Charles Haddon Spurgeon (1834-1892) – Teil 1

Kategorie: Biografien
Thema: Errettung , Prediger

Seine Familie

Wahre Gottesfurcht in einem Hause führt gewöhnlich zur Gottesfurcht in den Herzen derer, die gemeinsam den Haushalt bilden. Die Familie Spurgeon kann drei Jahrhunderte hindurch ununterbrochen auf gläubige Vorfahren zurückblicken. Der Einfluss der aufeinanderfolgenden gottesfürchtigen Generationen sowohl auf ihre Umgebung wie auch auf ihre Nachkommen ist unberechenbar groß gewesen. Was für ein Segen kann es sein, wenn in unserer Zeit alle christlichen Familien auch wirklich gottesfürchtig sind, und welch positive Auswirkung kann das auf unsere Gemeinden und unsere Gesellschaft haben?!

C.H. Spurgeon ist ein direkter Nachkomme der Essexlinie, welche seit mehr als einem Jahrhundert ihre Repräsentanten zu den Predigern des göttlichen Wortes zählte. Spurgeons Großvater James Spurgeon war ein ehrwürdiger Prediger nach echt puritanischem Vorbild. Er wurde am 29. September 1776 in Halstead, Essex geboren und war von seiner frühesten Jugend an ein gottesfürchtiges Kind, das dem Vorbild seines Vaters folgte. 

Im Alter von 26 Jahren gelangte James Spurgeon zur Überzeugung, dass Gott ihn ins Predigtamt berief. Eine fast leblos gewordene unabhängige Gemeinde aus Clare, Suffolk bat ihn, auf ihrer Kanzel zu predigen, und er entsprach ihrer Bitte. Durch Gottes Gnade blühte diese Gemeinde unter Spurgeons Dienst wieder auf. Die Nachricht über seine ernsten und bibeltreuen Predigten verbreitete sich derart, dass er im Jahre 1810 zu dem sehr verantwortungsvollen Amt nach Stambourn in Essex berufen wurde, wohin er im nächsten Jahr ging und wo er unter großem Segen über 50 Jahre lang wirken durfte. Als er in dieser Gemeinde sein 50jähriges Prediger-Jubiläum feierte, war es sein Enkel, der ihm eine denkwürdige Festpredigt hielt. Sein guter Einfluss blieb bis an sein Lebensende unvermindert. Er starb, geehrt und geliebt, am 12. Januar 1864 im Alter von 87 Jahren.

John Spurgeon, der Vater von Charles, wurde 1811 geboren und überlebte seinen Sohn. Ein hohes Alter ist ehrenvoll, besonders wenn es im Dienste Gottes erreicht wird, und die Spurgeons scheinen zu dieser Auszeichnung bestimmt zu sein. John Spurgeon führte viele Jahre ein Geschäft; aber 16 Jahre lang predigte er jeden Sonntag in der unabhängigen Gemeinde in Tollesbury, Essex. Dann gab er sein Geschäft auf und widmete sich ganz der Sache des Herrn, insbesondere der Arbeit unter Jugendlichen. Seine letzte Stellung hatte er an einer Gemeinde in London inne, wo es ihm oft vergönnt war, mit seinem ältesten Sohn Charles zusammen zu sein.

Die Mutter von Charles Spurgeon zeichnete sich ebenfalls durch ihre aufrichtige Frömmigkeit und Demut aus und war wegen ihrer Hingabe im Werk des Herrn allgemein bekannt und beliebt. Ihr Sohn Charles schien von ihren ausgezeichneten Charakterzügen wie Hingabe, Einfalt und Gottesfurcht viel gelernt zu haben. John Spurgeon und seine Frau brachten schon früh große Opfer, um ihre 17 Kinder, von denen Charles das älteste war, gut und gründlich in der Gottesfurcht zu erziehen. Mrs. Spurgeons Sorgfalt hinsichtlich ihres ältesten Sohnes war besonders rührend und ernst. Nachdem Charles sich schon bekehrt hatte, sagte sie eines Tages unter anderem zu ihm: »Ach, Charlie, ich habe oft darum gebetet, dass du ein wahrer Christ werden mögest, aber nie darum, dass du ein Baptist würdest.« Charles antwortete darauf: »Gott hat dein Gebet erhört, liebe Mutter, und in Seiner wohlbekannten Freigebigkeit hat Er dir mehr gegeben, als du von Ihm erbeten hast.«

Geburt und Kindheit

Charles Haddon Spurgeon wurde am 19. Juni 1834 in Kelvedon, Essex geboren, einem Dorf mit einer Einwohnerzahl von etwa 2000 Menschen. In den Dörfern Englands sind manche der ausgezeichnetsten Männer des Landes geboren und erzogen worden. Dort wurden ihre Fähigkeiten entwickelt und das Fundament für ihre spätere Größe gelegt. 

Charles und sein jüngerer Bruder James Archer waren von sehr unterschiedlicher Statur und auch in ihrer persönlichen Erscheinung einander sehr ungleich. Charles war der kräftigere von beiden, und die Jungen des Ortes pflegten ihnen recht charakteristische Namen beizulegen. Von zweien seiner sechs Schwestern wird gesagt, dass sie hinsichtlich ihrer Figur und ihrer geistigen Energie ihrem Bruder Charles ähnlich seien.

Als Charles alt genug war, um das elterliche Haus verlassen zu können, wurde er der Obhut seines Großvaters in Stambourn anvertraut. Dieser ehrwürdige Herr liebte seinen Enkel sehr, und als sich beide näher kennenlernten, war es schwer, zu sagen, welcher von beiden den anderen mehr liebte. Im Haus des Predigers war eine jugendliche Tante, die sich des Jungen ganz besonders annahm, und dieser entwickelte sich bald zu einem gedankenvollen, ernsten Jungen, der Bücher mehr liebte als das Spiel. Die außergewöhnliche Frühreife des Kindes zog bald die Aufmerksamkeit aller auf sich, die mit ihm in Berührung kamen. Er versetzte die ernsten Brüder der Gemeinde, die seinen Großvater besuchten, in Erstaunen durch die verständigen Fragen, die er aufwarf, wie auch durch die treffenden Bemerkungen, die er machte. Im Alter von sieben Jahren kam Charles wieder in das Haus seines Vaters zurück – damals in Colchester –, wo sich eine bessere Gelegenheit zu seiner Ausbildung bot. 

Seine Bildung

Als Spurgeon zu Hause war, brachte ihn sein Vater in eine Schule in Colchester. Während seiner vierjährigen Schulzeit erwarb sich Charles gute Kenntnisse in der lateinischen, griechischen und französischen Sprache. Bei den Schulprüfungen war er ausnahmslos der Beste der Schule. Im Jahre 1848 verbrachte er einige Monate in einem landwirtschaftlichen Institut in Maidstone. Er war noch keine 15 Jahre alt, als er im Jahr 1849 als Hilfslehrer nach Newmarket kam, und während er hier mit charakteristischer Gründlichkeit seinen Berufspflichten nachging, gelang es ihm dennoch, Fortschritte beim Lernen zu machen. Hier war es auch, wo er heftige Kämpfe mit dem Unglauben zu bestehen hatte; aber während er sich unter viel Gebet um Hilfe an Gott wandte, überwand er jene höchst gefährlichen Versuchungen. Während seiner Zeit in Newmarket beteiligte er sich auch an der Bewerbung um einen Preis. Seine schriftliche Arbeit trug den Titel: »Der Antichrist und seine Brut; oder: Das Papsttum entlarvt.« Es gab nur drei Mitbewerber. Er gewann den Preis zwar nicht, aber nach zwei Jahren wurde ihm seine Arbeit neben einer schönen Geldspende zurückgesandt, um ihn zu ermutigen, weiterhin zu schreiben.

Gegen Ende des Jahres 1849 musste die Schule wegen einer ausgebrochenen Fiebererkrankung geschlossen werden, und Spurgeon kehrte nach Colchester zurück. Die getroffenen Vorsichtsmaßregeln waren jedoch nicht wirksam genug gewesen, denn er wurde von Typhus ergriffen und sehr krank. Aber Der, dessen Name Jahweh ist, bewirkte nicht nur, dass Sein jugendlicher Knecht sagen konnte: »Lobe den Herrn, meine Seele … Der dir alle deine Sünden vergibt und heilt alle deine Gebrechen«, sondern veranlasste ihn auch, dass er mit besonderem Nachdruck hinzufügen konnte: »Der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit« (Ps. 103,1-4). Hier müssen wir Spurgeon in seiner unnachahmlichen Weise die Geschichte seiner Bekehrung selbst erzählen lassen.

»Es gefiel Gott, mich in meiner frühen Jugend von meiner Sünde zu überführen. Ich vegetierte als ein elendes Geschöpf vor mich hin und fand keine Hoffnung, keinen Trost. Mein Herz war zermalmt; sechs Monate lang betete ich aus tiefstem Herzen, unter großer Angst, fand jedoch keine Erhörung. Ich war entschlossen, jede Gemeinde in Colchester zu besuchen, um den Weg des Heils zu finden; ich war zu allem bereit, was nötig wäre, wenn Gott mir nur vergeben wollte.

Endlich kam die Erhörung. Es geschah an einem Tag des Herrn; es tobte solch ein Schneesturm, dass ich nicht dahin gehen konnte, wohin ich zu gehen beabsichtigt hatte. Ich musste stillstehen – und das war ein für mich reich gesegnetes Stillstehen –, fand eine einsame Straße und ging durch einen Hof, in dem eine kleine Kapelle stand. Irgendwohin wollte ich zum Gottesdienst gehen; aber diesen Ort kannte ich bis jetzt nicht. Es war die Kapelle der Methodisten. Von diesen Leuten hatte ich schon einiges gehört, unter anderem auch, dass sie sehr laut singen; aber das interessierte mich jetzt nicht, wenn ich nur erfahren konnte, wie ich gerettet werden könne. Ich ging hinein, und als ich dasaß, begann der Gottesdienst; aber es kam kein Prediger. Endlich betrat ein sehr kränklich aussehender Mann die Kanzel, schlug seine Bibel auf und las diese Worte: ›Blicket auf Mich, so werdet ihr gerettet, all ihr Enden der Erde …!‹ (Jes. 45,22, KJV). Während er seine Augen auf mich richtete, sagte er, als ob er mein ganzes Herz durchschaue: ›Junger Mann, du bist bekümmert.‹ Gewiss war ich das. ›Du wirst nie deinen Kummer verlieren, wenn du nicht auf Christus blickst!‹ Und dann rief er, indem er seine Hände emporhob, wie es nur ein Methodist tun kann: ›Blicke! Blicke! Blicke! Es ist nur nötig, zu blicken!‹ Da erkannte ich mit einem Mal den Weg des Heils, und oh, wie mein Herz in jenem Augenblick vor Freude hüpfte! Ich weiß nicht, was er sonst noch sagte; ich achtete nicht besonders darauf, da ich ganz von dem einen Gedanken erfüllt war. Es erging mir wie den Israeliten damals, als die eherne Schlange aufgerichtet war: Die unter dem Schlangenbiss Leidenden blickten nur auf und waren geheilt. Ich wäre bereit gewesen, fünfzig verschiedene Werke zu verrichten; aber als ich das eine Wort hörte: ›Blicke!‹ – oh, wie wundervoll erschien es mir! Ich blickte immerzu zum Kreuz, und noch im Himmel will ich mit unaussprechlicher Freude weiter hinblicken. 

Ich fühlte mich nun verpflichtet, niemals eine Predigt zu halten, ohne die Sünder persönlich anzusprechen. Wenn ein Prediger eine Predigt halten kann, ohne die Sünder anzureden, dann weiß ich nicht, wie er predigen kann.«

(Im Jahre 1856 predigte Spurgeon am Jahrestag seiner Bekehrung vor seiner Gemeinde über denselben Text, wobei er erzählte, was sechs Jahre zuvor an demselben Tag geschah. Im Oktober 1864 predigte Spurgeon vor 500 Zuhörern in derselben Kapelle, in welcher der Herr ihm Rettung geschenkt hatte, ebenfalls über diesen Text.) 

Erfüllt von seiner neu gefundenen Freude kehrte Spurgeon nach Newmarket zurück und widmete sich fortan dem Dienst seines Herrn und Meisters. Es ist kaum nötig, zu betonen, dass er die erstbeste Gelegenheit wahrnahm, um öffentlich ein Bekenntnis seines Glaubens an Christus abzulegen und sich mit dem Volk Gottes zu verbinden. Von der Liebe Christi gedrängt, ergriff Charles jede Möglichkeit, Seelen für den Heiland zu gewinnen. Zur Erreichung dieses Zieles erschien ihm die Verbreitung von Traktaten als das beste Mittel.

Sehr bald zog die Sonntagsschule seine Aufmerksamkeit auf sich. Seine Ansprachen an die Kinder waren so interessant und lehrreich, dass die Kinder ihren Eltern nicht genug davon erzählen konnten, und bald kamen auch diese, um diesen »Lehrer« zu sehen und zu hören.

Nach seiner Bekehrung beeinflusste seine Überzeugung von der Schriftmäßigkeit der Glaubenstaufe seine zukünftige Laufbahn. Er war bisher ein Anhänger der Säuglingstaufe gewesen. Sobald er es jedoch durch das Forschen im Wort Gottes als seine Pflicht erkannte, sich durch Untertauchen taufen zu lassen, beeilte er sich, auch diesen Befehl seines Herrn zu erfüllen. Am 3. Mai 1850 wurde er somit in der Baptistengemeinde öffentlich getauft. Er war damals noch nicht ganz 16 Jahre alt. An diesem für ihn so denkwürdigen Tag schrieb er seinem Vater: »Es ist mir sehr lieb, dass der Tag, an welchem ich öffentlich den Namen Jesu bekenne, der Geburtstag meiner lieben Mutter ist«, und er gab der Hoffnung Ausdruck, dass diesem Tag viele herrliche und glückliche Tage folgen werden.

Seine Erfahrung bei der ersten Predigt

In der Einleitung zu einer Predigt über 1. Petrus 2,7 im Jahre 1873 bemerkt Spurgeon: 

»Ich erinnere mich sehr wohl, dass ich mich bei meinem ersten Versuch zu predigen – vor mehr als 22 Jahren – auf diesen Text bezog. Ich war gebeten worden, einen jungen Mann nach Teversham, nicht weit von Cambridge, zu begleiten. Ich konnte nichts anderes vermuten, als dass dieser junge Mann an jenem Abend die Predigt halten werde, und so sagte ich unterwegs zu ihm, dass ich hoffe, der Herr werde seine Worte segnen. ›Oh, mein Lieber‹, entgegnete er, ›ich habe in meinem ganzen Leben noch nie gepredigt und denke auch nicht daran, es heute zu tun. Ich bin nur aufgefordert worden, dich zu begleiten, und ich wünsche, dass Gott in deiner Predigt mit dir sein und dich segnen werde.‹ ›Nein‹, erwiderte ich, ›ich habe noch nie gepredigt und glaube kaum, dass ich dazu im Stande bin.‹ Wir gingen zusammen, bis wir an den bestimmten Ort kamen, und innerlich zitterte ich, wenn ich daran dachte, was nun werden würde. Als wir miteinander die Versammlung fanden und nun kein anderer da war, der von Jesus sprechen konnte, und mir klar wurde, dass man von mir erwartete, ich würde predigen, obgleich ich erst 16 Jahre alt war, so predigte ich eben, und der Text, den ich soeben verlesen habe, war mein Text: ›Für euch nun, die ihr glaubt, ist Er kostbar.‹«

Nach diesem einschneidenden Ereignis des jugendlichen Spurgeon wurde er in den Dörfern um Cambridge her bald durch seine Predigten bekannt; große Scharen wurden angezogen, um ihn zu hören; und obgleich er noch sehr jung war, ergingen doch viele Einladungen aus benachbarten Städten und Dörfern an ihn, bei besonderen Gelegenheiten zu predigen. Die kleine Baptistengemeinde in Waterbeach, einem Ort von ca. 1500 Einwohnern, sah in dem jungen Prediger einen Mann, der ganz ihren Bedürfnissen entsprach, und sie bat ihn, ihrer Gemeinde mit dem Wort Gottes zu dienen.

Die Hochschul-Frage

»Bald nachdem ich 1852 begonnen hatte, in Waterbeach das Wort zu verkündigen, wurde mir von meinem Vater und anderen entschieden geraten, das Baptist College von Stepney (heute Regents Park College) zu besuchen, um mich gründlicher auf das Predigtamt vorzubereiten. Davon überzeugt, dass die Wissenschaft kein Hindernis sei, sondern nur brauchbarer machen könne, war ich geneigt, mir diese Kenntnisse anzueignen, wenngleich ich glaubte, dass ich auch ohne diese Ausbildung nützlich sein könne. Ich stimmte also zu, mich durch die Ausbildung nützlicher machen zu lassen. Dr. Angus, der Vorsteher des College, kam nach Cambridge, wo ich damals wohnte, und es war vereinbart worden, dass wir uns im Haus des Verlagsbuchhändlers, Herrn Macmillan, treffen wollten. Indem ich über die Sache nachdachte und darüber betete, trat ich genau zur vereinbarten Zeit in das Haus ein und wurde in ein Zimmer gewiesen, wo ich einige Stunden geduldig wartete. Das Gefühl von meiner Niedrigkeit und der Größe des Londoner Direktors hielt mich davon ab, zu klingeln und nach der Ursache der ungewöhnlich langen Verzögerung zu fragen.

Als meine Geduld endlich doch erschöpft war, klingelte ich, und als das Hausmädchen erschien, wurde dem wartenden 18-jährigen Jüngling gesagt, dass Dr. Angus lange in einem anderen Zimmer gewartet habe, dass er nicht länger habe warten können und mit dem Zug bereits nach London zurückgefahren sei. Das arglose Mädchen hatte der Herrschaft nicht mitgeteilt, dass jemand gekommen sei, den sie in das Wartezimmer geführt habe. Infolgedessen fand die Unterredung nie statt, obgleich sie von beiden Seiten beschlossen worden war. Ich fühlte mich in jenem Augenblick nicht wenig enttäuscht; aber seitdem habe ich dem Herrn wohl viele Male von Herzen für die seltsame Vorsehung gedankt, durch welche meine Schritte auf einen anderen und viel besseren Weg gelenkt wurden.«

Dieser Punkt der besseren Ausbildung war sowohl von Spurgeon selbst als auch von seinen Eltern sehr sorgfältig erwogen worden, wie das aus verschiedenen Briefen aus jener Zeit hervorgeht. In einem Brief, den er im November 1852 an seine Mutter schrieb, sagt er: »Ich freue mich je länger desto mehr darüber, dass ich nicht in das College eingetreten bin«, und fügt noch hinzu: »Ich habe alles, was das Herz sich nur wünschen kann; ja, Gott gibt mehr, als ich wünsche. Unsere Gottesdienste sind so gut besucht wie nie zuvor. Solange ich in Waterbeach gewesen bin, habe ich jedes Haus als mein Heim betrachten dürfen. Zweiundfünfzig Familien haben mich aufgenommen, und sechs weitere Einladungen konnte ich nicht mehr annehmen.« Das alles war für den jungen 18-jährigen Mann sehr ermutigend. Aber es bahnte sich eine große Veränderung an, die für sein ganzes spätere Leben entscheidend sein sollte. 

Bei der Sonntagsschullehrer-Konferenz im Jahre 1853 wurde der junge Prediger aus Waterbeach aufgefordert, eine Ansprache zu halten. Unter denen, auf deren Herzen diese Ansprache einen bleibenden Eindruck machte, war Herr Gould von Loughton. Dieser begegnete bald darauf in London einem Diakon einer berühmten Baptistengemeinde in Southwark, die zurzeit keinen Prediger hatte, und sprach ihm gegenüber seine Meinung dahingehend aus, dass der junge Evangelist sehr wohl fähig sei, der Gemeinde in der New Park Street Chapel zu dienen. Diese Gemeinde existierte seit 1652, und unter ihren Predigern hatte es hervorragende Männer Gottes gegeben. Zu der Zeit aber, von welcher wir schreiben, war die Gemeinde sehr heruntergekommen; ihre Herrlichkeit schien dahin zu sein. Die Diakone erwogen alles, was Herr Gould über den jungen Prediger Spurgeon gesagt hatte, und so erging bald eine Einladung an ihn, zu kommen und in der New Park Street Chapel zu predigen.

 

Teil 2

Blog

Charles Haddon Spurgeon (1834-1892) – Teil 1

Lesezeit: 14 min