Wir müssen das Wort Gottes studieren, weil es die Quelle der Kraft ist. Es ist das Wort Gottes, das uns geistliche Kraft spendet; und es gibt nichts Schlimmeres als das Gefühl, ein kraftloser Christ zu sein. In Apostelgeschichte 1,8a lesen wir: »… sondern ihr werdet Kraft empfangen …« Das griechische Wort für »Kraft« ist dynamis, was »wunderwirkende Kraft« bedeutet (es ist der Ursprung unseres Wortes »Dynamit«). Man könnte also sagen, dass wir mit dieser gewaltigen Kraft so sehr explodieren sollten, dass es die ganze Welt sehen kann. Aber vielleicht sagst du: »Explodieren?! In mir drin kribbelt es noch nicht einmal. Ich fühle mich wie ein Blindgänger.« Jemand sagt vielleicht, dass wir eigentlich unterwegs sein sollten, um Menschen für Jesus Christus zu gewinnen. Doch du sagst: »Soll das ein Witz sein? Ich doch nicht! Ich bin wie Mose, i-i-ich kann nicht sprechen« (s. 2.Mo. 3,10).
Manchmal lassen wir uns von unserem Unvermögen lähmen, weil wir die Kraft nicht kennen, die uns zur Verfügung steht. Das Wort Gottes wird uns Kraft spenden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich, je mehr ich über das Wort Gottes weiß, desto weniger Situationen fürchte, weil das Wort Gottes meine Kraftquelle ist. Wir wollen uns nun konkret einige Bibelstellen ansehen, um zu erkennen, inwiefern die Bibel eine Quelle der Kraft ist.
Hebräer 4,12: »Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet sowohl Seele als auch Geist, sowohl Mark als auch Bein, und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens.« Wenn du zur Bibel greifst und darin liest, wird sie bis in die tiefsten Tiefen deines Wesens durchdringen. Die Bibel ist ein mächtiges Buch!
Römer 1,16: Der Apostel Paulus schreibt: »Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht; denn es ist Gottes Kraft zur Errettung für jeden, der glaubt.« Wenn du jemandem das Evangelium bezeugst, dann kannst du dessen Kraft erfahren, wenn es eine jahrelang aufgebaute falsche Philosophie in sich zusammenbrechen lässt.
Epheser 4,23: »[Werdet] erneuert … im Geist eurer Gesinnung.« Unser Denken wird sich verändern.
Römer 12,2: »… sondern lasst euch [in eurem Wesen] verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes.« Es gibt eine lebensverändernde Umgestaltung.
2. Korinther 3,18: »Wir alle aber, indem wir mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen wie in einem Spiegel, werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, nämlich vom Geist des Herrn.« Wenn wir uns auf das Wort Gottes konzentrieren, wird es sich mit unglaublicher Kraft auf unser Leben auswirken. Wenn wir darüber nachsinnen, schenkt es uns Kraft. Es ist wie der alte Computer, der sagt: »GIGO – garbage in, garbage out.« Das bedeutet: Wo man Müll hineinsteckt, kommt auch Müll heraus; bzw. das, womit wir unsere Computer füttern, ist genau das, was sich anschließend wieder über unser Leben ergießt. Wenn wir uns vom Wort Gottes nähren, kommt das in unserem Leben direkt zum Vorschein. Es ist unsere Quelle der Kraft.
Epheser 1 bis 3: In diesen drei Kapiteln listet der Apostel Paulus einige Dinge auf, die wir wissen sollten. Sie stecken voller Theologie und enthalten einige großartige Wahrheiten:
»Gott, [hat] uns gesegnet … mit jedem geistlichen Segen in den himmlischen [Regionen] in Christus« (1,3b).
»Er [hat] uns begnadigt … in dem Geliebten« (1,6).
»In Ihm haben wir die Erlösung« (1,7a).
»In Ihm haben wir … die Vergebung der Übertretungen« (1,7b).
In Ihm haben wir »alle Weisheit und Einsicht« (1,8).
Wir besitzen das Wissen über die Weltzeiten, um den ewigen Ratschluss Gottes zu erkennen (1,9-10).
Wir sind »versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung« (1,13).
Wir haben den Heiligen Geist, »der das Unterpfand unseres Erbes ist« (1,14).
Christus hat »die Scheidewand des Zaunes abgebrochen« (2,14).
Wir sind vereinigt »in einem Leib mit Gott … durch das Kreuz« (2,16).
Wir sind »Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen« (2,19).
Wir werden »miterbaut … zu einer Wohnung Gottes im Geist« (2,22).
Wir haben »den unausforschlichen Reichtum des Christus« (3,8).
Uns ist die Gnade gegeben, zu sehen, »welches die Gemeinschaft ist, die als Geheimnis … in Gott verborgen war« (3,9).
All diese unglaublichen Reichtümer gehören uns, und Paulus möchte, dass wir sie kennen. In Epheser 1,17-18 sagt er, dass er darum betet, dass Gott uns den »Geist der Weisheit und Offenbarung gebe in der Erkenntnis Seiner Selbst, erleuchtete Augen eures Verständnisses, damit ihr wisst, … was der Reichtum der Herrlichkeit Seines Erbes in den Heiligen ist«. Er sagt also: Wenn wir diese Wahrheiten erfassen, dann würden wir die Wahrheit dessen erkennen, was er in Kapitel 3,20 sagt: »Dem aber, der weit über die Maßen mehr zu tun vermag, als wir bitten oder verstehen, gemäß der Kraft, die in uns wirkt …«
Siehst du die Kraftquellen? Hast du je darüber nachgedacht, dass du alles tun kannst, was du dir vorstellen kannst? Hast du je darüber nachgedacht, dass du mehr bewirken kannst, als du dir vorstellen kannst? Hast du je darüber nachgedacht, dass du weit über alles hinausgehen und alles übertreffen kannst, was du bitten oder dir vorstellen kannst? Das ist ganz schön viel Kraft, oder? Ganz ehrlich, es macht wenig Sinn, mit einem Zweizylinder herumzurumpeln, wenn uns solche Ressourcen zur Verfügung stehen. Wenn du dich vom Wort Gottes nährst, wird das eine gewaltige Wirkung haben. Es macht dein Leben zu einer Energiequelle, die jedermann jederzeit mit der Wahrheit konfrontieren kann.
Wir sollen das Wort Gottes also deshalb studieren, weil es die Quelle der Wahrheit, die Quelle des Glücks, die Quelle des Sieges, die Quelle des Wachstums und die Quelle der Kraft ist. Doch es gibt noch einen weiteren wichtigen Gewinn, den das Studium des Wortes Gottes mit sich bringt.
Wir sollen auch deswegen die Bibel studieren, weil sie die Quelle der Führung ist. Wann immer ich wissen will, was Gott von mir möchte, wende ich mich an Sein Wort. Man hört so oft Leute sagen: »Ich suche nach dem Willen Gottes.« Ist Gottes Wille denn verlorengegangen? Sie stellen sich Gott als himmlischen Osterhasen vor, der Seinen Willen im irdischen Gebüsch versteckt und dann vom Himmel aus Seinen Gläubigen zuruft: »Kalt! – Wärmer! – Heiß!« Das stimmt so nicht. Gottes Wille ist leicht zu finden; er steht in Seinem Buch geschrieben. Wenn wir die Bibel studieren, werden wir immer wieder auf die Wendung stoßen: »Das ist der Wille Gottes.«
Wir können den Willen Gottes also dadurch erfahren, dass wir das Wort Gottes studieren. Wie heißt es in Psalm 119,105? »Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.« Das ist eigentlich ganz einfach: Das Wort Gottes ist ein Leitfaden. Wenn ich vor einer Entscheidung stehe, finde ich in der Bibel eine Stelle, bei der vielleicht jemand im Alten oder Neuen Testament vor einer ähnlichen Entscheidung stand. Ich versuche zu verstehen, wie Gott diese Person geführt hat. Oder ich suche eine Stelle in der Bibel, an der ich eine direkte Antwort erhalte.
Doch hier gibt es auch noch einen subjektiven Aspekt: Als Christen haben wir den Heiligen Geist (Röm. 8,9). In 1. Johannes 2,27 heißt es: »Und die Salbung, die ihr von Ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr habt es nicht nötig, dass euch jemand lehrt; sondern wie euch die Salbung selbst über alles belehrt, ist es wahr und keine Lüge …« Wenn du die Bibel studierst, gebraucht der Heilige Geist in dir das Wort Gottes und formt daraus eine persönliche Anwendung, die dir Führung geben wird. Das ist eine unglaubliche Verbindung – die Wahrheit und auch einen innewohnenden Lehrer der Wahrheit zu haben. Diese Verbindung ist es, die den Christen leitet.
Was haben wir nun gelernt? Das Studium der Bibel bringt großen Gewinn. Sie ist die Quelle der Wahrheit, des Glücks, des Sieges, des Wachstums, der Kraft und der Führung.
Wenn das wirklich wahr ist, wenn die Bibel all das tun wird, wie sollen wir dann darauf reagieren? Auf einige Anwendungen möchte ich kurz eingehen.
1. Glaube ihr
Wenn es in der Bibel steht, dann glaube es. Jesus hat einmal die zwölf Jünger gefragt: »Wollt ihr nicht auch weggehen? Da antwortete Ihm Simon Petrus: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens« (Joh. 6,67-68). Petrus sagt hier: »Mich wirst du nicht los. Ich habe die Quelle der Wahrheit gefunden.« Wenn Gottes Wort wahr ist, dann bleib dran! Glaube dem Wort!
2. Ehre es
Wenn dies das Wort Gottes ist, dann ehre es! In Hiob 23,12b macht Hiob eine großartige Aussage: »… die Worte Seines Mundes bewahrte ich mehr als meine Grundsätze.« Wenn die Bibel das Wort Gottes ist – und all das zu tun verspricht, wovon wir eben sprachen –, dann glaube ihr und ehre sie! Tatsächlich sagt der Psalmist in Psalm 138,2b: »… denn Du hast Dein Wort groß gemacht über all Deinen Ruhm hinaus.« Ist das nicht unglaublich? Gott ehrt Sein Wort.
Die Bürger von Ephesus beteten die Göttin Diana an. Diana stellt man sich gewöhnlich als eine schöne, elegante junge Frau vor. Doch sie war eine hässliche, finstere Gestalt, eine der groteskesten Gestalten, die ich je gesehen habe. Doch sie beteten ununterbrochen diesen Götzen an, weil der Aberglaube besagte, dass sie vom Himmel gefallen und deshalb der Verehrung wert sei. Ich sage dir, was für die Bibel gilt: Sie ist tatsächlich vom Himmel gekommen, aber diese Statue nicht. Glaube also der Bibel und ehre sie!
3. Liebe sie
Wenn die Bibel ganz wahr ist, dann tun wir gut daran, sie zu lieben. Der Psalmist ruft aus: »Wie habe ich Dein Gesetz so lieb!« (Ps. 119,97). Und ich mag besonders, was in Psalm 19,11 über die Bestimmungen des Herrn gesagt wird: »Sie sind begehrenswerter als Gold und viel Feingold, süßer als Honig und Honigseim.« In der Tat bilden die Verse 8 bis 11 von Psalm 19 eine der schönsten Bibelstellen. Wenn die Bibel es also sagt, dann glaube ihr, ehre sie und liebe sie!
4. Gehorche ihr
Darüber haben wir bereits gesprochen: Wenn die Bibel wahr ist, dann sollten wir ihr gehorchen. Folge der Ermahnung aus 1. Johannes 2,5a: »… wer aber Sein Wort hält, in dem ist wahrhaftig die Liebe Gottes vollkommen geworden.« Wenn sie wirklich das ist, was sie zu sein behauptet, dann sollten wir ihr glauben, sie ehren, sie lieben und ihr gehorchen, koste es uns, was es wolle. Es ist interessant, was in Römer 6,16a steht: »Wisst ihr nicht: Wem ihr euch als Sklaven hingebt, um ihm zu gehorchen, dessen Sklaven seid ihr und müsst ihm gehorchen?« Wenn du dich Gott als Diener hingibst, dann gehorchst du Ihm!
5. Kämpfe für sie
Wenn die Bibel wirklich wahr ist, dann kämpfe für sie! In Judas 3 heißt es, dass wir für den Glauben kämpfen sollen. Mit »Glauben« ist hier »die gesamte offenbarte Wahrheit« gemeint. Das griechische Wort für »kämpfen« ist hier epagonizomai, was auch »ringen« bedeutet. Ringe darum, steige in den Ring, um das Wort Gottes zu verteidigen. Wenn es wirklich wahr ist, wenn es die Dinge tun kann, die es behauptet, dann glaube ihm, ehre es, liebe es, gehorche ihm und kämpfe dafür!
6. Verkündige es
In 2. Timotheus 4,2a sagt Paulus schlicht: »Verkündige das Wort!« Wenn es wirklich wahr ist: Verkündige es! Wenn wir ihm nun also glauben, es ehren, es lieben, ihm gehorchen, dafür kämpfen und es verkündigen wollen, dann müssen wir es:
7. Studiere es
In 2. Timotheus 2,15 schreibt Paulus an Timotheus: »Strebe eifrig danach, dich Gott als bewährt zu erweisen, als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen braucht, der das Wort der Wahrheit recht teilt.« »Recht teilen« bedeutet so viel wie »in gerader Richtung schneiden«. Studiere das Wort Gottes, damit du es richtig auslegen kannst – damit du den Text in gerader Richtung schneidest.
Paulus gebrauchte die Sprache der antiken Zeltmacher. Ein solcher Handwerker fertigte ein Zelt aus vielen unterschiedlichen Tierhäuten an. Er musste jede einzelne dieser Häute nehmen und so zuschneiden, dass das Ganze zusammenpasste. Wenn er nicht jedes einzelne Stück richtig zuschnitt, passte alles nicht mehr zusammen. Mit anderen Worten: Paulus sagt hier, dass es ohne Exegese keine Theologie geben kann. Die wahre Theologie des Christentums erhalten wir nur, wenn wir die Verse richtig ausgelegt – in gerader Richtung geschnitten – haben, und das erfordert gründliches Studieren.
Charles Spurgeon sagte, dass jeder Christ so gründlich die Bibel studieren solle, bis sein Blut »Biblin« ist – die Essenz der Bibel selbst. Weißt du, was man über Apollos sagte? Im Neuen Testament wird er dafür gepriesen, dass er »mächtig war in den Schriften« (Apg. 18,24). Es ist mein Gebet, dass du das Wort Gottes studierst, verkündigst, dafür kämpfst, ihm gehorchst, es liebst, es ehrst und ihm glaubst.

Ein Auszug aus dem Buch:
»Wie man die Bibel studiert«
Dieses Buch ist ein motivierender Ratgeber, der beides beantwortet – das »Warum« und das »Wie« des Bibelstudiums. In diesem Werk untersucht John MacArthur verschiedene Bibelstellen im Alten und Neuen Testament. Aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung führt er den Leser in praktischen Schritten zu größerem Gewinn im Erforschen der biblischen Wahrheiten.
Jeder Teil wird durch Fragen für einen Rückblick und Gedanken für eine persönliche Reflexion bereichert. Dieses gründliche, aufschlussreiche und prägnante Werk dient als hervorragendes Hilfsmittel für das persönliche oder das gemeinsame Bibelstudium.


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