Lieder, die auf dem Wort gegründet sind
Geistliche, bibeltreue Lieder sind Lieder, die aus dem Wort Gottes hervorgehen und auf Gott hin ausgerichtet sind. Ihre Grundlage ist nicht die wechselhafte Gemütslage des Menschen, sondern die unveränderliche Wahrheit der Heiligen Schrift. Solche Lieder verkünden das Evangelium, ehren Christus und erbauen die Gemeinde. Sie sprechen Herz und Seele an, ohne den Verstand auszuschalten. Sie verbinden Lehre und Leben, Wahrheit und Anbetung, Gnade und Heiligung.
Ein geistliches Lied richtet den Blick nicht auf uns selbst, sondern auf Christus. Es erinnert uns an Sein vollbrachtes Werk, ruft uns zur Buße, stärkt den Glauben und entzündet die Liebe zum Herrn Jesus aufs Neue. Es führt uns in echte Dankbarkeit und Demut. So werden Lieder zu Wegweisern, die uns in die Gegenwart Gottes führen.
Der Apostel Paulus schreibt: »Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen in aller Weisheit; lehrt und ermahnt einander und singt mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern dem Herrn …« (Kol. 3,16).
Ein bibeltreues Lied ist also kein Ersatz für das Wort Gottes, sondern ein Werkzeug Seines Wortes. Es legt das Wort Gottes aus, trägt Seine Wahrheit in die Herzen, festigt die Gemeinde in der Wahrheit und hilft der nächsten Generation, das Wesen und die Herrlichkeit Christi zu erkennen. Wo solche Texte gesungen werden, bleibt das Feuer der Anbetung lebendig – von Generation zu Generation.
Geistliche Lieder prägen das Herz tiefer als gesprochene Worte. Wir singen Lieder in der Regel mehr als einmal, nehmen ihre Botschaft in uns auf, glauben an ihre Wahrheit und behalten ihre Worte oft länger im Gedächtnis als vieles andere. Darum sind geistliche Lieder nicht nur Ausdruck des Glaubens, sondern auch ein Mittel, durch das er wächst und geformt wird. In der Gemeinde prägen sie das gemeinsame Bekenntnis, in der Familie den Glaubensalltag der Kinder, und in der Gesellschaft tragen sie das Zeugnis des Evangeliums in die Welt hinaus.
Ein Volk, das das Evangelium singt, wird dadurch geprägt und verwandelt. Darum war die Reformation nicht nur eine Bewegung der Predigt, sondern auch des Gesangs. Luther sagte:
»Die Musik ist eine herrliche Gabe Gottes; sie vertreibt den Teufel und macht die Menschen fröhlich.«
Wahre geistliche Musik entsteht dort, wo Christus im Mittelpunkt steht und die biblische Botschaft erschallt. Wenn geistliche Lieder in Ehrfurcht und Demut gesungen werden, dienen sie nicht der Selbstdarstellung, sondern der Anbetung Gottes. Sie lenken den Blick weg vom Menschen und hin zu Gott.
In der Kirchengeschichte sehen wir, dass die meisten geistlichen Lieder, die bis heute Bestand haben, nicht in erster Linie von Dichtern oder Musikern stammen, sondern von Predigern und Theologen. Sie wussten, dass jedes Lied eine Botschaft trägt, die sich tief in Herz und Sinn der Gemeinde einprägt. Darum wollten sie sicherstellen, dass diese Botschaften biblisch fundiert, lehrmäßig gesund und christuszentriert sind.
Aus diesem Grund lag die Verantwortung für das Prüfen, Genehmigen und Herausgeben von Liederbüchern häufig in den Händen von Ältesten oder geistlichen Leitern einer Gemeinde.
Sie verstanden: Wer die Lieder auswählt oder schreibt, wer sie arrangiert, produziert und herausgibt, prägt die Gemeinde.
Ein aktuelleres Beispiel dafür ist die Grace Community Church in Sun Valley, Kalifornien. Sie verwendet das Liederbuch »Hymns of Grace«, an dessen Auswahl und theologischer Prüfung Pastor John MacArthur maßgeblich beteiligt war. Damit zeigte diese Gemeinde, wie ernst sie die geistliche Verantwortung nimmt, die mit der Gemeindemusik verbunden ist.
Sind diese Prinzipien des Schreibens, Prüfens und Auswählens von Liedern nicht auch in unserer Zeit von Bedeutung? Dürfen wir die geistliche Verantwortung für die Gemeindemusik wirklich einfach beliebigen Musikern überlassen – Menschen, deren Herz und Verständnis vielleicht gar nicht auf die Heiligkeit, Reinheit und Erbauung der Gemeinde ausgerichtet sind?
Musik – ein mächtiges Werkzeug
Musik ist niemals nur ein neutraler Träger einer Botschaft – sie wirkt auch selbst. Sie spricht den ganzen Menschen an: Verstand, Gefühl und Willen.
Vielleicht hast du schon einmal bewusst auf die Hintergrundmusik in einem Kaufhaus geachtet. Viele bemerken sie kaum, doch genau das macht sie so wirkungsvoll. Die Musik wird dort gezielt eingesetzt, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen und unbewusst zum Kauf anzuregen. Langsame, harmonische Klänge lassen Menschen länger verweilen, entspannen und dadurch mehr Produkte wahrnehmen. In anderen Situationen (etwa in bestimmten Abteilungen oder zu Stoßzeiten) kann auch schnellere oder energiegeladenere Musik eingesetzt werden, um den Rhythmus der Kundschaft zu beeinflussen.
Musik ist ein mächtiges Werkzeug. Sie kann zum Guten oder zum Schaden eingesetzt werden. Schon David erlebte das: Als er die Harfe spielte, wich der böse Geist von Saul (1.Sam. 16,23). Musik hat also eine geistige Kraft. Sie kann den Geist beleben oder ihn betäuben, Ehrfurcht fördern oder Sinnlichkeit und fleischliche Lust wecken. Ja, »Musik ist eine den Geist und das Gemüt bildende Betätigung«, das wussten schon die alten Griechen.
Wie in allen Lebensbereichen, gelten auch in der Musik bestimmte Ordnungen und Regeln. Ein Statiker etwa folgt bei der Berechnung der Tragfähigkeit eines Hauses festen Grundsätzen – andernfalls würde er sich strafbar machen. Und auch der Bauherr hat ein natürliches Interesse daran, dass die Berechnungen gewissenhaft beachtet werden; denn eine Missachtung derselben könnte fatale Folgen haben. Ebenso würde niemand einem Arzt vertrauen, der grundlegende Hygieneregeln missachtet, seine Sorgfaltspflicht vernachlässigt, Patienten nicht ausreichend aufklärt oder gar ohne ihre Einwilligung handelt.
In all diesen Beispielen zeigt sich ein gemeinsames Prinzip: Jeder Fachmann muss in seinem Verantwortungsbereich über solide Fachkenntnisse, Kompetenz und Erfahrung verfügen – ganz gleich, ob er Statiker, Arzt oder jemand aus einem anderen verantwortungsvollen Berufsfeld ist.
So ist es auch in der Musik. Seit Jahrhunderten gibt es in Melodie, Harmonie und Rhythmus bewährte Grundregeln, ein Richtig und Falsch. Diese Ordnungen sind nicht zufällig entstanden, sondern haben sich bewährt und beruhen auf Prinzipien, die Gott Selbst in die Schöpfung gelegt hat.
Doch gerade heute kennen oder beachten viele Musiker, Gemeindeleiter, Produzenten, Arrangeure usw. diese Ordnungen kaum noch. Stattdessen wird Musik oft als bloße Geschmacksfrage behandelt – als wäre jede musikalische Form gleichwertig und geistlich ebenso tragfähig.
Aber wie absurd wäre es, Häuser ohne einen fachkundigen Statiker zu bauen. Wie gefährlich wäre es, wenn ein Arzt ohne ausreichende fachliche Kompetenz behandeln würde. Und wie verhängnisvoll ist es, wenn eine Gemeinde nicht mehr das kraftvolle Evangelium verkündigt, sondern menschliche Ideen, politische Ideologien oder gesellschaftliche Trends. Wir wissen, wohin das führt: zur Verwässerung der Wahrheit, zur geistlichen Schwächung und letztlich zum Verlust des Evangeliums selbst.
Warum sollten wir also glauben, dass Musik – ein so kraftvolles Werkzeug für Herz, Lehre und Gottesdienst – ohne klare Orientierung gesund sein kann? Wenn wir die Ordnungen guter, biblisch geerdeter Musik ignorieren, zahlen wir einen hohen Preis: Die Gemeinde wird nicht erbaut, die Herzen werden nicht geheiligt, und das Evangelium verliert an Klarheit, weil die Form die Botschaft verwässert.
Gottes Reich verdient bessere Werkzeuge. Darum sollten wir auch in der Musik die Wege suchen, die Gott ehren und Seine Gemeinde stärken.
Deshalb ist es entscheidend, welche Art von Musik wir singen, spielen, hören, unseren Kindern anvertrauen und in unseren Gemeinden fördern. Musik kann ein Gefäß der Gnade sein oder ein offenes Tor für Verführung. Nicht, weil Töne an sich sündig wären, sondern weil Musik immer Ausdruck der inneren Geisteshaltung des Komponisten ist – und genau diese Haltung prägt dann den Sänger und den Hörer. Sie spiegelt das wider, was im Herzen des Menschen vor sich geht, und trägt den Geist der Kultur in sich, aus der sie hervorgeht. Darum ist Musik niemals wertneutral. Sie offenbart, was unseren Geist bestimmt – Ehrfurcht oder Leichtfertigkeit, Demut oder Stolz, der Heilige Geist oder das Fleisch und die Gefühle.
Wo das Fleisch regiert, wird die Musik schnell zu einem Spiegel menschlicher Begierde und Eitelkeit. Entscheidend sind nicht zuerst Ton oder Melodie, sondern der Geist, der sie beseelt. Darum sollen unsere Lieder nicht den Zeitgeist widerspiegeln, sondern den Geist Christi. In jedem Text, in jeder Melodie, jeder Harmonie, jedem Rhythmus und jeder Darbietung soll erkennbar sein, dass Christus das Zentrum ist – und dass Er allein durch unsere Musik verherrlicht werden soll.
Wenn die Welt den Ton angibt
Pop, Rock, Rap oder Hip-Hop sind nicht einfach neutrale Stilrichtungen. Jede Musikform entspringt einem bestimmten geistigen Hintergrund, trägt eine eigene kulturelle Atmosphäre und verkörpert eine innere Haltung. Diese Genres sind historisch aus Denk- und Lebensweisen hervorgegangen, die zutiefst weltlich geprägt sind – von Rebellion, Selbstverherrlichung, betonter Sinnlichkeit und seelisch-emotionalem Überschwang. Ihre Wurzeln liegen in einer Kultur, die Gott verdrängt, Autorität verspottet und Lust, Rausch und Selbstentfaltung feiert.
Diese Musik entstand nicht aus dem Streben, Gott zu ehren, sondern aus dem Wunsch, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Darum prägt sie den Menschen auf eine Weise, die dem Geist Christi entgegensteht. Was mit Stolz beginnt, kann keine Anbetung Gottes hervorbringen. Was aus der Rebellion geboren wird, kann das Herz nicht in die Demut führen.
Das betont auch Prof. Karl-Heinz Bloemeke:
»Es gibt Musik, die Gott ehrt und in die Kirche gehört. Und es gibt Musik, die für Kneipe, Party oder Selbstdarstellung geschaffen wurde. Diese hat im Gottesdienst keinen Platz.«1
Musik formt. Sie zieht uns immer irgendwohin. Die Frage ist nicht, ob sie wirkt, sondern wohin sie uns führt.
Wenn weltliche Formen unkritisch in die Gemeinde übernommen werden – selbst wenn sie als »christliche Musik« verpackt sind –, beginnt eine schleichende Verweltlichung. Sie zeigt sich sowohl in der Art der Musik als auch in der Art ihrer Darbietung. Man will Menschen »gewinnen«, doch man beeinflusst sie mit Mitteln, die sie in ihrer Weltlichkeit nur noch bestärken. So wird das, was heilig ist, dem Geist dieser Welt angepasst. Anstatt dass die Gemeinde die Welt verändert, beginnt die Welt, die Gemeinde zu verändern.
Evgeni Gontscharenko hat es treffend formuliert:
»Verändere das Repertoire der Lieder, und du veränderst die Gesinnung der Gemeinde. Verändere die Art der Darbietung, und du veränderst ihr Gesicht«.2
Musik ist also ein kraftvolles Mittel, durch das Wahrheit gelehrt, Herzen geprägt und Gemeinden geformt werden.
1 Prof. Karl-Heinz Bloemeke ist Dirigent und Musikpädagoge. Er studierte in Detmold, Wien und Rom, dirigierte an großen Opernhäusern und konzertierte international. Von 1985 bis 2017 war er Professor für Dirigieren in Detmold und ist heute künstlerisch-pädagogischer Leiter der Fortbildung.
2 Prof. Dr. Evgeni Gontscharenko (1950-2021) war Komponist, Dirigent, Musikpädagoge, sowie Rektor des Instituts für geistliche Musik in Moskau.


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