Teilen ja – Stehlen nein

11 Februar, 2026
Teilen ja – Stehlen nein

»Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen in aller Weisheit; lehrt und ermahnt einander und singt mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern dem Herrn lieblich in eurem Herzen. Und was immer ihr tut in Wort oder Werk, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch Ihn.«
Kolosser 3,16-17

Mit diesen Worten ruft uns der Apostel Paulus in eindringlicher Klarheit zu einem Leben in geistlicher Gemeinschaft auf. Christen sind dazu berufen, einander zu lehren und zu ermahnen, zu tragen und zu ermutigen, aufzurichten und zu begleiten. Genau dazu hat Christus uns die Gemeinde geschenkt: als Raum gegenseitiger Fürsorge, geistlicher Verantwortung und gemeinsamer Nachfolge unter Seinem Wort.

Doch Paulus bleibt nicht bei diesem Aufruf stehen. Er setzt einen entscheidenden Akzent, der allem Gesagten Richtung und Gewicht verleiht: »Und was immer ihr tut in Wort oder Werk, das tut alles im Namen des Herrn Jesus.«

Damit macht er deutlich: Nicht jede gut gemeinte Handlung ehrt Gott. Dieses Lehren und Ermahnen soll im Namen des Herrn geschehen, so wie es Seinem Willen entspricht und Ihm wohlgefällt. Nur auf diese Weise können wir unsere Geschwister ermutigen und dabei auch selbst reichen Segen erfahren.

Und hier müssen wir uns selbst ehrlich prüfen. Ist es möglich, dass wir in dem Wunsch, anderen Gutes zu tun, genau diesen Maßstab aus dem Blick verlieren?

Erkenne das Problem

Kennst du diese Situation? Dein Handy vibriert. Eine Nachricht erscheint. In einer christlichen Gruppe wird ein Hörbuch empfohlen – die entsprechende Datei ist angehängt. Ein Klick, und schon kannst du das Hörbuch anhören.

Vielleicht hast du so etwas schon erhalten, vielleicht auch selbst weitergeleitet: ein christliches Hörspiel, ein E-Book, Noten oder Musik. Die Motive sind oft ehrlich. Man möchte segnen, erbauen und das weitergeben, was für einen persönlich hilfreich war. Man möchte andere im Glauben stärken – ganz im Sinne von Kolosser 3.

Vielen ist dabei jedoch nicht bewusst, dass dieses Weitergeben oft auf illegalem Weg geschieht. Christliche Musik, Noten, Hörbücher und E-Books werden in Telegram oder WhatsApp verbreitet. Manchmal werden in Online-Gruppen ganze Bücher vorgelesen.

Illegales Teilen ist kein Randphänomen. Auch unter Christen ist es weit verbreitet – häufig aus Unwissenheit oder mit guten Absichten. Doch was auf den ersten Blick edel wirkt, ist rechtlich und moralisch ein echtes Problem. Denn dieses Vorgehen ist Diebstahl und beeinträchtigt unmittelbar die Arbeit derjenigen, die Zeit und andere Ressourcen investiert haben. Es hat reale Folgen für reale Menschen.

Gerade hier sind wir dazu aufgerufen, nüchtern hinzusehen, unser Handeln im Licht der Schrift zu prüfen und uns nicht von guten Absichten täuschen zu lassen.

Mach dir die Folgen bewusst

Stell dir vor, ein guter Freund von dir folgt einer klaren Berufung – nicht aus Abenteuerlust oder finanziellen Motiven, sondern aus innerer Überzeugung. Er kündigt seinen sicheren Arbeitsplatz, um christliche Literatur zu produzieren und zugänglich zu machen. Er gibt Bücher, Hörbücher und andere digitale Medien heraus mit dem Ziel, Menschen im Glauben zu dienen, sie zu stärken, zu unterweisen und zu ermutigen.

Diese Arbeit entsteht nicht aus dem Nichts – sie kostet Zeit, Geld und Kraft. Lizenzen müssen erworben und Texte geschrieben oder übersetzt und sorgfältig lektoriert werden, Inhalte müssen gestaltet, verwaltet, beworben und Sprecher fair bezahlt werden. Vieles davon geschieht im Vertrauen darauf, dass diejenigen, die diese Produkte nutzen wollen, ehrlich handeln und das Werk achten, das ihnen dient.

Doch mit der Zeit beginnen die Einnahmen zu sinken. Nicht, weil das Interesse fehlt oder die Inhalte wertlos wären, sondern weil sich eine Haltung einschleicht: »Warum kaufen, wenn man es doch einfach zugeschickt bekommen kann?«

Und nun stell dir die Konsequenzen vor. Wie lange, meinst du, wird dein Freund diese Arbeit durchhalten? Wie lange wird er den Mut haben, an seiner Berufung festzuhalten, wenn die Kosten nicht einmal mehr gedeckt werden? Wie lange, wenn neue Projekte scheitern – nicht aus Mangel an Vision, sondern aus Mangel an Treue?

Wie würdest du über illegales Verbreiten christlicher Medien denken, wenn dadurch die Existenzgrundlage deines Freundes gefährdet wäre?

Illegales Teilen bleibt nicht ohne Folgen. Es verhindert neue Produktionen. Es raubt Ressourcen. Es gefährdet Existenzen. Und es bringt ein Werk zum Stillstand, das eigentlich dazu gedacht war, das Reich Gottes zu fördern. Was nach einer kleinen, harmlosen Handlung aussieht, hat oft größere Auswirkungen, als wir denken. Nicht jede Not wird durch böse Absicht verursacht; manche entsteht durch Gleichgültigkeit.

Stelle dich dem Wort Gottes

Auch wenn die Heilige Schrift nirgends ausdrücklich das Gebot formuliert: »Du sollst das Urheberrecht nicht verletzen«, so schweigt sie doch keineswegs zu den Prinzipien, um die es hierbei geht. Im Gegenteil: Sie spricht mit großer Klarheit unser Denken und Handeln an – und vor allem unser Herz.

Römer 13,1-7 erinnert uns daran, dass Gott Selbst staatliche Autoritäten eingesetzt hat und uns aufruft, ihre Ordnungen zu achten. Dazu gehören auch die Gesetze, die das Eigentum und die Arbeit anderer schützen. Wer diese Gesetze achtet, ordnet sich nicht bloß menschlicher Gesetzgebung unter, sondern erkennt auch die von Gott gegebene Ordnung an. Damit ist allerdings noch nicht alles gesagt. Denn das Wort Gottes geht tiefer als das Gesetz.

Wir müssen den moralischen Ernst dieser Frage sehen. Respektieren wir die Arbeit und das Eigentum unseres Nächsten? Das Gebot »Du sollst nicht stehlen« beschränkt sich nicht auf sichtbare, materielle Güter, es gilt ebenso für digitale. Wer Inhalte illegal nutzt oder weitergibt, eignet sich etwas an, was ihm nicht gehört, und macht sich zum Dieb. Auch fromme Motive ändern nichts daran: Gute Absichten heiligen nicht unrechtes Handeln.

Verlage, Autoren, Übersetzer, Lektoren, Mediengestalter, Komponisten und Sprecher investieren Zeit, Kraft und Ressourcen, um christliche Medien zu schaffen. Oft bringen sie dabei große persönliche Opfer. Viele von ihnen tun dies aus tiefer Überzeugung und im Dienst am Reich Gottes. Sie leben von dieser Arbeit. In der Schrift heißt es unmissverständlich: »… der Arbeiter ist seines Lohnes wert« (Lk. 10,7).

Ehrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Respekt sind keine verhandelbaren Werte – auch nicht im digitalen Bereich. Hier zeigt sich, ob wir unser Christsein konsequent ausleben, oder ob wir an entscheidenden Stellen Abstriche machen. Lasst uns deshalb Medien verantwortungsvoll nutzen und dies »im Namen des Herrn Jesus« tun, damit das Gute, das Gott schenkt, noch vielen weiteren Menschen zum Segen wird.

Was kannst du ganz praktisch tun?

Da dieses Thema uns alle betrifft, kann auch jeder von uns einen Beitrag zum Guten leisten. Jeder Einzelne kann einen Unterschied machen. Der erste Schritt ist, das Bewusstsein zu schärfen, indem man darüber spricht, nachfragt und liebevoll aufklärt. Tue dies nicht in einer anklagenden Haltung, sondern mit der Absicht, zu helfen.

Der zweite Schritt ist dein persönliches Handeln. Verantwortungsbewusstsein beginnt nicht bei den anderen, sie beginnt bei uns selbst. Wo wir fair handeln, geben wir ein kraftvolles Zeugnis und ermutigen andere, es ebenso zu tun.

Hier einige Anregungen dafür:

    • Bücher, Hörbücher und Musik empfehlen – durch persönliche Gespräche oder kurze Rezensionen, statt durch das Weiterleiten von Dateien
    • Offizielle Shop- oder Verlagsquellen teilen, statt inoffizielle Quellen zu verbreiten
    • Lese- und Hörproben nutzen und teilen
    • Bei Bedarf klar Stellung beziehen und gegebenenfalls Gruppen oder Kanäle verlassen, in denen illegales Teilen geduldet wird
    • Medien bewusst kaufen, um sie zu verschenken, statt sie unrechtmäßig zu vervielfältigen
    • Bei Unsicherheit lieber nachfragen

Gutes weiterzugeben, ist etwas Kostbares. Doch es ehrt Gott nur dann, wenn wir bereit sind, den Preis selbst zu tragen und ihn nicht anderen abzuverlangen. Jeder faire Kauf ist ein Ausdruck von Dankbarkeit und Wertschätzung gegenüber den Menschen, die diese Inhalte mit Hingabe und Vertrauen möglich machen.

»Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht« (Lk. 16,10). Möge der Herr uns diese Treue schenken – im Großen wie im Kleinen, sichtbar und verborgen, zu Seiner Ehre.


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Teilen ja – Stehlen nein

von Lucas Derksen Lesezeit: 6 min