mich geliebt vor Grundlegung der Welt.«

 

Jesu letzte Bitte

In diesem Vers geht es um die letzte Bitte unseres Herrn und Heilandes. Es handelt sich dabei um ein Fürbittegebet Jesu für Seine Jünger – und nicht nur für Seine Jünger, sondern für alle, die Ihm nachfolgen. Es ist die allerletzte Seiner Bitten; es sind die Worte, mit denen Er das Hohepriesterliche Gebet in Johannes 17 beendet. Es folgen dann nur noch zwei weitere Verse, in denen Er Seinen Vater daran erinnert, wie es um »Sein Eigentum« bestellt ist, also, was die Menschen auszeichnet, die an Ihn glauben und Ihm nachfolgen: »Gerechter Vater«, so sagt Er, »die Welt erkennt Dich nicht; Ich aber erkenne Dich, und diese erkennen, dass Du Mich gesandt hast. Und Ich habe ihnen Deinen Namen verkündet und werde ihn verkünden, damit die Liebe, mit der Du Mich liebst, in ihnen sei und Ich in ihnen« (Joh. 17,25-26).

 

Erkennen, wer wir sind

So wollen wir nun unser Augenmerk auf den 24. Vers richten. Was mir zu allererst auffällt, ist die Tatsache, dass eines der größten Probleme für uns – und wenn ich »uns« sage, meine ich »Christen«,das heißt Menschen, die an Christus glauben – darin besteht, dass wir die Wahrheit über uns selbst oft nicht erkennen. Es gibt im Leben eines Christen eine ganze Menge Probleme; aber ich gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass die meisten davon, wenn nicht sogar alle, dadurch entstehen, dass wir nicht begreifen, wer wir eigentlich sind. Wie oft erkennen wir nicht, wie es um uns bestellt ist, und wie oft begreifen wir nicht den Wert all der Wahrheiten, die auf uns zutreffen, so wie es Christus Selbst zum Ausdruck gebracht hat! Denken Sie doch nur einmal darüber nach, wie viele herrliche Wahrheiten es in der Heiligen Schrift gibt! Es sind uns, wie es der Apostel Petrus ausdrückt, »die überaus großen und kostbaren Verheißungen gegeben« (2.Pt. 1,4) worden; doch wie oft geschieht es, dass wir diese Verheißungen nicht erkennen und nicht in Anspruch nehmen!

Je älter ich werde, desto gewisser bin ich mir, dass viele unserer Probleme darauf zurückzuführen sind, dass wir die Schrift nicht in rechter Weise lesen und zu Herzen nehmen. Wir denken nicht genug über die Verheißungen nach, wir »bewegen sie nicht in unserem Herzen«, und dabei sind es doch Verheißungen, die uns gelten – uns ganz persönlich! Doch wir lesen sie nur und beziehen sie nicht auf unser Leben. Was meinen Sie, wie sehr sich unser Leben auf geradezu revolutionäre Weise verändern würde, wenn wir das täten!

 

Die Freude im Leben der Christen

Wenn wir das Neue Testament lesen, können wir eigentlich gar nicht daran vorbeisehen, dass Christen Menschen sein sollten, die Freude ausstrahlen. Wie oft spricht die Schrift von dieser Geisteshaltung des »Sich-Freuens«! Eines der letzten Worte unseres Herrn lautete: »So habt auch ihr nun Traurigkeit; Ich werde euch aber wiedersehen, und dann wird euer Herz sich freuen, und niemand soll eure Freude von euch nehmen« (Joh. 16,22). Doch die meisten von uns sind weit entfernt von einer solchen Erfahrung. Wer könnte denn schon allen Ernstes von sich behaupten, dass er sich »mit unaussprechlicher und herrlicher Freude« (1.Pt. 1,8) über seinen Herrn freut? Doch genau das ist es, was die Bibel uns aufträgt!»Freut euch im Herrn allezeit; abermals sage ich: Freut euch!« (Phil. 4,4). Manchmal frage ich mich, ob Gott uns am Jüngsten Tag nicht einmal fragen wird, warum wir eigentlich so traurig und bedrückt dahingelebt haben, warum wir anderen Menschen den Eindruck vermittelt haben, dass das Christenleben etwas Mühsames, Langweiliges und furchtbar Anstrengendes sei. Man hat nicht selten den Eindruck, dass es den Menschen, die mit dem Christentum nichts zu tun haben wollen, weit besser geht als uns Christen. Nicht-Christen machen doch oft einen sehr glücklichen und zufriedenen Eindruck, oder nicht? Natürlich wissen wir, dass dies nur Schein ist, dass diese Menschen auf lange Sicht nicht wirklich glücklich sein und bleiben werden; aber, wie gesagt, wenn man nur nach dem äußeren Anschein urteilt, entsteht doch oft dieser Eindruck. Warum ist es bei den Christen oft so anders? Die Antwort auf diese Frage lautet: Weil wir nicht begriffen haben, wer wir sind; weil wir nicht verstanden haben, was das Neue Testament über uns aussagt.

Aus diesem Grund befassen wir uns ja mit dem 17. Kapitel des Johannesevangeliums: um zu erkennen, wer wir Christen in Wahrheit sind. Und mit dieser letzten Bitte unseres Herrn sind wir nun beim Höhepunkt des ganzen Kapitels angelangt. Jesus betet: »Vater, Ich will, dass, wo Ich bin, auch die bei Mir seien, die Du Mir gegeben hast, damit sie Meine Herrlichkeit sehen, die Du Mir gegeben hast; denn Du hast Mich geliebt vor Grundlegung der Welt« (Joh. 17,24). Jesus tritt hier Seinen letzten Weg an, denn bald muss Er die Seinen verlassen. Er wird grausam gequält werden, wird am Kreuz sterben und schließlich am dritten Tag wieder auferstehen und danach in den Himmel auffahren. Und das, was Ihm in diesen letzten Stunden am Herzen liegt, ist das Wohlergehen Seiner Jünger. Wir sehen es daran, dass Er für sie betet, und es lohnt sich, darüber nachzudenken, was Er in diesem Gebet zum Ausdruck bringt.

 

1. Wer ist es, der für uns betet?

Zunächst wollen wir unseren Blick auf Denjenigen richten, der hier für uns betet. Das ist sehr wichtig, denn sonst werden wir all das, was anschließend noch kommt, nicht verstehen. Nun, die Worte, die Jesus hier benutzt, sprechen eine deutliche Sprache. Er redet den ewigen, allmächtigen Gott mit »Vater« an, und diese Anrede zeigt, in welchem Verhältnis Er zu Ihm steht. Der erste Satz Seines Gebetes lautet:»Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche Deinen Sohn, damit auch Dein Sohn Dich verherrliche« (Joh. 17,1). Derjenige, der zu Gott »Vater« sagt, ist kein geringerer als der Sohn Gottes Selbst.

Auch das nächste Wort des 24. Verses ist von Bedeutung: »Vater«, so sagt Er, »Ich will …« – Eine sehr interessante Aussage, dieses »Ich will!«. Jesus sagt nicht: »Ich möchte« oder: »Ich wünsche Mir« (obwohl manche Übersetzungen es unglücklicherweise so ausdrücken); nein, Er benutzt ein sehr viel stärkeres Wort: Er sagt: »Ich will …«, und wir sollten dieses »Wollen« auch so stehenlassen. Mit anderen Worten: Es gibt jemanden, der in die Gegenwart des Allmächtigen treten und zu Ihm sagen darf: »Vater,Ich will, dass, wo Ich bin, auch die bei Mir seien, die Du Mir gegeben hast« – ein Satz, der so nur gesprochen werden kann, weil hier die Gleichheit von Gott-Vater und Gott-Sohn vorausgesetzt wird; denn wer sonst als der Sohn dürfte es wagen, zum Allmächtigen »Ich will« zu sagen?

Ebenso wichtig sind die Worte »vor Grundlegung der Welt«. Sie sagen etwas ganz Ähnliches aus. »Du hast Mich geliebt vor Grundlegung der Welt.« Jesus wiederholt damit etwas, was Er bereits zuvor in Vers 5 gesagt hat: »Und nun verherrliche Du Mich, Vater, bei Dir Selbst mit der Herrlichkeit, die Ich bei Dir hatte, ehe die Welt war« (Joh. 17,5). Obwohl wir nun nicht bis in alle Einzelheiten über diesen Vers nachdenken wollen, ist dennoch ein Verständnis dieser Aussage sehr wichtig. Sie ist nämlich die Voraussetzung für das Verständnis dessen, was noch folgt. Jesus betet für uns. Er betet für uns, die wir heute leben, denn Er sagt ja: »Ich bitte aber nicht für diese allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an Mich glauben werden« (V. 20). Das heißt: Jesus betet für die Christen aller Zeiten und allerorts; und derjenige, der für uns betet, ist kein geringerer als der ewig lebende Sohn Gottes. Dadurch erhält unser Christsein seine Grundlage und seine Absicherung: Wir sind heute Christen, weil Er aus der Ewigkeit in die Zeit hereinkam, weil Er Mensch wurde und auf Erden lebte, »in der gleichen Gestalt wie das Fleisch der Sünde« (Röm. 8,3), und weil Er all das vollbrachte, worüber die Evangelien berichten.

Ein Christ – so könnte man deshalb definieren – ist jemand, für den Christus, der Sohn des allmächtigen Gottes, gebetet hat und heute noch betet (vgl. Hebr. 7,25).

Was fällt weiterhin auf an diesem Vers? Ist es nicht das, dass Christus sich um uns sorgt? Ach, würden wir uns diese Tatsache doch öfters vor Augen halten – vor allem in den Zeiten, in denen uns der Teufel in Versuchung führt und wir mit Anfechtung oder Sünde zu kämpfen haben. Wie oft geschieht es, wenn mancherlei Probleme uns überrollen – Probleme mit uns selbst oder mit anderen Menschen –, dass wir uns alleingelassen fühlen und denken: »Es ist doch niemand bei mir; keiner versteht mich!« Aber ein solches Denken entspricht nicht der Wahrheit! Jesus Christus, der Sohn Gottes, denkt an uns! Er, der den Kreuzestod vor Augen hatte und ganz genau wusste, was Ihm bevorstand, sorgt sich in diesen letzten Stunden um Seine Jünger und um uns. Eigentlich würde man von jemandem, dem etwas so Grausames bevorsteht, doch erwarten, dass er nur noch an sich selbst denkt, und vor allem auch nur noch für sich selbst betet. Doch wenn Sie sich das ganze Gebet des Herrn ansehen, werden Sie feststellen, dass Christus lediglich in den ersten fünf Versen an sich denkt; der gesamte Rest ist der Fürbitte für Seine Jünger gewidmet. Es ist sehr wichtig, dass wir das erkennen; wir müssen begreifen, dass der Sohn des allmächtigen Gottes für uns gebetet hat, und dass Er jetzt, in diesem Augenblick, da Er zur Rechten des Vaters sitzt, noch immer für uns betet (vgl. Hebr. 7,25).

 

2. Wie sieht uns der Herr?

Was sagt nun der Sohn Gottes über uns? Es geht jetzt, nachdem wir uns eingangs mit der Wahrheit über Christus beschäftigt haben, im zweiten Punkt darum, herauszufinden, wie die Wahrheit über uns selbst aussieht – über die Menschen, für die Er betet.

Wer sind wir? Wir finden die Antwort auf diese Frage in einer der Aussagen, die Jesus in Seinem Hohepriesterlichen Gebet mehrmals wiederholt. Dort bezeichnet Er die Christen als »die, die Du Mir gegeben hast«. – »Vater«, so sagt Er, »Ich will, dass, wo Ich bin, auch die bei Mir seien, die Du Mir gegeben hast« (V. 24). Christen sind also Menschen, die Gott der Vater Seinem Sohn gegeben hat. Sehen wir uns in diesem Zusammenhang noch einmal Vers 6 an: »Sie waren Dein, und Du hast sie Mir gegeben, und sie haben Dein Wort bewahrt.« Ich kann mir keine tröstlichere Aussage als diese vorstellen! Ich bin Christ, weil ich zu den Auserwählten Gottes gehöre! So sagt es die Heilige Schrift, die uns die Lehre von der Erwählung nicht nur an dieser, sondern auch noch an vielen anderen Stellen vor Augen führt. Siebenmal betont unser Herr in Seinem Gebet diese Tatsache: Die Menschen, für die Er mit Seiner Fürbitte einsteht, sind Menschen, die Gott vor Grundlegung der Welt erwählt hat und die Er Ihm, dem Sohn, gegeben hat. Können Sie sich etwas Schöneres und Tröstlicheres vorstellen?

Gott kümmert sich in wunderbarer Weise um Seine Kinder! Er kannte sie, lange bevor sie geboren wurden. Bevor Er die Welt und den ersten Menschen erschuf, hat Er schon an Sein Eigentum gedacht. Vor Anbeginn der Zeiten vertraute Er diese Menschen Seinem Sohn an. Es muss zu diesem Zweck so etwas wie eine Konferenz der Dreieinigkeit im Himmel gegeben haben: einen ganz bestimmten Zeitpunkt, an dem Gott der Vater Seinem Sohn diese Menschen, die erst noch geboren werden sollten, übergab und Ihn dann für Seine irdische Mission beauftragte, damit Er sie erlöste und auf die ewige Gemeinschaft mit Gott vorbereitete. Das ist es, worum es im christlichen Glauben geht. Dies ist der Grund, warum der Sohn Gottes in die Welt kam: Die Menschen waren in Sünde gefallen, hatten sich von Gott abgewandt und standen nun außerhalb Seiner Liebe und Fürsorge. Doch Er schickt Seinen Sohn in die Welt mit dem Auftrag, für diese Menschen aktiv zu werden, die Er Ihm anvertraut hat; und alles, was der Sohn für diese Gruppe von Menschen tat, tat Er auch für uns. Dies war der Zweck, zu dem Sein Vater Ihn auf die Erde sandte, wie es unser Herr Selbst gesagt hat: »gleichwie Du Ihm Vollmacht gegeben hast über alles Fleisch, damit Er allen ewiges Leben gebe, die Du Ihm gegeben hast« (V. 2). Und nun, am Ende Seines irdischen Daseins, tritt Er wieder vor den Vater und sagt zu Ihm: »Ich habe Dich verherrlicht auf Erden; Ich habe das Werk vollendet, das Du Mir gegeben hast, damit Ich es tun soll« (V. 4).

Wenn Sie von sich sagen können, dass Sie ein Christ sind, dann dürfen Sie sich über die Gewissheit freuen: »All das trifft auch auf mich zu!«

Seit ewigen Zeiten hat Gott an Sie gedacht, denn Er sorgt sich um Seine Kinder. Sie sind Ihm so viel wert, dass Er Seinen Sohn zu ihnen schickte. Jesus verließ die Herrlichkeit des Vaters, lebte auf dieser Erde und starb einen grausamen Tod am Kreuz. Warum? Damit wir, Seine Kinder, neues Leben erhielten, eine neue Natur – ein Wesen, das es uns ermöglicht, einst ohne Schuld vor Ihm zu erscheinen, um dann bis in alle Ewigkeit in Seiner Gegenwart zu leben. »Die, die Du Mir gegeben hast …« Diese Menschen, die Ihm der Vater gegeben hat, gehören in gewisser Weise nicht mehr zur Welt. Jesus spricht von einem Gegensatz zwischen der Welt einerseits und Seinem Volk andererseits. Auch dieser Gedanke zieht sich durch das gesamte Hohepriesterliche Gebet: »Ich bitte für sie; nicht für die Welt bitte Ich, sondern für die, welche Du Mir gegeben hast, weil sie Dein sind« (V. 9), und Er fährt dann im 25. Vers fort: »Gerechter Vater, die Welt erkennt Dich nicht …« – Jesu Sorge gilt im Moment also nicht der Welt –, »Ich aber erkenne Dich, und diese erkennen, dass Du Mich gesandt hast«. Wen meint Er mit »diese«? Es ist offensichtlich, dass es die Menschen sind, die nicht mehr zur Welt gehören. Sie sind »geheiligt«, aus der Welt herausgenommen und abgesondert von dem, was die Bibel »ein verdrehtes und verkehrtes Geschlecht« (Phil. 2,15) nennt.

Was ich in diesem Zusammenhang besonders betonen möchte, ist der Aspekt des Trostes. Stellen Sie sich doch nur einmal vor: Wir leben als Christen in einer direkten, persönlichen Beziehung zu Gott, unserem Vater. Ist das nicht ein herrlicher und tröstlicher Gedanke? Haben wir eigentlich jemals so richtig begriffen, was das bedeutet? Bewegen wir diese Tatsachen in unserem Herzen? Denken wir in der Stille vor Gott darüber nach, dass der Sohn Gottes, kurz bevor Er am Kreuz sterben musste, vor allem eines im Sinn hatte: das Wohl der Menschen, die der Vater Ihm gegeben hatte, so wie Er es sagt: »Die, die Du Mir gegeben hast?« (Joh. 17,9). – Es geschieht mit Blick auf diese Menschen, dass der Sohn Gottes sagt: »Ich will …« Haben wir erkannt, dass es hier um uns geht? Wir verfallen ja oft in den falschen Gedanken, dass doch »eigentlich alles in unserer Hand« liege, dass wir uns für ein neues Leben »entschieden« haben, oder dass wir »von nun an« moralisch einwandfrei leben wollen. Doch das Christsein ist nicht unsere Sache. Es beruht nicht auf unserer Entscheidung. Es geht um etwas ganz anderes: Bevor Sie und ich geboren wurden, hat uns Gott schon erwählt und uns Seinem Sohn, unserem Herrn Jesus Christus, übergeben. Der Sohn kam auf die Welt, weil der Vater Sie, mich und alle anderen Christen auf dieser Welt »[Ihm] gegeben« hatte, damit Er diese Menschen erretten und für sie sterben sollte. Und nur deshalb, weil Er gekommen ist und uns durch Sein teures Blut erkauft hat, gehören wir zu Ihm. Wie traurig und wie tragisch, wenn wir diese Tatsachen nicht erkennen! Wie furchtbar, wenn wir auf uns selbst sehen und nur uns selbst vertrauen! Es kommt doch nicht auf unsere Aktivität an, sondern auf das, was Christus für uns getan hat!

 

3. Was betet der Herr für uns?

Nachdem wir nun darüber nachgedacht haben, wer für uns betet, und was es für Menschen sind, für die Er betet, sollten wir uns nun noch eine dritte Frage stellen: Was betet denn Christus für uns?

Nachdem der Herr um die Dinge gebetet hat, die uns nicht geschehen sollen (V. 15), betet Er nun um etwas, das mit uns geschehen soll: Er bittet Gott um unsere Heiligung, das heißt: Er bittet den Vater darum, dass wir Ihm ähnlicher werden, dass wir mehr und mehr tauglich werden für die Gemeinschaft mit Ihm. Dies sollten wir nie vergessen, wenn wir über unser Leben als Christen hier auf dieser Welt nachdenken. Denn das Leben auf dieser Welt ist eine Vorbereitung für das Leben in der kommenden Welt. Heiligung ist – so könnte man diesen Begriff definieren – das Vorbereitet-Werden auf unser Leben in der neuen Welt. Wir werden »geheiligt«, d. h. abgesondert von der Welt, und sind dazu erwählt, in einer immer innigeren Gemeinschaft mit unserem Herrn zu leben. »Heilige sie in Deiner Wahrheit« (Joh. 17,17), betet Jesus. Dann betet Er darum, dass wir das Band der Einheit, die uns der Heilige Geist durch die Wiedergeburt geschenkt hat, auch aufrechterhalten. Diese Einheit im Geist ist nicht etwas Mechanisches oder Methodisches, sondern etwas Lebendiges und Organisches; und um die Aufrechterhaltung dieser Gemeinschaft und Einheit mit Ihm betet unser Herr.

Nachdem Er nun diese Bitten ausgesprochen hat, kommt der Herr Jesus zum wichtigsten und herrlichsten Teil Seines Gebetes – zu den Versen, in denen Er Seinen Willen zum Ausdruck bringt. Mit anderen Worten: Das Gebet des Herrn umfasst unsere Vergangenheit, unser gegenwärtiges Leben und unsere Zukunft. Denn für einen Jünger des Herrn ist bis in alle Ewigkeit gesorgt. Das Beste kommt noch!

 

 

 

Blog

Die Hoffnung der Christen

Lesezeit: 13 min