Missionare in Afghanistan

Omar und Sarah sind ein hingebungsvolles Missionarsehepaar, das 7 Jahre lang in Afghanistan den Muslimen das Evangelium der Gnade Gottes verkündigt hat. Nachdem Gott in Seiner Gnade einheimische Menschen errettet hat und einige Untergrundgemeinden gegründet wurden, reiste die Missionarsfamilie zurück in ihre Heimat und unterstützt jene Geschwister seitdem vom Ausland aus. 

Omar war in dem damals vorherrschenden Zeitgeist des Atheismus und Kommunismus in Kasachstan erzogen worden, ohne einen Bezug zur Religion oder zu Gott zu haben. Die (Un-)Werte, die in der Welt galten, wurden auch ihm mitgegeben; er hatte sie in sein Leben integriert. Die Straße trug auch ihren Teil zu seiner Prägung bei: Als Mitglied einer Verbrecherbande hatte er mit Drogen und Alkohol zu tun, beging Erpressung, Raubüberfälle und andere Delikte. Das war sein Leben. 

 

Die Suche nach Rettung

Doch mit Anfang zwanzig sollte sein Leben eine entscheidende Wendung nehmen. Omar sah bei einem Freund zu Hause eine Bibel liegen – das Buch, von dem wir wissen, dass es die Kraft hat, Sünder zu erretten und sie völlig zu verwandeln. Omar hatte schon von diesem Buch gehört und begann, wie er es gewohnt war, zuerst von hinten zu lesen. Denn wenn das Ende gut ist, dann muss es ein interessantes Buch sein. Doch mit der Offenbarung konnte er nicht viel anfangen; und so begann er von vorne zu lesen. Er las und las und konnte sich nicht mehr davon losreißen – er hatte schon immer gerne gelesen und hielt nun ein Buch in den Händen, das anders war als normale Literatur.

Beim Lesen der fünf Bücher Mose führte Gott ihm deutlich vor Augen, wer er war: ein verlorener Sünder.

»Verflucht sei, wer die Worte dieses Gesetzes nicht aufrechterhält, indem er sie tut!« (5.Mo. 27,26). Als Omar diese Worte las, ergriff ihn die Furcht, einst Gott begegnen und sich für alles verantworten zu müssen.

So begab er sich auf die Suche nach Menschen, die etwas von Gott wussten und ihm vielleicht eine Lösung für sein Problem zeigen könnten.

Als er an einem Sonntag mit einem Freund unterwegs war, sahen sie ein Gemeindehaus, und der Freund schlug vor, hineinzugehen. Drinnen wurden sie freundlich empfangen und eingeladen, im Saal Platz zu nehmen; doch Omar schaute nur kurz hinein und verließ das Haus. Am nächsten Sonntag kam er wieder und wurde erneut eingeladen. Nun setzte er sich auf den hintersten Platz, ganz am Rand, direkt neben der Tür, erhob sich aber kurz darauf wieder und ging. Als er am dritten Sonntag wiederkam, war der Gottesdienst bereits vorbei und der Versammlungsraum fast leer. Omar kam nur kurz mit einem Mann ins Gespräch und ging wieder. 

 

Ein neues Leben

Die nächsten zwei Monate besuchte er die Sonntagsgottesdienste dieser Gemeinde und kam immer wieder mit vielen Fragen zum Pastor. Bei einer Predigt wurde Omar über das Wort aus Römer 5,8 erschüttert. »Gott aber beweist Seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.« – Ihm wurde klar, dass dies die Lösung auf seine Fragen ist! Der gerechte Sohn Gottes starb für Sünder! Jetzt konnte er an Jesus Christus glauben! An diesem Tag brachte Gott eine Wendung in Omars Leben; er bekam eine völlig neue Identität. Ja, er war immer noch der gleiche junge Mann mit einer dunklen Vergangenheit; aber der Herr hatte Omars Schuld auf sich genommen und durch die Kraft Seines Evangeliums Licht ins Dunkel gebracht! 

Omar erzählte überwältigt, dass seit diesem Tag weder Drogen noch Alkohol oder Nikotin eine Anziehungskraft auf ihn hatten. Doch das wohl größte Zeugnis seines Lebens war die Versöhnung mit seinem Vater, der die Familie verlassen hatte, als Omar erst 15 war. Omar hatte es ihm bisher nicht vergeben können; doch nun war alles anders – er wollte und konnte jetzt seinem Vater durch die verändernde Kraft Gottes vergeben und wünschte sich so sehr, dass sein Vater auch von dieser Freudenbotschaft erführe. 

Sein Leben veränderte sich völlig. Die alten Freunde wollten mit ihm als einem Christen nichts mehr zu tun haben, denn seine Interessen waren jetzt völlig gegensätzlich zu den ihrigen. Omar wollte keinen Gottesdienst mehr versäumen; der Hunger nach der Gemeinschaft und nach Gottes Wort war so groß, dass er fast täglich den Pastor besuchte. Er hatte vieles in seinem Leben zu ordnen, aber der Herr gab ihm Mut und Freudigkeit, für seine Sünden und Vergehungen an anderen Menschen um Vergebung zu bitten. Die Brüder der örtlichen Gemeinde sahen bei Omar die Frucht seiner Errettung; sie sahen eine völlige Veränderung – und nicht lange danach wurde er getauft.

 

Predige das Evangelium dort, wo Christus noch unbekannt ist!

Omar war nun 23 Jahre alt und wollte sein ganzes Leben in den Dienst Gottes stellen. Deshalb bat er den Herrn, ihm eine Aufgabe zuzuweisen. Als ein Evangelist für einige Wochen einen Begleiter für eine Missionsreise nach Tadschikistan suchte, war Omar zur Stelle. 

Bei einem Seminar für Mitarbeiter in der Gemeinde wurde ein Teil des Römerbriefes ausgelegt. Im 10. Kapitel geht es um die Frage, wie die Menschen an Jesus glauben sollen, ohne von Ihm gehört zu haben, wo doch der Glaube vom Hören des Wortes Gottes kommt, und es heißt weiter: »Wie sollen sie aber hören ohne einen Verkündiger?« (V. 14). Omar nahm dieses Wort für sich persönlich an, als seine Lebensaufgabe. Es wurde ihm klar: Das war Gottes Bestimmung für ihn. 

Er arbeitete zunächst weiter in seinem Beruf als Automechaniker und bat den Herrn, ihm einen Weg in den vollzeitigen Dienst zu öffnen. Zwei Jahre lang war er in einer Evangelisationsgruppe aktiv. Sie fuhren durch alle Regionen Kasachstans und predigten dort, wo sie »offene Türen« vorfanden. Doch es lag ihm auf dem Herzen, nach Tadschikistan zurückzukehren, wo es nur sehr wenige Gemeinden und Gläubige gab. Paulus betont in Römer 15,20-21, dass es ihm daran lag, das Evangelium dort zu predigen, wo es noch unbekannt war, wo noch niemand gepredigt hatte – um nicht auf fremden Grund zu bauen. 

Nachdem Omar am Bibelunterricht seiner Gemeinde teilgenommen hatte, wurde er 1998 nach Tadschikistan ausgesandt, wo er zusammen mit anderen Brüdern am Evangelisations- und Predigtdienst teilnahm. Durch diesen Dienst öffnete der Herr manch einem Sünder das Herz für das Evangelium. Eine junge Frau namens Sarah gehörte auch zu denen, die durch die Predigten von Omar zum Glauben an Christus kamen. Wenige Jahre später heirateten Omar und Sarah. Ab 2005 diente er als Pastor in einer Gemeinde. Gleichzeitig betete eine Gruppe von Brüdern, dass Gott eine Tür nach Afghanistan öffnen möge; denn auch dort lebten etwa 7,6 Mio. Tadschiken, von denen die meisten das Evangelium noch nie gehört hatten. Die wenigen Gläubigen in Afghanistan konnten sich nur im Untergrund versammeln, wie es ja auch heute noch ist. 

2007 verließ Omar mit seiner jungen Familie Tadschikistan und ging zurück in seine Heimat nach Kasachstan, ohne zu wissen, welche Aufgabe der Herr als nächstes für ihn vorbereitet hatte. Im Gebet bat das junge Ehepaar Gott um Wegweisung. 

In Kasachstan mangelte es zwar auch nicht an Arbeit: Gott hatte Menschen zu neuem Leben erweckt. In vielen Städten gab es bereits Hausgemeinden, in denen ein Pastor benötigt wurde. 

Doch dann wurde Omar gebeten, mit seiner Familie nach Afghanistan umzuziehen, um dort als Missionare zu leben. Diese Bitte lastete schwer auf seiner Seele. Bei ihren Überlegungen besprachen Omar und Sarah die vielen Gefahren und Probleme, denen sie in Afghanistan begegnen würden. Da kamen ihm wieder die Worte aus Römer 15,20-21 in den Sinn, durch die Gott schon früher zu ihm gesprochen hatte: »Dabei mache ich es mir zur Ehre, das Evangelium nicht dort zu verkündigen, wo der Name des Christus schon bekannt ist, damit ich nicht auf den Grund eines anderen baue, sondern, wie geschrieben steht: ›Die, denen nicht von Ihm verkündigt worden ist, sollen es sehen, und die, welche es nicht gehört haben, sollen es verstehen‹.« Erneut erinnerte Gott ihn an diese Menschen und somit an seine Berufung. 

In dieser Entscheidungsphase geriet Omar in einen schweren Autounfall. Er erzählte: »Mein Wagen überschlug sich und kam erst ganz knapp vor einem Abgrund zum Stehen. Unten verliefen Bahngleise, auf denen kurz darauf ein Zug vorbeifuhr. Durch diesen Unfall machte Gott mir deutlich: ›Du bist in Meiner Hand, und sicher bist du nur dort, wo Ich mit dir bin. Ungefährlich ist es nicht dort, wo es logisch betrachtet ungefährlich ist; ungefährlich ist es dort, wo Ich mit dir bin.‹« So kam Omar zu der Entscheidung, nach Afghanistan zu gehen, und fragte seine Frau nach ihrer Einschätzung. Er wollte sie nicht einfach vor vollendete Tatsachen stellen, da es eine folgenschwere Entscheidung war, bei der er sich ihres völligen Vertrauens auf den Herrn und ihrer rückhaltlosen Unterstützung seines Entschlusses sicher sein wollte. 

Einige Monate später war es soweit; sie zogen nach Afghanistan um und begannen dort ihren Dienst. Sie wussten vorher nicht, wo sie wohnen und wo ihre Kinder zur Schule gehen könnten, aber sie vertrauten dem Herrn, der sie in dieses Land geführt hatte, dass Er auch für alles Weitere sorgen würde. 

Zunächst kamen sie im Haus einer Familie unter, die für einige Zeit außer Landes war. 

 

Arbeit in Afghanistan 

In Absprache mit der Regierung starteten sie Bildungsprojekte: Allgemeinbildung für Vorschulkinder, Englisch- und Computerkurse. In einem Frauenzentrum konnten Englisch- und Nähkurse belegt werden. In den meisten Fällen bleibt afghanischen Frauen eine Ausbildung verwehrt. Wenn eine afghanische Familie einen Sohn und eine Tochter hat, ihr Geld aber nur für die Schulbildung eines Kindes reicht, finanzieren sie dem Jungen die Ausbildung. Diese Bildungsprojekte waren eine hervorragende Möglichkeit für Omar und Sarah, Kontakt zu Menschen aufzubauen und ihnen nach und nach das Evangelium zu vermitteln.

Daneben konnte Omar mit einem Bruder Neubekehrte im Wort Gottes unterweisen. Ihr Ziel war es, gesunde afghanische Gemeinden aufzubauen, die auf dem Wort Gottes gegründet sind. Dieser Dienst war begleitet von einem harten Kampf, der vor dem Herrn auf den Knien im Gebet ausgefochten werden musste. Omar und Sarah waren sich stets dessen bewusst, dass allein Gottes Wort und Geist eine bleibende Umkehr in den Herzen dieser vom Islam geprägten Menschen vollbringen konnten, und es war ihnen auch klar, dass sie dieser Dienst ihr Leben kosten könnte, weil es Verräter geben konnte – und auch tatsächlich gab.

Innerhalb der 7 Jahre, die Omar und Sarah mit ihrer Familie in Afghanistan gelebt und gedient haben, hat der Herr viele Afghanen errettet und ihnen den Glauben an Jesus Christus geschenkt. Kein Charakterzug eines Menschen ist so schön wie seine Liebe zum Herrn. Bei vielen der Gläubigen in Afghanistan hat sie sich darin gezeigt, dass sie nach der Gemeinschaft mit dem Herrn und mit anderen Christen hungerten und darum bereit waren, für Jesus Christus zu sterben. Drei der afghanischen Brüder sind sogar in den vollzeitigen Missionsdienst eingetreten. 

Nachdem im Jahr 2014 eine andere Missionarsfamilie Ziel eines Anschlags wurde, den nur die Frau und Mutter überlebte, und nachdem Omar mitsamt seiner Familie daraufhin ebenfalls Morddrohungen erhielt, beschloss er, seine Familie außer Landes zu bringen. Für einige Wochen kamen sie gemeinsam zu uns nach Deutschland, erholten sich hier, genossen die Gemeinschaft mit den Gläubigen und wurden zum weiteren Dienst ausgerüstet.

Die Verantwortung für die Missionsarbeit in Afghanistan übergab Omar nach und nach den einheimischen Christen. Er berichtet: »Gott ermöglicht es uns, mehrere Schulungen im Jahr mit Glaubensbrüdern durchzuführen, um sie in ihrem Ältestendienst zuzurüsten. Sie sind zu selbstständigen Dienern im Reich Gottes geworden. Auch die Seelen, die durch sie mit dem Evangelium erreicht und gerettet wurden, wachsen im Glauben und in der Erkenntnis. Des Weiteren können jährlich mehrere Frauenseminare durchgeführt werden, was unsere Glaubensschwestern stärkt und geistlich wachsen lässt. Sie sehnen sich sehr nach Gesprächen und Gemeinschaft mit anderen Gläubigen. Gott sei Dank für Sein Wirken an Seiner Gemeinde in Afghanistan! Trotz großer Verfolgung sind die Geschwister motiviert, dem Herrn nachzufolgen und für Ihn zu leiden. Wir danken euch für eure Gebete, die uns bis hierhin begleitet haben.«

Herzlichen Dank, liebe Geschwister und Freunde, für eure Gebete und auch für eure Gaben! Durch Gottes große Güte durften wir Omar und drei weitere Missionare Jahr für Jahr finanziell unterstützen.

Seit nun schon 6 Jahren lebt Omar mit seiner Familie wieder in Kasachstan, dient dem Herrn dort als Prediger und Lehrer und fährt regelmäßig nach Afghanistan, um die verfolgten Geschwister zu ermutigen und zu stärken und um zu sehen, wie es ihnen ergeht. 

Im März 2021 war Omar schwer erkrankt und lag sieben Tage lang auf der Intensivstation. Es war eine schwere Zeit für die Familie; gemeinsam haben wir den Herrn angefleht, und Er gab Seine Gnade. Omar durfte nach zweieinhalb Wochen das Krankenhaus verlassen, ist jetzt wieder wohlauf, und wir dürfen dem Herrn weiter dienen, solange Er uns in dieser Welt leben lässt! 

Bitte beten Sie für die verfolgten Christen in Afghanistan!

Blog

Missionare in Afghanistan

Lesezeit: 9 min