Gott steht darüber – Afghanistan

Ist das unser christliches Heldenvorbild, dass keine Erschütterung unserer mutigen Stimmung eintreten kann? Für den fleischlichen Helden mag das zu seiner Rolle gehören. Wir sind aber durch das Innewohnen Christi nicht Übermenschen geworden, bei denen die menschliche Schwäche gegenüber Schmerz, Gefahr und Beunruhigung ausgemerzt wäre. Nein, wir können noch ganz leicht verängstigt werden, wenn Sorgen drohen oder die Seele in Gefahr gerät, gleichwie mächtige Wasserwogen daher brausen. Dafür aber sind wir in solchen Zeiten in anderer Beziehung den Weltmenschen überlegen. Sie sehen keine Rettung; ihnen gilt kein Trost Jesu; von der Gewissheit des letztendlichen Sieges ahnen sie nichts. Wir aber haben eine Zukunft, eine herrliche Zukunft. Darum können und dürfen wir nicht verzagen. 

Paulus stellte eine unbeantwortbare Frage: Wie waren die unbestreitbaren Auswirkungen seines Lebens zu erklären? Da er die Kraft nicht in sich selbst hatte, um das zu bewirken, was er erreichte, musste die Kraft von Gott kommen. Und wenn Paulus in der Kraft Gottes diente, war er ein echter Diener des Himmels. Gottes Kraft machte Paulus furchtlos und stark. Nichts, was seine Feinde tun konnten, hätte ihn vernichten können. Gottes aufrechterhaltende Kraft befähigte diesen Apostel, über seine Schwierigkeiten und seine Feinde zu triumphieren.

 

Bedrängt, aber nicht erdrückt

Wie wir schon mitteilten, musste Omar (Deckname) mit seiner Familie infolge eines furchtbaren Terroranschlags auf eine befreundete Missionarsfamilie plötzlich und unvorbereitet aus Afghanistan fliehen. Ihr eigenes Leben, aber noch mehr das der Christen in ihrer Nähe, schwebte in höchster Gefahr. Ohne Hab und Gut befanden sich Omar und seine Lieben nun in einem Nachbarland und waren dankbar, vorübergehend bei Glaubensgeschwistern unterkommen zu können. Sicherlich haben Sie, liebe Missionsfreunde, viel mit uns für diese Familie und die Christen in Afghanistan gebetet.

Heute dürfen wir Ihnen mitteilen, dass Gott das Gebet um eine Wohnung erhört hat. Die Familie durfte ein kleines Haus mieten. 

Doch die Sorge um die Christen in Afghanistan bekümmern Omar und seine Frau sehr. Die wenigsten ihrer dort wohnenden Glaubensgeschwister stehen länger als fünf Jahre im Glauben; der größte Teil von ihnen gehört noch zu den geistlichen „Kindern“. Werden sie wohl der Prüfung standhalten? Omar konnte nicht anders – trotz des hohen Risikos kehrte er nach vier Monaten für zwei Wochen nach Afghanistan zurück. Gott sei gedankt für die Bewahrung und reiche Frucht, die Er schenkte!

 

Bibelseminar in Afghanistan

Jeden Morgen von acht bis neun Uhr trafen sich dort die Brüder zum Beten; Omar führte von neun bis zehn Uhr ein Bibelseminar durch. Man las und studierte den Jakobusbrief, der ja exakt auf ihre Situation zutrifft, weil er davon spricht, wie sich der Glaube in Verfolgungszeiten und schwierigen Umständen bewährt; hier zeigt uns Gott, dass wir auch darin als Seine Kinder ein Leben des Glaubens führen können. Auf den Brüdern lastet eine große Verantwortung bezüglich ihres und der jungen Gläubigen geistlichen Lebens, weil der Druck durch Anfeindung und Gewalt keinen Moment nachlässt. Und leider kommt die größte Anfeindung aus den Reihen der engsten Verwandtschaft, der Familienangehörigen und Nachbarn; denn wer streng seinen muslimischen Glauben leben will, ist gezwungen, vom Islam Abgefallene zu terrorisieren.

Am Morgen des zehnten Tages klopfte es. Waren sie entdeckt worden? Vor der Tür stand ein Beamter einer Sondereinheit der Polizei. „Was geschieht in diesem Haus?! Warum kommen morgens Menschen hierher?!“, schoss es aus ihm heraus. Weil die Gruppe von etwa acht Personen recht klein war, konnten sie den Beamten beruhigen. Hätte aber ein Taliban- oder IS-Kämpfer vor der Tür gestanden, wäre es wohl zum nächsten Blutbad gekommen! – Unter diesen Umständen müssen unsere afghanischen Geschwister dort leben – sie werden permanent beobachtet und kontrolliert. 

 

Terror und Gewalt

In diesem März kam es in der Hauptstadt zu einem weiteren grauenvollen Ereignis. Eine junge Frau wurde in der Öffentlichkeit von einem Mullah (islamischer Gelehrter) bezichtigt, einen Koran verbrannt zu haben. Obwohl es sich um eine Verleumdung handelte, was Vertreter der Staatsgewalt auch bestätigten, ging die aufgehetzte Menschenmenge wutentbrannt auf die Frau los. Sie wurde brutal zusammengeschlagen und mit dem Auto überfahren. Danach verbrannte man ihren toten Körper und warf ihn in den Fluss. Dieses Beispiel macht deutlich, wie sehr der Hass in diesem Land regiert und wie viel Weisheit erforderlich ist, unter dieser Bevölkerung ein Zeuge Jesu zu sein. Wenn radikale Moslems erfahren, wie sich trotz der grausamen Verfolgung der Glaube an Jesus Christus immer mehr ausbreitet und wer Gottes Diener in diesem Werk sind, werden sie sie wohl in Stücke zu reißen suchen. Aber wir wissen auch, dass der allmächtige Gott über allem wacht – nichts entgleitet Seiner starken Hand.

Derzeit suchen unsere Geschwister in Afghanistan nach einer Basis, die es ihnen besser ermöglicht, die geistliche Arbeit verdeckt fortzusetzen. Momentan ist noch keine Lösung gefunden, was einmal mehr ein Gebetsanliegen für uns sein sollte.

Hinzu kommen die zunehmenden terroristischen Anschläge und die verstärkten Aktivitäten einer neuen extremistischen Bewegung. Es gibt vermehrt Entführungen von Menschen. 

Und doch dürfen wir sehen, dass Gott das Werk, an dem wir gemeinsam gearbeitet haben, weiterhin bewahrt, was uns sehr freut und ermutigt. Die Hausgemeindeleiter betreuen unentwegt die ihnen anvertrauten Gläubigen, was in unseren Augen etwas Wunderbares ist; wir können es nur der Gnade Gottes zuschreiben.

 

Gottes Führung

Während seines Aufenthaltes in Afghanistan hatte Sarah (Deckname), die Frau des Missionars, in ihrem neuen Wohnort eine wunderbare Begegnung mit einer Bekannten aus Afghanistan, die aus dieser Gegend stammte und nun wieder hierher zurückgezogen ist. Auch sie war zum Glauben gekommen und hatte in der Schule einige Eltern kennengelernt, die ebenfalls aus Afghanistan umgesiedelt waren und nun hier leben. Da sie nicht sehr gut Farsi spricht, bat sie Sarah, sie kommunikativ zu unterstützen. Gemeinsam organisierten sie ein Mittagessen für die afghanischen Frauen und ihre Kinder. Fünf der eingeladenen Frauen kamen mit ihren Kindern. Sarah wusste, dass es Gottes Fügung war. Wie glücklich war sie über dieses Zusammensein; es war für sie wie ein Tag in Afghanistan! Sie sprach ausschließlich Farsi mit den Gästen, und die ganze hier gelebte Kultur entsprach dem Platz, an den Gott sie vor sieben Jahren als Familie geführt hatte. Es war nur ein erstes Kennenlernen; doch es ist ihr Wunsch, auch diesen Frauen, die sich ebenfalls über dieses Treffen freuten, die rettende Botschaft von Jesus Christus zu bringen. Sie luden Sarah schon zu sich nach Hause ein.

Liebe Missionsfreunde, auch wenn es manchmal so scheint, als ob die Macht der Finsternis die Oberhand gewinne, lässt der einzig wahre, allmächtige Gott Seine Kinder doch immer wieder einen Lichtstrahl am Horizont erkennen. Er lässt die Seinen nicht im Stich und wird zuletzt in Herrlichkeit triumphieren – und mit Ihm Seine Kinder, die Er durch alle Prüfungen hindurchrettet und bewahrt.

Blog

Gott steht darüber – Afghanistan

Lesezeit: 5 min