Die allgemeine Gnade – Gottes Güte gegenüber allen Menschen

11 Februar, 2026

Kategorie: Erbauung

Thema: Gnade

Die allgemeine Gnade – Gottes Güte gegenüber allen Menschen

1. Wesen und Bedeutung der allgemeinen Gnade

Die Bibel bezeugt, dass Gott in Seiner Güte nicht nur den Gläubigen, sondern allen Menschen Wohltaten erweist. Obwohl die Menschheit durch den Sündenfall die Gemeinschaft mit Gott verloren hat, hat Er die Welt nicht sich selbst überlassen.

Die »allgemeine Gnade« beschreibt das gnädige Wirken Gottes, durch das Er die gefallene Schöpfung erhält, die Macht der Sünde begrenzt und dem Menschen Gutes tut, auch wenn dieser Ihn Selbst ablehnt.

Die »allgemeine Gnade« ist keine rettende Gnade, sondern eine erhaltende und zügelnde Gnade. Sie offenbart, dass Gott dem Sünder mit Güte begegnet – nicht, weil der Mensch es verdient hätte, sondern weil Gott in Seinem Wesen gut ist. »Der HERR ist gütig gegen alle, und Seine Barmherzigkeit waltet über allen Seinen Werken« (Ps. 145,9).

Wäre Gott nur gerecht, ohne zugleich gnädig zu sein, hätte Er die Menschheit sofort nach dem Sündenfall ausgelöscht. Doch Er übt Geduld; Er trägt und erhält sie. Er lässt das Böse lange Zeit gewähren, um Raum zur Buße zu geben. Dies ist das Zeugnis Seiner allgemeinen Gnade.

Der Apostel Paulus erinnert die Menschen in Lystra daran, indem Er sagt: »… und doch hat Er sich Selbst nicht unbezeugt gelassen; Er hat uns Gutes getan, uns vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben und unsere Herzen erfüllt mit Speise und Freude« (Apg. 14,17). Diese Güte Gottes zeigt, dass Er selbst in einer gefallenen Welt nicht fern, sondern täglich wirksam ist.

2. Ausdrucksformen der allgemeinen Gnade

Gottes allgemeine Gnade ist überall sichtbar. Wer offene Augen dafür hat, kann sie in vielen Bereichen des Lebens erkennen:

In der Erhaltung der Schöpfung

Gott erhält das Universum, die Naturgesetze, das Klima, den Rhythmus von Tag und Nacht, Saat und Ernte (1.Mo. 8,22). Ohne Sein Wort würde alles vergehen (Hebr. 1,3). Dass die Welt nicht in völligem Chaos versinkt, ist kein Zufall, sondern Ausdruck Seiner beständigen Gnade. Jeder neue Tag ist ein Beweis Seiner Treue: »Gnadenbeweise des HERRN sind’s, dass wir nicht gänzlich aufgerieben wurden, denn Seine Barmherzigkeit ist nicht zu Ende« (Kla. 3,22).

In der Begrenzung der Sünde

Gott lässt die Bosheit der Menschen nicht ungehindert wüten. Durch das Gewissen, die staatliche Ordnung und soziale Strukturen zügelt Er das Böse (Röm. 13,1-4). Selbst das moralische Empfinden von Ungläubigen – ihr Sinn für Gerechtigkeit, ihr Mitleid, ihre Treue – sind Spuren Seines ordnenden Wirkens in einer gefallenen Welt. Würde Gott diese Gnade zurückziehen, bliebe nichts als Finsternis, Chaos und Gewalt.

In den Gaben des täglichen Lebens

Freude, Familie, Freundschaft, Musik, Kunst, Wissenschaft, Erholung – all das sind Gaben Gottes. Wenn man es genau betrachtet, sind sie keine Früchte menschlicher Leistung, sondern Geschenke Seiner Güte. Jesus Selbst bezeugt: »Denn Er lässt Seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte« (Mt. 5,45). Jeder Sonnenaufgang, jede Mahlzeit, jeder Augenblick der Freude trägt die Handschrift des Schöpfers, der Gutes tut, selbst denen gegenüber, die Ihn ablehnen.

In der Geduld und Langmut Gottes

Gott richtet nicht sofort. Er wartet. Diese Geduld ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen Seiner Güte (Röm. 2,4; 2.Pt. 3,9). Jeder Tag, an dem ein Mensch in Sünde lebt und doch immer weiter atmet, zeugt von der Langmut Gottes und zugleich Seinem Ruf zur Buße. Er hält das Gericht noch zurück, damit der Mensch Zeit hat, umzukehren: »… erkennst [du] nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?« (Röm. 2,4).

3. Zweck und Ziel der allgemeinen Gnade

Gottes allgemeine Gnade ist kein Zufallsphänomen und kein bloßes Mitleid mit der Welt. Sie folgt einem göttlichen Zweck. Sie ist das Werk des Schöpfers, der die gefallene Menschheit trägt, erhält und ruft, bis Sein Erlösungsplan vollendet ist. Was ist also der Zweck der allgemeinen Gnade?

Sie dient der Offenbarung Seiner Güte

Durch die allgemeine Gnade offenbart Gott der Welt, wie gut Er ist. Selbst wenn Menschen Ihn verwerfen, schenkt Er ihnen Gutes, damit sie erkennen, wie freundlich, geduldig und gerecht Gott ist. So ist jede Gabe, jede Freude, jeder schöne Moment eine stille Einladung, den Geber zu suchen. Wer die allgemeine Gnade erkennt, wird aufgerufen, zur rettenden Gnade in Christus zu kommen.

Sie schafft Raum für das Evangelium

Die allgemeine Gnade bewahrt die Welt, damit das Evangelium verkündigt werden kann. Würde Gott die Schöpfung sofort dem Gericht preisgeben, gäbe es keinen Raum mehr für Erlösung. Seine Gnade hält die Weltgeschichte offen, bis das Evangelium alle Völker erreicht hat (Mt. 24,14). Darum ist jede Generation, jeder Bestand menschlicher Ordnung, jede Möglichkeit zur Verkündigung ein Akt Seiner bewahrenden Gnade.

Sie erinnert uns an Gottes Güte und ruft zur Dankbarkeit auf

Auch der Gläubige lebt täglich aus der allgemeinen Gnade. Jeder neue Tag, ja jeder Atemzug ist unverdiente Güte aus der Hand Gottes. Darum soll der Christ dankbar und demütig leben – im Bewusstsein dessen, dass alles Gute ein Geschenk von oben ist (Jak. 1,17).

Sie unterscheidet sich von der rettenden Gnade

Die allgemeine Gnade erhält das Leben, sie rettet jedoch nicht das Herz. Sie bewahrt die Welt, aber sie erneuert den Menschen nicht von innen heraus. Nur die besondere, rettende Gnade Gottes in Christus schenkt Vergebung, neues Leben und ewige Gemeinschaft mit Ihm (Eph. 2,8-9). Doch beide Formen der Gnade haben denselben Ursprung: die unbegreifliche Güte unseres Gottes.

Die allgemeine Gnade ist also wie ein Schutzschild Gottes über einer gefallenen Welt. Sie erhält das Leben, zügelt das Böse und schenkt Segen, damit die Menschen Ihn suchen, Seine Güte erkennen und zur rettenden Gnade in Christus geführt werden.

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Die allgemeine Gnade – Gottes Güte gegenüber allen Menschen

von Sam Derksen Lesezeit: 4 min